Rogätz l Die beiden 90-Kilowatt-Diesel-Motoren der Marke Deutz brummen kurz auf, das Elbwasser spritzt von den Flanken der Elbfähre Rogätz. Die Fahrt verringert sich und das Schiff stößt sanft an den Anlieger in Rogätz. Die diensthabenden Binnenschiffer verstehen ihr Handwerk, der Anlegevorgang ist Routine. Die Passagiere merken kaum etwas davon.

Wenig später hebt sich der Schlagbaum der Fähre und ein BMW-Fahrer aus dem benachbarten Kreis lenkt sein Auto langsam auf den Boden der Börde. Für die Fahrt von Burg nach Rogätz hat er eben mal sieben Kilometer hinter sich gebracht. „Es ist schon eine enorme Zeitersparnis, die Fähre zu nutzen“, sagt Betreiber Marko Knuth. „Für die Fahrt ,außen herum‘ benötigt man im günstigsten Fall 40 Kilometer. Die beste Verbindung ist in dem Fall die A 2.“

Deutliche Zeitersparnis

Eine zweite Möglichkeit wäre der Weg über die Elbbrücke in Tangermünde, der sich aber ungleich länger hinzieht. Von Grieben, einem Ortsteil von Tangerhütte, aus verbindet eine weitere Elbfähre die Landkreise Stendal und Jerichower Land. „Wir sind hier in Rogätz taktisch schon ganz gut platziert“, befindet der Eigner. „Der nächste Ort auf der anderen Seite ist Schartau, dann kommt auch schon Burg.“

Bilder

Die Elbfähre hat eine lange Tradition, diese reicht bis in das Jahr 1560 zurück. Marko Knuth betreibt sie seit gut 22 Jahren. Er und seine Mitarbeiter sind gelernte Binnenschiffer, die meist schon einiges von der Welt gesehen haben.

„Ich habe nach der Wende bei der Weißen Flotte in Magdeburg gearbeitet und bin dann Fährmann in Buckau und Westerhüsen gewesen“, erzählt der 47-Jährige. „Als sich 1996 die Möglichkeit bot, in Rogätz selbständig tätig zu sein, habe ich die Chance ergriffen.“ In der Börde genießt er außerdem das Alleinstellungsmerkmal, die einzige Fähre im Landkreis zu betreiben. Auf ihr sind vier Binnenschiffer tätig.

Tradititon seit 1560

Es gibt insgesamt wenig Hindernisse für die Fahrt der Elbfähre Rogätz. „So lange kein Eis auf dem Fluss ist oder Hochwasser droht, setzen wir Passagiere, Autos, Busse und Lkw über“, sagt Marko Knuth. „Selbst in Trockenzeiten funktioniert das recht problemlos. Vor drei Jahren standen wir aber knapp davor, den Betrieb vorübergehend einzustellen.“

Im Alltag befördern die Binnenschiffer vornehmlich Autos und Fahrradfahrer. Größere Gefährte sind eher selten. „25 Tonnen sind für uns aber kein Problem“, fügt der erfahrene Fährmann hinzu. „Die etwa 180 Meter über die Elbe hinüber legen wir in drei bis vier Minuten zurück. Neben der Abkürzung kommt für unsere Kunden noch eine nicht unerhebliche Zeitersparnis hinzu.“ Kein Wunder, dass die Elbfähre Rogätz auch echte Stammkunden hat.

Das Handy von Marko Knuth bimmelt plötzlich, er nimmt den Anruf entgegen und gibt dem Teilnehmer Auskunft über die Abfahrtszeiten. „Gerade eben rede ich noch darüber“, sagt er mit einem Lächeln auf dem Gesicht. „Den telefonischen Service nehmen etliche Leute wahr, wenn es einmal ganz schnell gehen muss.“ Wieviele Fahrgäste die Fähre in einer Saison tatsächlich nutzen, kann der Eigner nicht sagen. „Darüber habe ich mir ehrlich gesagt, noch keine Gedanken gemacht“, gibt er zu. „Sobald das Wetter aber freundlicher wird, steigt die Zahl für gewöhnlich stark an.“

Passagiere bis 25 Tonnen

Zu den Tagespendlern gesellen sich dann Wanderer und Radfahrer. Letztere absolvieren Touren auf dem Elbe-Radweg und verschnaufen kurz während der Überfahrt oder genießen den einmaligen Blick über den Fluss hin zum historischen Klutturm, der ein Wahrzeichen von Rogätz ist. Einst war er die Basis einer Burg und auch noch viel höher, als es heutzutage der Fall ist.

„Die Überfahrt ist zwar schnell zu Ende, aber so mancher Wanderer hat sich das Wahrzeichen unseres Ortes, so angeregt, schon etwas genauer angeschaut“, sagt Knuth. „Als Fährmann ist man auf diese Art auch so etwas wie ein Fremdenführer.“

Der Eigner lässt einige Autos an Bord der Fähre kommen und gibt seinem Steuermann ein Zeichen, alles ist bereit für die Überfahrt. Die Motoren werden angelassen und der Kahn stemmt sich gegen die Strömung. Die Anlegestelle im Jerichower Land liegt etwa 50 Meter stromaufwärts. Heiko Leff steuert die Fähre routiniert über die Elbe.

Crew besteht aus Binnenschiffern

Der 46-jährige Rogätzer versieht sein Amt schon seit 15 Jahren. „Zuvor war ich als Binnenschiffer tätig“, berichtet er. „Das ist im positiven Sinne auch ein Zigeunerleben gewesen. Man kam viel herum und das hat schon Spaß gemacht.“ Mit einer Familie im Rücken sei sein jetziger Beruf als Fährmann aber viel geregelter. „Man kommt pünktlich nach Hause und sieht seine Lieben regelmäßig“, sagt er.

Erleben könne ein Fährmann aber auch so einige Dinge. „Es kommen vergleichsweise wenige Schiffe die Elbe entlang. Die Frachtkähne haben dann natürlich Vorfahrt. Außerdem wissen wir, dank moderner Technik, wann diese sich nähern. Jedes Schiff hat eine eigene Kennung, so auch wir.“ Das sei an nebligen Tagen von Vorteil. Zusammenstöße seien nahezu ausgeschlossen und noch nie passiert. „Von der Fähre ist auch noch niemand gefallen“, scherzt der Steuermann augenzwinkernd.

Frachtkähne haben Vorfahrt

Er erinnert sich jedoch noch an die Havarie eines tschechischen Frachtschiffs vor einigen Jahren. „Der Kahn hat ein wenig oberhalb unseres Anliegers auf der Seite im Jerichower Land geankert und ist über Nacht auf eine Sandbank getrieben“, erzählt er. „Es musste ein weiterer Frachtkahn kommen, um das Schiff wieder flott zu bekommen.“

Die Fähre ist inzwischen am Anlieger angekommen. Die Pkw können ihre Fahrt nach Burg fortsetzen. Marko Knuth winkt einigen Stammkunden nach, während schon wieder neue Fahrgäste auf den Kahn kommen. Wenig später schippert die Fähre schon wieder über den Fluss, dem Ufer des Bördekreises entgegen.

Die Rogätzer Elbfähre verkehrt bis zum 30. September im Sommerfahrplan: werktags von 5.45 bis 20 Uhr, am Wochenende und Feiertagen von 8 bis 20 Uhr. Die Nummer des Bordtelefons lautet 0172/542 78 27.