Wolmirstedt l Selten entscheidet der Stadtrat schnell. Diesmal bedurfte es nur eines Antrags und einer Abstimmung bis fest stand, der Bahnhofsvorplatz wird Otto-Hallmann-Platz heißen. Damit bekommt der Lokführer einen Platz im kollektiven Gedächtnis Wolmirstedts.

Otto Hallmann hatte am 11. April 1945 einen Zug, beladen mit Vergeltungswaffen, in letzter Minute aus der Stadt heraus über die Elbe nach Biederitz gebracht und damit verhindert, dass der Zug in Wolmirstedt gesprengt wurde. Wieviele Menschenleben so eine Sprengung auslöscht, wieviele Häuser sie zerstört, erlebte vier Tage später die Stadt Pritzwalk. Dort war es nicht gelungen, den Munitionszug aus der Stadt zu bringen. Helmut Menzel vermutet in seinem Buch „Todeszug. Endstation Farsleben 13. April 1945“, dass es sich um denselben Zug handelt. Fakt ist: Die Pritzwalker Ereignisse machen deutlich, was Otto Hallmann Wolmirstedt erspart hat. Doch er ist fast vergessen.

Als darüber in der Volksstimme berichtet wurde, berührte das viele Bürger. „Die Geschichte ist ganz bewegend“, schrieben Heike und Andreas Harwig, „sind nicht gerade die stillen Menschen, die um ihre Taten kein Aufhebens machen, die einzig wahrhaftigen Helden?“ Sie konnten sich eine nachträgliche Ehrenbürgerschaft gut vorstellen.

Erinnerung auf Bronzetafel

Die AfD-Fraktion hatte eine andere Idee. Sie reichte im Vorfeld der Stadtratssitzung den Antrag ein, den Bahnhofsvorplatz Otto-Hallmann-Platz zu nennen. Die CDU-Fraktion ergänzte: Die Geschichte Otto Hallmanns soll auf einer Bronzetafel verewigt werden. So sei gewährleistet, begründete Swen Pazina, dass auch in Zukunft jeder erfahre, was der Lokführer für die Stadt geleistet hat. Beiden Anträgen stimmte der Stadtrat mehrheitlich zu.

Die Tafel könne am Bahnhofsgebäude angebracht werden, bot Swen Pazina an. Der CDU-Stadtrat ist auch Vorstand des Bodelschwingh-Hauses, dem das Haus gehört. Besser noch kann er sich die Tafel auf den Bahnsteigen vorstellen. „Dort war der Ort des Geschehens, dort verweilen Menschen und haben Zeit, sich über die Geschichte zu informieren.“ Noch ist Zeit, solche Details zu klären.

Otto Hallmann starb 1976. Seine Töchter Lisa Rademacher und Christa Rosenbach sind inzwischen 88 und 85 Jahre alt, der Sohn war 1945 noch nicht geboren. „Ich bin überglücklich“, sagt Lisa Rademacher, als sie vom Stadtratsbeschluss erfuhr und hofft, zusammen mit den Geschwistern die Namensgebung samt Einweihung der Bronzetafel zu erleben.

Das wird noch gut drei Jahre dauern. Der Platz soll den Namen erst nach der Sanierung bekommen und die wird voraussichtlich 2022 begonnen. Zuerst baut das Bodelschwingh-Haus das Bahnhofsgebäude um, die Bahn legt einen neuen Tunnel samt Aufzügen an. Etwa bis 2023 wird die Stadt den Bereich der Ladestraße erneuern, ebenso den Bahnhofsvorplatz. Erstrahlt er in neuem Glanz, bekommt er seinen Namen.