Wolmirstedt l Wer benutzt heute noch ein Lexikon? Das Internet hat sich längst als Nachschlagewerk etabliert. Fahrpläne werden auf dem Smartphone angezeigt, Flugtickets lassen sich online buchen und Weihnachtsgeschenke werden zunehmend im Internet bestellt. Im öffentlichen Raum hingegen läuft noch vieles analog.

Doch inzwischen mutet es zuweilen seltsam an, dass in Rathäusern noch weitgehend persönlich vorgesprochen werden muss, an öffentlichen Stellen kaum WLan vorhanden ist, dass Homeschooling in manchen Gegenden an zu schwacher Internetverbindung scheitert.

Das betrifft nicht nur Wolmirstedt, sondern sehr viele Regionen Deutschlands, die digitale Baustelle wurde vielerorts viel zu lange viel zu wenig angetastet. Wolmirstedt wagt sich jetzt vor und möchte ein Digitalisierungszentrum einrichten.

Name ist irreführend

Was verbirgt sich dahinter? Zunächst: Der Name Zentrum ist ein wenig irreführend. Im Grunde geht es vor allem darum, eine zusätzliche Personalstelle im Rathaus zu schaffen. Der oder diejenige Mitarbeiter soll einen Fahrplan erarbeiten, der aufzeigt, an welchen Stellen Wolmirstedt online besser arbeiten kann. Mit dem vorhandenen Personal könne dieses Aufgabengebiet nicht abgedeckt werden, heißt es aus dem Rathaus.

Immerhin: Es gibt eine Art Ideensammlung, inzwischen sogar drei Schwerpunkte. Die Schlagworte lauten Wirtschaft, Pflege- und Wohnsituation sowie Mobilität.

Ortsansässige Firmen sollen hinsichtlich eines Glasfaseranschlusses beraten oder unterstützt werden, landwirtschaftliche Betriebe an das Internet angebunden, Unternehmen zu Workshops eingeladen werden.

Kommunikation mit Außenwelt

In den Fokus rücken auch Senioren. Wohnungen in Pflegeeinrichtungen sollen soweit technisch ausgestattet werden, dass älteren Menschen die Kommunikation mit der Außenwelt ermöglicht wird.

Unter der Überschrift Mobilität gibt es Gedanken, unter anderem über Parkplatzbelegungen zu informieren, an Bushaltestellen digitale Anzeigen zu installieren oder über Elektroladestationen zu informieren.

Wie genau das in die Tat umgesetzt werden kann, dafür soll ein Fahrplan auf den Weg gebracht werden, ähnlich wie beim Stadtentwicklungskonzept. Doch selbst wenn erste Schritte in die Wege geleitet sind, bleibt noch viel Arbeit übrig.

Kein kostenloses WLan

Bisher gibt es an vielen öffentlichen Stellen kein kostenloses WLan, das Smartphone-Nutzern die unkomplizierte und schnelle Internetnutzung ermöglicht. Wolmirstedt könnte sich vorstellen, dieses WLan im Rathaus, auf der Schlossdomäne, im Bildungs- und Freizeitzentrum, im Freibad, auf Webers Hof und anderen Einrichtungen der Ortsteile zu installieren.

Die KWG-WWP-FDP-FUWG-Fraktion des Stadtrates hatte bereits vor Monaten angeregt, Wolmirstedt möge die Weichen für die digitale Zukunft stellen. Fraktionsvorsitzender Mike Steffens sieht vor allem die Priorität, überall schnelles Internet zu installieren. Besonders in diesem Jahr sei aufgefallen, dass es für Schulkinder mitunter schwierig gewesen sei, von zu Hause aus mit der Schule zu kommunizieren, weil es nicht überall Leitungen gibt, die den Anforderungen standhalten.

Aktuell steckt besonders der Wolmirstedter Ortsteil Mose in der Warteschleife. Wolmirstedt und Elbeu sind von der Telekom versorgt, Glindenberg von MDDSL, endlich auch Farsleben, nur in Mose ist das schnelle Internet noch nicht angekommen. Wie MDDSL dort verfahren will, soll am 18. Januar im Hauptausschuss bekannt gegeben werden.

Ultraschnelles Breitband

Davon abgesehen soll es langfristig auch darum gehen, ein flächendeckende 5G-Netz einzurichten, also sozusagen ultraschnelles Breitband, das auch Unternehmen nützt, weil sich damit auch Maschinen vernetzen können.

Auf der Agenda für das Digitalisierungszentrum stehen auch die Telemedizin sowie das digitale Rathaus. Sollte die Verwaltung eines Tages digitaler arbeiten, könnten zum Beispiel Hundesteuern am heimischen Rechner angemeldet werden. Das würde das Personal entlasten, das derzeit ohnehin knapp bemessen ist. Im Einwohnermeldeamt etwa müssen Bürger viele Wochen auf einen Termin warten, wenn sie beispielsweise einen neuen Ausweis brauchen.

Die Stelle für das Digitalisierungszentrum kann zu 80 Prozent gefördert werden und ist auf zwei Jahre begrenzt. Die Mittel fließen nur, wenn die Stelle anschließend fortgeführt wird. Deshalb möchte der Stadtrat aufgrund der drängenden Aufgaben schon jetzt beschließen, dass diese Stelle unbefristet weiterläuft. Auch für die digitale Zukunft Wolmirstedts stehen Fördermittel zur Verfügung.