Burg/Haldensleben/Wolmirstedt l Spannung herrschte bis 20.45 Uhr in der Gaststätte „B 189“ in Wolmirstedt. Dann wollten viele der Gäste, die zur Wahlparty des CDU-Direktkandidaten Manfred Behrens gekommen waren, nicht mehr warten. Zu den ersten Gratulanten gehörten CDU-Innenminister Holger Stahlknecht und Verkehrsminister Thomas Webel. Behrens wollte sich bis zu den letzten Auszählungen nicht darauf versteifen, dass er das Direktmandat für den Wahlkreis 67 (Börde/Jerichower Land) wirklich gewinnt, zeigte sich aber glücklich. „Das Erreichen des Mandates war mein Wahlziel. Es ist der Beweis, dass mir die Wähler vertrauen“, so Behrens.

Er tritt nun die bereits dritte Legislaturperiode im Bundestag an. „Ich würde gern weiter im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur sitzen“, sagte Manfred Behrens. Dort wolle er vor allem auch demografische Probleme angreifen, die in den neuen Bundesländern deutlicher zu spüren seien, als in den alten. Infrastrukturelle Maßnahmen wie der Ausbau der B 189 und der A 14 müssten deshalb konsequent weiterverfolgt werden.

Flüchtlingskrise Grund für Verluste

„Ich werde auch weiterhin für alle Bürger da sein, das verlangt schon mein Posten als Bürgermeister“, sagte Behrens, der Ortsbürgermeister von Ebendorf ist. Das schlechte Wahlergebnis der Bundes-CDU bewertete Behrens im Kontext. So habe ihm zufolge die Flüchtlingskrise 2015 durchaus einen Eindruck bei den Wählern hinterlassen und die Ergebnisse maßgeblich beeinflusst.

Relativ zufrieden zeigte sich mit ihrem Wahlergebnis SPD-Kandidatin Franziska Kersten. „Obwohl ich für den Wahlkreis neu ins Rennen gegangen bin, haben die Leute offenbar gespürt, dass ich etwas für den ländlichen Raum erreichen möchte. Mein persönlicher Einsatz scheint sich ausgezahlt zu haben. Ich möchte auf jeden Fall weiter aktiv bleiben für die Menschen in der Region“, sagte Kersten, die im Landhaus Möser die Zwischenergebnisse verfolgte. Traurig und erschrocken zeigte sie sich allerdings über das gute Abschneiden von AfD und NPD im Wahlkreis.

Grüne interessiert an Jamaika-Koalition

Gleichermaßen äußerte sich auch Grünen-Kandidat Max Schirmer. Von der Prognose für die Grünen war er insgesamt erfreut. Seine Partei, so berichtete er, sei für eine Jamaika-Koalition mit CDU und FDP offen. So könnten auch Themen wie der Klimaschutz konkreter angegangen werden.

Der Erfolg von Manfred Behrens habe für sie außer Frage gestanden, betonte Linke-Kandidatin Kerstin Auerbach. „Ich finde es gut, dass die SPD in die Opposition gehen will. Vielleicht ergibt sich die Chance, linke Kräfte zu bündeln.“ Zum AfD-Ergebnis erklärte Auerbach: „Ich hoffe, dass sich in den nächsten Jahren zeigt, was das für eine Partei ist.“ Für die Linke selbst sieht sie im Wahlkreis noch jede Menge zu tun, um stärker wahrgenommen zu werden.

Große Koalition nicht mehr populär

Das FDP-Ergebnis bewertete deren Direktkandidatin Christiane Fuchs als „sehr gut“. Auch über ihr eigenes Resultat „habe ich mich sehr gefreut, zumal ich Quereinsteigerin bin“. In Gesprächen mit den Menschen im Wahlkampf habe sie gespürt, dass mit der großen Koalition keiner mehr umgehen konnte. Das SPD-Abschneiden habe sie dennoch überrascht. Was dies für die Regierungsbildung in Berlin bedeutet? „Die CDU wird eine Regierung bilden. Jamaika mit FDP und Grünen ist denkbar, rechnerisch auch möglich, aber sehr schwierig“, schätzt Fuchs ein.„Es ist in Riesenergebnis für uns sowohl im Bund wie auch im Wahlkreis“, erklärte der AfD-Kreisvorsitzende im Jerichower Land, Gordon Köhler, in einer ersten Reaktion. Er erwarte, dass seine Partei in Berlin eine gute Oppositionsarbeit leisten werde. In der Region hat die AfD, so Köhler, schon die Kommunalwahl 2019 im Auge. „Wir haben Ideen und wir wollen etwas bewegen“, kündigte er an.

Die AfD hatte nach Köhlers Angaben Wahlbeoachter in zahlreichen Wahllokalen postiert. Stand gestern Abend war, so Köhler: „Es ist bis dato alles korrekt gelaufen.“

Freie Wähler-Kandidatin Ines Busse freute sich über ihr persönliches Ergebnis. Darüber hinaus sei ihre Partei leider nicht sehr wahrnehmbar gewesen. „Wir müssen das nächste Mal mehr tun.“