Wolmirstedt l Die Ordnungshüter patrouillieren sechs Tage in der Woche durch Wolmirstedt. Sie überwachen die Umsetzung der Vorgaben der Landesregierung. Diese sind im Infektionsschutzgesetz festgehalten und seit Freitag existiert auch ein Bußgeldkatalog dazu, der saftige Geldstrafen vorsieht. „Bis jetzt haben wir noch keinen Bürger mit einer Ordnungsstrafe belegen müssen“, erzählt der Regionalbereichsbeamte Jens Kaulfuß. „Wir setzen auf das Gespräch.“

Gemeinsame Streifen

So werden bei gemeinsamen Streifen mit dem Ordnungsamt die Wolmirstedter über eventuelle Verfehlungen aufgeklärt und aufgefordert, diese zu unterlassen. „Bei Wiederholungstätern würde dann der Katalog zur Anwendung kommen“, beschreibt der Polizist. „Allerdings zeigen sich die Bürger generell sehr einsichtig.“

So sei den Ordnungshütern Tage zuvor eine Familie aufgefallen, die einfach das schöne Wetter genossen habe und deren Kinder auf einem eigentlich gesperrten Spielplatz aktiv waren. „Wir haben den Leuten noch einmal die aktuellen Vorgaben erläutert“, sagt Kaulfuß. „Danach durften sie dann mit einer Verwarnung nach Hause gehen.“ In Wolmirstedt werde also nicht mit dem Dampfhammer vorgegangen, sondern mit Aufklärung.

„Damit fahren wir auch ganz gut“, schätzt der Polizist ein. „Der jetzt gültige Bußgeldkatalog sieht ja teilweise recht hohe Bestrafungen vor.“ Fragen dazu kommen bei dem Regionalbereichsbeamten im Augenblick per Telefon oder Bürger sprechen ihn direkt im Stadtgebiet an. „Da gab es durchaus schon Fragen, über die ich mich auch erst einmal kundig machen musste“, fügt er hinzu. So beabsichtigt eine Frau, ihren schwerbehinderten Lebenspartner in Mecklenburg-Vorpommern zu unterstützen. „Nach Rücksprache mit Kollegen in dem benachbarten Bundesland, konnte ich für Aufklärung sorgen“, erzählt er. So könne die Frau durchaus dorthin reisen und bekomme, je nach vorhandener Pflegestufe sogar noch die Reisekosten erstattet.

Kontaktverbot zu den Feiertagen

Für das Betreten von Spiel- und Bolzplätzen werden ab sofort 100 Euro pro Person fällig. „Grillen können die Bürger in der Familie nach wie vor auf ihren Grundstücken“, erläutert der Polizist. „Im öffentlichen Raum wird daraus ein Fall für die Anwendung des Bußgeldkatalogs.“ Pro Person gibt es eine Strafe von 250 Euro. Generell sollten die Wolmirstedter einfach das Corona-Kontaktverbot einhalten. „Die ganzen Anordnungen haben schließlich den Sinn, durch Vereinzelung die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen“, sagt Jens Kaulfuß. „Den meisten Leuten ist das absolut klar und sie halten sich auf vorbildliche Weise daran.“

Probleme voraussehen

Für die Osterfeiertage sieht der Ordnungshüter dennoch einige Probleme voraus. „Das Reisen aus touristischem Anlass nach Sachsen-Anhalt ist ja schon verboten. Zuwiderhandlungen werden mit 400 Euro Buße pro Person bestraft“, bringt er vor. „Aber auch die Fahrt zu Angehörigen an den Feiertagen, selbst im Landesgebiet, ist eine Ordnungswidrigkeit.“ Wer hier erwischt wird, darf 250 Euro berappen und das gilt pro Person. „Dieses Kontaktverbot ist damit schon ein mächtiger Einschnitt“, gibt der Polizist zu.

Schichtdienst für die Ordnungshüter

Eine Coronaparty oder ähnlich extreme Fälle, wie sie schon im Landkreis Börde von Polizisten aufgenommen wurden, sind den Regionalbereichbeamten in Wolmirstedt noch nicht untergekommen. „Unser Tagesablauf ist eigentlich wie vorher auch“, berichtet Jens Kaulfuß. „Mein Kollege Marco Rath und ich, wir wechseln uns derzeit allerdings wöchentlich im Schichtbetrieb ab.“

Anzeigen werden bearbeitet

Anzeigen werden meist über das elektronische System der Polizei in Sachsen-Anhalt gestellt und die Beamten bearbeiten diese. „Ganz wichtig ist dabei die Angabe einer E-Mail-Adresse, sodass wir uns entsprechend zurückmelden können.“

Der Beamte warnt aber auch vor angeblichen Hausbesuchen des Gesundheitsamtes (Volksstimme berichtete). „Die gibt es in der Realität nicht ohne Grund und Betroffene wissen dies“, sagt er. „Alle anderen Bürger sollten sich beim Polizeirevier Börde oder bei uns rückversichern, ehe sie Betrügern auf den Leim gehen.“

Auch die Bürger der Nachbargemeinden melden sich immer wieder bei den Wolmirstedter Polizisten. „Wir bearbeiten diese Fälle natürlich auch und leiten Anfragen an die entsprechenden Stellen“, betont Kaulfuß. „Überhaupt gibt es eine ganze Reihe Ordnungswidrigkeiten, die nichts mit Corona zu tun haben.“

Kaulfuß berichtet von illegalen Müllablagerungen hinter dem Sportplatz in Farsleben in Größenordnungen und von Schrottdieben, die mitten in der Stadt Löschwassereinrichtungen abschrauben und verschwinden lassen. „Es gab zuletzt erkennbare Steigerungen bei solchen Vorfällen“, bestätigt er.