Barleben l Vor allem ältere Menschen treffen Kontaktverbot und Ausgangsbeschränkungen wegen des Coronavirus mitunter hart. Weil sie zur Risikogruppe gehören, sollten vor allem Senioren von einer Betreuung der Enkelkinder und Besuchen Abstand nehmen. Das kann allerdings auch einsam werden. Deshalb hat die Gemeindeverwaltung eine Aktion für Nachbarschaftshilfe gestartet.

In einem Brief an insgesamt rund 1500 ältere Semester der Gemeinde bittet Bürgermeister Frank Nase (CDU) um Verständnis für die staatlich verordneten Einschränkungen und ruft dazu auf, Rentner und Hilfebedürftige bei der Bewältigung der Krise zu unterstützen. Für jene Menschen, die tatsächlich Hilfe benötigen, wurde ein Aufkleber mit der Aufschrift „Nachbarschaftshilfe gewünscht“ erstellt und dem Schreiben der Verwaltung beigelegt. „Diesen Aufkleber können Hilfebedürftige zum Beispiel an die Eingangstür oder den Briefkasten anbringen und damit anzeigen, dass sie Unterstützung benötigen“, erklärt Frank Nase und fügt hinzu: „Dies soll ein Versuch sein, dass sich Nachbarn, Bekannte, aber auch Unbekannte gegenseitig helfen.“

Diese Idee sei gemeinsam innerhalb des Netzwerkes „Junge Bürgermeisterinnen und Bürgermeister Deutschland“ erarbeitet worden. Die Plattform soll den Austausch von Ideen und Konzepten sowie den Dialog unter jungen Amtskollegen unterhalb des 40. Lebensjahres fördern und Anregungen für junge Kommunalpolitik geben. „Hier besteht gerade in der Corona-Krise ein reger Austausch. Auch rechtliche Bedenken wurden diskutiert und ausgeräumt“, führt der Rathauschef weiter aus. Wäre die Nachbarschaftshilfe zentral organisiert worden, hätte die Gemeindeverwaltung schnell in Haftung genommen werden können und mit rechtlichen Konsequenzen leben müssen.

Er ruft dazu auf, dass Nachbarn „möglichst kleinteilige Lösungen“ finden sollten. Dazu gehörten das Liefern von Essen, Einkaufs- oder Botengänge. Auch den Kontakt über den Gartenzaun hält Frank Nase für wichtig. „Die Erfahrung des Eingeschlossenseins besteht auch bei älteren Menschen“, merkte der Rathauschef an.

Schon jetzt hätten sich viele Freiwillige bereit erklärt, zu helfen und Menschen zu unterstützen. Um zu koordinieren, werde eng mit dem Barleber Verein „Liba“ sowie mit Pfarrer Johannes Könitz zusammengearbeitet.

Doch warnt der Bürgermeister auch: „Es muss Vertrauen hergestellt werden, bitte Achtung vor Betrügern. Das System ist zwar gut, aber nicht vollkommen!“ So rät der Rathauschef den Rentnern, nur Hilfe in Anspruch zu nehmen und nicht umgekehrt, sowie keine Vorkasse bei anstehenden Einkäufen zu entrichten. Desweiteren sollte die Einkäufe einen Wert von 50 Euro nicht überschreiten.

Ferner sollte darauf geachtet werden, dass bei der Übergabe von Einkäufen der direkte Kontakt möglichst vermieden und sich an die bekannten Hygienevorschriften gehalten wird. Nase: „Waschen Sie nach jedem Aufenthalt im Freien die Hände, verzichten Sie auf Umarmungen und Händeschütteln. Ein freundliches Lächeln tut es auch!“

Auch an die älteren Bürger, die noch fit sind, richtet der Bürgermeister sein Wort. „Bitte haben auch Sie dafür Verständnis, dass ich Sie bitten muss, auf vieles zu verzichten: Ein Brötchen und Kaffee beim Bäcker und ein kleiner Schnack dazu, die Shopping-Tour ins Einkaufszentrum - das sollte für Sie in nächster Zeit tabu sein.“ Der Kontakt zu den Lieben, den Freunden und Bekannten sollte weiterhin stark eingeschränkt werden. „Schreiben Sie Briefe, telefonieren Sie, nutzen Sie nach Möglichkeit auch die sozialen Medien.“ Außerdem könnten Kuchen für Unterstützer gebacken oder Schals gestrickt werden, „der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt der Bürgermeister. Er ruft dazu auf, sich auf das Wichtige und Wesentliche zu konzentrieren: „auf unser schönes Zuhause, ein gutes Buch und eine unterhaltsame Zeitschrift oder unseren Garten.“

Zu guter Letzt bittet er darum, keine Whatsapp- oder Sprachnachrichten beispielsweise aus sozialen Netzwerken mit Hinweisen und Behauptungen ohne sichere Quellen zu verbreiten. „Das trägt zur Verunsicherung bei“, hebt der Bürgermeister hervor.

Die Gemeinde Barleben hat unter der Rufnummer 039203 / 565 - 21 11 ein Bürgertelefon geschaltet, das von montags bis freitags in der Zeit von 8 Uhr bis 18 Uhr zu erreichen ist.