Bali/Meitzendorf l Bereits im Sommer 2019 waren Janina Schön aus Zielitz und Julia Lange aus Meitzendorf nach Australien gereist. Hier hatten die beiden jungen Frauen mit wechselnden Jobs Geld verdient, welches sie für ihren Aufenthalt in Down Under und den abschließenden Urlaub benötigten. „Es war eine aufregende Zeit mit Waldbränden in unmittelbarer Nähe zu Sydney, aber auch sehr vielen schönen Erlebnissen“, erinnert sich die 25-Jährige Julia Lange in einem Gespräch mit der Volksstimme. Viele Sehenswürdigkeiten der größten Stadt Australiens hätten sie bewundert, es seien Freundschaften mit vielen Reisenden aus der ganzen Welt entstanden. Ganz besonders seien die Eindrücke auf Fraser Island vor Queensland an der australischen Ostküste gewesen.

Am 29. Februar flogen die beiden jungen Frauen dann von Sidney nach Denpasar auf Bali. Auch hier standen zahlreiche Sehenswürdigkeiten auf dem Plan der jungen Leute. Doch es sollte ganz anders kommen: Zunächst hatten sich sieben junge Deutsche und eine Australierin gemeinsam ein Haus am Rande der Stadt gemietet. „Es lief alles gut. Wir haben zwar über die Nachrichten mitbekommen, dass das Coronavirus anrollt, doch was folgen sollte, war noch nicht auszudenken“, berichtetet Julia Lange weiter. Schließlich seien die Corona-Fallzahlen in Indonesien bis zu diesem Zeitpunkt noch sehr gering gewesen.

Rückflug storniert

Bis am 6. März plötzlich die ersten geplanten Rückflüge nach Deutschland von den Fluggesellschaften storniert wurden. „Somit hing auch meine 22-jährige Schwester auf Bali fest. Sie kam Anfang März auf der Insel an“, erinnert sich die Meitzendorferin. Angst, so schnell nicht wieder nach Deutschland zurückzukommen, habe sie nicht gehabt, „schließlich gab es anfangs ja noch mehrere andere Möglichkeiten, in die Heimat zu kommen.“ Erst die Entwicklung der nächsten Tage habe sie, ihre Schwester und die anderen Mitreisenden beunruhigt.

So begann der Krisenmodus in allen beteiligten Familien. Das berichtet der Vater der beiden Schwestern, Michael Lange. So hätten die Eltern sofort Kontakt untereinander aufgenommen, „da die Informationen zu Rückreisemöglichkeiten überwiegend sehr irritierend waren.“ Über die beiden Bundestagsabgeordneten Marja-Liisa Völlers (SPD) und Maik Beermann (CDU) sowie das Auswärtige Amt sei versucht worden, „belastbare Informationen für eine Rückholaktion beziehungsweise sichere Transitflughäfen zu erhalten“, berichtet der Meitzendorfer weiter. Zu den Rückholaktionen des Auswärtigen Amtes hieß es von der Behörde, Touristen aus Bali würden nicht ausgeflogen.

Auf Grund der sich „beinahe stündlich ändernden Gemengelage“ seien Flüge zunächst ohne weiteres nicht möglich gewesen. Die siebenstündige Zeitverschiebung zwischen Indonesien und Deutschland habe ihr Übriges dazu beigetragen, dass weitergeleitete Informationen schnell schon wieder veraltet waren. „Die Mitarbeiter des Konsulats auf Bali waren mit der Aufgabe schlichtweg überfordert.

Regierung holt keine Touristen

Die folgenden Tage seien von Buchungen und Stornierungen von Flügen und dem Einholen von Informationen geprägt gewesen. Zwischenzeitlich schlossen die Flughäfen in Singapur, Kuala Lumpur, Doha und Dubai für Transitflüge. Eine vom Auswärtigen Amt empfohlene Rückflugempfehlung über Djakarta mit Transit nach Deutschland wurde verworfen, da die indonesische Regierung eine Internierung von Touristen auf der Haupt­insel in Erwägung gezogen hatte. „Langsam wurde auch die Zeit knapp für die jungen Reisenden, welche sich seit Februar auf Bali befanden, da ein Touristenvisum nur für 30 Tage Gültigkeit hat. Danach drohte ein illegaler Aufenthalt in Indonesien mit nicht geringer Geldstrafe“, erzählt Michael Lange weiter.

Seine Töchter und die Mitreisenden hatten derweil Geldsorgen. Die ständigen Umbuchungen verursachten ungeplante Kosten. „Die Flüge wurden immer teurer. Wir hatten aber nur begrenzte finanzielle Mittel“, berichtet Julia Lange. Aus dem deutschen Konsulat auf Bali sei ihnen mitgeteilt worden, dass sie sich am besten Geld für die Rückreise leihen sollten, schließlich würde es ja zurückerstattet. Glücklicherweise aber hätten sich alle Reisebeteiligten sowie die Angehörigen in der Heimat gekümmert.

In der Nacht zum 22. März habe dann eine ganz wichtige Information die Gruppe auf Bali erreicht: Drei junge Leute aus Magdeburg erhielten die Nachricht, dass ihr gebuchter Flug über Singapur nach Berlin umgebucht wurde. Die neue Flugroute lautete nun: Denpasar, Tokio, Düsseldorf. Die fünf anderen fuhren sofort zum Flughafen und versuchten, einen Rückflug ebenfalls über Japan zu buchen. Bei den am Flughafen vertretenen Fluggesellschaften war das nicht möglich. Über ein Flugportal gelang schließlich jedoch eine Buchung für alle Fünf über Tokio, Helsinki und Frankfurt.

Kein Urlaubsfeeling

Urlaubsfeeling sei die gesamte Zeit auf Bali über so gut wie gar nicht aufgekommen. So konnten nur Restaurants aufgesucht werden, in denen das Personal die Deutschen bereits kannte. Von vielen Einheimischen seien sie teils unfreundlich behandelt worden, weil sie als Ausländer Träger des Virus sein könnten.

Die Zeit bis zum Abflug am 23. März war mit dem Packen der Koffer und noch letzten notwendigen Einkäufen schnell verflogen. So hatte sich die Gruppe mit Gesichtsmasken eingedeckt, welche es auf Bali noch ausreichend gab. „Schließlich wurden die ersten Corona-Infektion erst drei Tage zuvor auf der Insel bestätigt“, berichtet Julia Lange weiter.

Was folgte, war nur noch Hoffen und Bangen. Am 23. März dann die erlösende Information an den Abflugtafeln am Airport Denpasar: Die Flüge finden statt. Am 24. März erfolgte nach 24 Stunden die glückliche Ankunft in Frankfurt.

Die vergangenen drei Wochen haben die beiden Schwestern nun erst einmal genutzt, um in häuslicher Quarantäne in der Heimat anzukommen. Julia Lange war schließlich ein halbes Jahr nicht mehr in Deutschland. Während die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau sich aktuell auf ihr im Herbst beginnendes Studium vorbereitet, ist Schwester Anika seit wenigen Tagen bereits voll dabei.