Pflanzaktion

Einzigartige Allee am Colbitzer Museumshof bekommt Zuwachs

Von Hendrik Reppin
Sachsen-Anhalts Waldkönigin Christiane Heinrichs-Vogel hat die junge Stechpalme auf der Allee der Bäume des Jahres mit reichlich Wasser versorgt. Fotos (2): Hendrik Reppin

Colbitz

Es sei jedes Jahr ein besonderes Ereignis für Colbitz, sagte Bürgermeister Eckhard Liebrecht bei der Baumpflanzung. „Bäume können nicht reden, Bäume brauchen Fürsprecher“, so der Bürgermeister der Gemeinde Colbitz. Dass die Wahl in diesem Jahr auf die Stechpalme gefallen sei, habe ihn auch gewundert. „Ich wusste nicht, dass daraus ein Baum werden kann.“ Er kenne die Stechpalme nur als großen Strauch.

Beliebter Adventsschmuck ist Baum des Jahres 2021

Auch Stefan Quitt, Forstamtsleiter im Betreuungsforst Letzlingen war erstaunt darüber, dass die Wahl zum Baum des Jahres auf die Stechplame gefallen ist. „Es ist ein sehr seltener Baum“, sagte er bei der Pflanzung in Colbitz. Ebenso wie der Weihnachtsbaum sei die Stechpalme ein beliebter Schmuck in der Adventszeit gewesen. Als schließlich der Bestand dramatisch zurückging, sei die Stechpalme vor gut 100 Jahren bereits unter Schutz gestellt worden.

Als eine sehr gute Tradition bezeichnete Stefan Quitt die Wahl zum Baum des Jahres. „Es gibt viele Gedenktage, die auf die Vergangenheit weisen. Jedes Jahr einen besonderen Baum zu pflanzen, weist in die Zukunft.“

Herbert Bilang freute sich über den Zuwachs auf der Allee der Bäume des Jahres. „Wir hatten 1999 damit begonnen, diese Allee einzurichten“, erzählt der Leiter des Museumshofs in Colbitz. „Zu diesem Zeitpunkt war ja die Aktion schon zehn Jahre alt. Also mussten wir damals noch die restlichen Bäume nachpflanzen.“ Doch seit dieser Zeit bis heute sei diese Allee seines Wissens nach die einzige ihrer Art im Landkreis Börde. Beinahe hätte in den 90er Jahren die Landeshauptstadt eine solche Attraktion bekommen. Als Herbert Bilang damals im Naturschutzbeirat einen Sitz hatte, habe er den Stadtvätern vorgeschlagen, eine Allee der Bäume des Jahres anzulegen. „Ich habe die Antwort bekommen, das wäre nichts für die Stadt.“ Nun gibt es diese besondere Allee in Colbitz. „Auch wenn es jetzt nicht so aussieht – wir haben noch genügend Platz“, sagt Herbert Bilang. An einigen Stellen müsse noch aufgeräumt werden. Aber dann können noch mindestens zehn Jahre lang die Bäume das Jahres in die Allee gepflanzt werden.

Eine Allee der Vielfalt

Das Besondere an dieser Allee sei die Vielfalt. In der Natur würde man keine Walnuss neben einer Eibe finden. Die extrem unterschiedlichen Ansprüche an den Standort und dem Boden würden dies verhindern.

Traurig ist der Museumshof-Leiter besonders darüber, dass nun auch die Baumpflanzung von der Pandemie überschattet wurde. „Eigentlich ist die jährliche Pflanzung ein Höhepunkt für die Colbitzer Kinder.“ Zusammen mit dem Baum des Jahres würden sie eigentlich im Mittelpunkt der Aktion stehen. Und Herbert Bilang erinnert sich gleich an ein Erlebnis: Vor einigen Monaten sei er von einem jungen Mann angesprochen wurden. „Er hat auf einen der älteren Bäume in der Allee gezeigt und behauptet, dies wäre sein Baum.“ Dem verdutzten Museumsleiter habe der junge Mann dann erzählt, dass er zusammen mit seinen Spielkameraden vor vielen Jahren den Baum mit gepflanzt hätte.

Laut Forstamtsleiter sei die Stechpalme gerade in dieser Region nicht oft anzutreffen. „Der Baum mag es nicht so kalt.“ Bekannt sei er, wegen seiner immergrünen aber stachligen Blätter und den leuchtend roten Kernfrüchten. Die seien für den Menschen gering giftig.

Vielen bekannt ist die Stechpalme als bis zu fünf Meter hoher Strauch. Bäume, die bis zu 15 Meter hoch werden können, sind sehr selten. Doch Zuhause ist dieser Baum auf der ganzen Welt. So wird es in einem aufgestellten Steckbrief auf dem Museumshof erklärt. Insgesamt gibt es 400 Gattungen der Stechpalme. Die in dieser Region verbreitete Art stammt eigentlich aus West- und Südeuropa. Der Baum bevorzugt vor Frost geschützte Stellen in Laubwäldern. Auf lockeren und nährstoffreichen Lehmböden entwickelt sich die Stechpalme hervorragend.

Im Mai und Juni blüht die Stechpalme. Die Blüten werden ausschließlich von Bienen bestäubt.

Stechpalme als Zuhause für den Zitronenfalter

Im Oktober sind dann die leuchtend roten Früchte reif und sind eine beliebte Mahlzeit für Amsel, Rotkehlchen und Mönchsgrasmücke. Im Winter schützt der Ilex, wie die Stechpalme auch genannt wird, mit seinen stachligen Blättern kleine Vögel und dient dem Zitronenfalter als Überwinterungsstätte.

Gegen Verstopfung, Rheuma und Fieber sollen einst die leicht giftigen Beeren eingesetzt worden sein. Heute findet man die verarbeiteten Früchte noch in Obstbränden.