Wolmirstedt l Gut besucht war ein Vortrag über Landwirtschaft in Auerbachs Mühle. Dazu hatte der Lions Club Ohrekreis eingeladen. Präsident Alan Morris freute sich, dass der Staatssekretär im Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung, Dr. Hermann Onko Aeikens, dafür extra aus Berlin angereist war. Der in Sachsen-Anhalt bekannte Agrarwissenschaftler berichtete über seinen Wechsel von der Landes- in die Bundespolitik und aktuelle Herausforderungen der Politik in Deutschland auf dem Gebiet der Landwirtschaft, des Verbraucherschutzes und der Ernährung.

Der 67-Jährige CDU-Politiker war 1990 aus Niedersachsen nach Sachsen-Anhalt gewechselt, bis 2002 arbeitete er in der Landesregierung als Abteilungsleiter, dann als Staatssekretär und von 2009 bis 2016 als Minister für Landwirtschaft und Umwelt. Im April 2016 hatte er nach der Neuwahl der Landesregierung das Ministeramt an die Grünenpolitikerin Claudia Dalbert abgeben müssen.

Wechsel nach Berlin fiel schwer

Nach so vielen Jahren in Sachsen-Anhalt sei ihm der Wechsel nach Berlin nicht leicht gefallen, betonte Aeikens. Das Amt angeboten habe ihm Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). „Und Damen kann man ja keinen Korb geben“, sagte er mit einem Augenzwinkern.

Einfacher sei die Arbeit im Bund nicht, plauderte er dann ein wenig aus dem Nähkästchen. Besonders schwierig sei es, im Bundestag für landwirtschaftliche Belange eine Lobby zu finden. „Von den 709 Abgeordneten haben nur 13 einen landwirtschaftlichen Bezug. Das führt dazu, dass es oft ungeheuer schwierig ist, sachkundig zu diskutieren“.

Erschwerend hinzu kommen Forderungen der Europäischen Union. Ein besonderes Reizwort für die Landwirte ist die neue Düngemittelverordnung. 2017 hat die EU vom Bund Nachbesserungen gefordert, die den Bauern schwer zu vermitteln seien, wie Aeikens sagte. In der anschließenden Diskussion sprach Jürgen Nieter aus Ackendorf, der bei der Dawa in Dahlenwarsleben arbeitet, von Ungereimtheiten bei der Bestimmung des Bodenstickstoffgehaltes. „Es ist unglaublich, was den Landwirten zugemutet wird.“

Ländlichen Bereich stärken

Weitere Themen, die mit dem Gast aus Berlin diskutiert wurden, waren die Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden, das Insektensterben, die Verbreitung des Wolfes, der Verkauf von landwirtschaftlichen Flächen an Wirtschaftsunternehmen oder Alternativen zum umstrittenen Glyphosat. Andreas Kriebel, Leiter des Forstbetriebes Altmark, brachte die Rede auf einen klimastabilen Wald. Er ist dafür, mehr nichteinheimische Arten zu integrieren, was von Naturschutzverbänden torpetiert wird. Aeikens stimmt dem Forstexperten zu und hält beispielsweise das Pflanzen von Douglasien für sinnvoll.

Nicht nur Steffi Trittel, Bürgermeisterin der Hohen Börde, dürfte sich über die neue Kommission, die in Berlin zur Belebung des ländlichen Raumes gegründet wurde, freuen. „Es geht um Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse, um Grundversorgung auf dem Lande“, so Aeikens. Wichtig sei aus seiner Sicht, den ländlichen Bereich wirtschaftlich zu stärken. So sei es zum Beispiel ein großes Manko, dass es auch in Sachsen-Anhalt immer weniger Tierproduktionen gäbe. „Aber wenn neue Schweine- oder Geflügelbetriebe angesiedelt werden sollen, gehen die Menschen auf die Barrikaden.“

Fast zum Schluss wurden sogar der Brexit, der Austritt Englands aus der EU, und mögliche Auswirkungen auf neue Förderprogramme der EU für den ländlichen Raum angesprochen. Der CDU-Politiker ist sicher: „Wenn der kommt, hat das Folgen auch für uns.“ Er selbst halte ein neue Referendum für fair.