Wolmirstedt l Nun ist es amtlich: Die Geschäfte öffnen erst wieder am Montag, 20. April. Das Entsetzen stand den Einzelhändlern ins Gesicht geschrieben. Auch wenn das Verständnis überwiegt und für alle klar ist, dass die Gesundheit, die Eindämmung des Coronavirus Vorrang hat, so mischen sich doch Existenzsorgen in die Gefühlspalette.

„Ich fühle mich so machtlos“, sagt Marion Fricke, Inhaberin des Modegeschäftes „Paula M“ am Zentralen Platz. Gerade hat sie mit ihren Mitarbeiterinnen Ware ausgepackt, Shirts, Hosen, Jacken in frischen Frühlingsfarben. Doch diese Ware wird vorerst keine Kunden finden, das Geschäft muss schließen.

„Ich habe keine Ahnung, wie es weitergeht“, sagt Marion Fricke, „ich werde versuchen, einen Lieferstopp zu erwirken.“ Ihre Mitarbeiterinnen schickt sie nach Hause, beantragt Kurzarbeitergeld. „Ich selbst werde jeden Tag im Laden sein.“

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Existenzen bedroht

Große Sorgen plagen auch Kerstin Andrée, Inhaberin der Boutique „Mode mit Akzent“ in der Gipfelstraße. „Zwei Wochen sind zu überbrücken“, sagt sie, aber wenn es länger dauert, weiß ich nicht...“ Es dauert länger, vier Wochen, und diese Zeit kann die Existenz bedrohen.

Zwei Lichtblicke sieht Kerstin Andrée dennoch: „Viele Firmen halten ihre Waren zurück“. Das heißt, sie muss dafür nicht in Vorkasse gehen. Der zweite Lichtblick: Sie kann sich um Enkelin Mia kümmern, so dass deren Mutti arbeiten kann und sich trotz geschlossener Kita nicht um den Verbleib der Kleinen sorgen muss.

Mario Kämpf, Inhaber des Schuhgeschäfts am Zentralen Platz, versucht sich in Gelassenheit. „Was bleibt uns übrig“, sagt er. Doch seine heftigen Gesten zeigen, dass er keineswegs entspannt ist. „Die Frühjahrskollektion bleibt erst mal stehen.“ Und was, wenn der Verkauf in vier Wochen wieder startet? „Dann werden sich alle die Preise um die Ohren knallen, mit Rabatten werben.“ Die Ware muss raus, schließlich müssen Mieten, Strom- und andere Kosten weiterhin gezahlt werden. Für die beiden Mitarbeiterinnen wird er Kurzarbeitergeld beantragen.

Weniger bestellen

Im Blumenladen bleibt Mandy Zufelde-Neubauer gelassen. „Ich werde die Blumen gießen, dann ist es gut.“ Ihre Bestellzeit ist kurz, sie will einfach weniger bestellen. Geplante Beerdigungen wird sie auf jeden Fall beliefern. Bärbel Kraska, die ein paar Stunden im Laden mitarbeitet, schaut in wirtschaftlicher Hinsicht ebenfalls zuversichtlich nach vorn. „Es kommt auf die Dauer der Schließung an.“

Buchhändlerin Marion Baumgarten kann ihren Laden offen halten, doch die Kunden kommen spärlich. „Es sind ja auch wenig Leute unterwegs.“ Den rückläufigen Kundenstrom haben auch andere beobachtet. Viele Menschen setzen derzeit eher auf Lebensmittel, Toilettenpapier und Seife. Hosen, Schuhe und Bücher stehen derzeit wohl ohnehin nicht ganz oben der Einkaufsliste.

Im Übrigen dürfen Lebensmittelläden, Getränkemärkte, Banken und Sparkassen, Apotheken, Drogerien, Sanitätshäuser Optiker, Hörgeräteakustiker, Frisöre, Postfilialen, Tankstellen, Zeitungsläden, Tierbedarf, Bau- und Gartenmärkte, Reinigungen, Waschsalons, Abhol- und Lieferservice weiter öffnen. Für alle anderen gilt: Die Landkreise kann Ausnahmegenehmigungen erteilen.

Kerstin Andrée hofft, im Juni das 30-jährige Bestehen ihres Geschäftes mit einer Modenschau zu feiern. Marion Fricke hat ihre für morgen geplante Schau längst abgesagt.