Wolmirstedt l Gerade für die Kameraden in den vier Wehren der Stadt ist die derzeitige Krise eine besondere Herausforderung. „Alle beherzigen die Vorgaben der Landesregierung und halten sich daran“, versichert Michael Langrock. „Die Kameraden müssen besonders vorsichtig sein und die Kontaktverbote genauestens einhalten.“ Gebe es bei den aktiven Rettern auch nur Corona Verdachtsfälle, dann hätte das enorme Auswirkungen.

„In dem Fall würde wohl eine ganze Wehr in Quarantäne müssen. Das ist eine Situation, die wir absolut vermeiden müssen“, erläutert Langrock. „Dann hätten wir enorme Probleme mit der Einsatzbereitschaft.“

Vor der Krise noch einmal Nachschub geordert

Probleme sieht der Stadtwehrleiter derzeit nicht. Die 95 Aktiven in den vier Wehren seien absolut in der Lage, im Einsatzfall ihre Aufgaben übernehmen zu können. „Wir haben sämtliche Aktivitäten eingestellt, bis auf die Einsatzfahrten“, versichert Langrock. „Außerdem halten sich alle an das Vereinzelungsgebot. Außerdem stehe ich in ständigem Kontakt zu den Ortswehrleitern und der Stadtverwaltung.“ Themen werden per Telefon, E-Mail oder Whatsapp besprochen. So gibt es für die Kameraden eine eigene Gruppe. „Damit erreichen wir alle zeitgleich und können uns austauschen“, sagt der Stadtwehrleiter. „Fragen, die vielleicht ein Anderer auch hätte, können so sofort erschöpfend behandelt werden. Es herrscht dann ein einheitlicher Wissensstand.“

Quasi vor Beginn der Corona-Maßnahmen habe die Stadt noch einmal Nachschub in Sachen Schutzausrüstung geordert. „Das war klug“, sagt Langrock. „Wir haben bis dato auch noch nichts verbrauchen müssen. So gesehen können wir eine ganze Weile durchhalten und sind gut vorbereitet.“ Da auch etliche Kameraden ihre Kinder zu Hause betreuen müssen, achten die Verantwortlichen einmal mehr auf die vorgegeben Einsatzstärken. „Bei Bedarf hat die Stadt ein offenes Ohr für eine eventuelle Notbetreuung der Kinder“, betont der Leiter. „Es gibt da einen regen Austausch mit der Bürgermeisterin Marlies Cassuhn auf dem kurzen Dienstweg.“

Aus- und Weiterbildung derzeit nicht möglich

Nachdenklich machen Michael Langrock die vorerst ausgefallenen Termine bei der Aus- und Weiterbildung. „Sonst übliche Fristen spielen zunächst keine Rolle, das ist vom Land festgelegt worden und auch richtig“, schätzt er ein. „Allerdings dürfte sich doch ein gewisser Stau ergeben, wenn sich die Lage langsam normalisiert.“ So werde die Feuerwehrschule in Heyrothsberge wie eine Lehranstalt behandelt und ist daher im Augenblick geschlossen. Hier erfolgen sonst Ausbildungen zum Gruppenführer an aufwärts. Auf Kreisebene werden Truppführer geschult.

Die Grundausbildung zum Truppmann erfolgt am Standort Wolmirstedt. „Letztere ist vom Stundenumfang her aufwändig, daher verteilen wir die Arbeit auf alle Schultern, gemeinsam mit den Ortswehren“, erläutert Langrock. „Einige Atemschutzgeräteträger müssten zum Test nach Haldensleben. Der ist jährlich vorgeschrieben.“ Außerdem stehen Weiterbildungen in der technischen Hilfeleistung, dem Digitalfunk und die Maschinistenausbildung in der Warteschleife.

„Gehen wir vom besten Fall aus und ab dem 20. April treten Lockerung in Kraft, dann haben wir immer noch komplette fünf Wochen aufzuholen“, gibt der Stadtwehrleiter zu bedenken. „Wir reden da von einem ohnehin straffen Terminplan, der über das ganze Jahr reicht.“ In diesen müssen die ausgefallenen Aus- und Weiterbildungen dann noch integriert werden. „Das wird nicht einfach werden“, fügt er hinzu. „Allerdings sind wir da hoffnungsvoll. Den Mut dürfen und werden wir nicht verlieren, da sich die Menschen auf uns verlassen.“