Wolmirstedt l Der Computer soll in der Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ künftig ganz selbstverständlich beim Lernen helfen. Das hat die Gesamtkonferenz beschlossen. In dieser Gesamtkonferenz haben sowohl Lehrer als auch pädagogische Mitarbeiter, Eltern und Schüler eine Stimme. Sie alle haben sich dafür ausgesprochen, dass digitales Lernen ab dem kommenden Schuljahr zunächst in drei Modellklassen eingeführt wird. „Es geht nicht darum, das Papier abzuschaffen“, stellt Schulleiter Helmut Thiel klar, „und auch der Lehrer soll nicht überflüssig werden.“ Das Wichtigste für den Erfolg beim Lernen sei nach wie vor die Beziehung zwischen Schülern, Eltern und Lehrern.

Dennoch: Schule soll auf die Berufswelt vorbereiten und da gibt es kaum Bereiche, die den Computer aussparen. Im Grunde sind die Kinder mit der Technik längst vertraut. Fast alle nutzen den Computer oder das Smartphone, meist zum Spielen oder für den Kontakt in den sozialen Medien. Doch digitales Lernen kann viel mehr. Schule will vermitteln, wie mit Lernprogrammen Wissen erworben und erweitert werden kann.

Vorteile von Lernprogrammen

Nicht alles ist den Schülern neu. „Der Duden und das Wörterbuch haben fast ausgedient“, konstatiert Helmut Thiel. Das Nachschlagen wird längst den Suchmaschinen überlassen. Trotzdem, auch Duden oder Wörterbuch sollen weiterhin genutzt werden, damit die Kinder beides kennen, wählen können, was sie nutzen wollen.

Die Gutenberg-Schule setzt auf individuelles Lernen. Jetzt schon. Mit Lernprogrammen geht das besser. Die tragen unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten Rechnung. Mädchen und Jungen können unterschiedlich schwere Aufgaben lösen und dabei in ihrem eigenen Tempo vorgehen. Zudem meldet der Computer prompt, ob das Ergebnis richtig oder falsch ist.

„Nach mehreren Versuchen bieten Lernprogramme eine nochmalige Erklärung an“, weiß Helmut Thiel. Das ermöglicht noch mehr Inklusion und selbstorganisiertes Lernen. Auch die Schülerfirmen sollen digitale Arbeit nutzen, die Internetseite und die Schulchronik profitieren.

Kooperation mit Grundschulen

Gerade wegen neuer digitaler Freiheit wird auch auf Schutz geachtet. „Wir wollen Kindern zeigen, wie sie im Internet sicher unterwegs sein können“, ergänzt Josephine Mewes, die eine der drei Modellklassen in die digitale Zukunft führen wird.

Beim digitalen Lernen will die Gutenberg-Gemeinschaftsschule mit der Gutenberg-Grundschule und der Barleber Gemeinschaftsschule zusammenarbeiten.

Natürlich kostet digitale Schularbeit auch Geld. Das Land stellt 13,3 Millionen Euro zur Verfügung, davon möchte die Gutenberg-Schule partizipieren. Dafür müssen Schulen pädagogische Konzepte liefern, die Schulträger das Technikkonzept vorlegen und die Fördermittel beantragen. Passt alles zusammen, stellt das Land drei Viertel der benötigten Summe bereit. Das vierte Viertel muss der Träger zahlen.

Ziel: digitale Pilotschule

Die Stadt ist Träger der Grundschule, der Landkreis Träger der Gemeinschaftsschule. Beide streben an, zur nächsten Antragsfrist die Unterlagen einzureichen. Stichtag ist der 30. September. „Wir verschließen uns dem nicht“, sagt Iris Herzig, die im Landkreis auch damit betraut ist. Die Datenleitung wurde von der Stadt indes schon aufgerüstet. 200 Mbit/s garantieren schnelles Internet.

Die Gutenbergschule prescht indessen auch auf anderer Strecke weiter vor, will auch auf andere „Pferde“ setzen und Gelder aqkuirieren. „Wir möchten digitale Pilotschule werden“, sagt Helmut Thiel, „das Grundprinzip des selbstorganisierten Lernens leben wir bereits. Darin sind wir stark.“