Fahrschule

Fahrschulen in Wolmirstedt können den Ansturm kaum bewältigen

Corona hat Fahrschulen lange ausgebremst - nun muss alles nachgeholt werden

Von Gudrun Billowie
Michael Scheler, Inhaber der Fahrschule Thiede, zeigt seinen terminkalender. Wer fahren lernen möchte, brauct Geduld.
Michael Scheler, Inhaber der Fahrschule Thiede, zeigt seinen terminkalender. Wer fahren lernen möchte, brauct Geduld. Foto: Gudrun Billowie

Wolmirstedt - Zwei Lockdowns wegen Corona, zweimal durften Fahrschulen wochenlang nicht arbeiten. Nun läuft der Betrieb wieder und Michael Scheler weiß nicht, wo ihm der Kopf steht. Der Inhaber der Fahrschule Thiede sagt: „Wir werden seit Wochen von Anfragen überrannt.“ Solch einen Ansturm habe er noch nie erlebt, als einzigen Ausweg bleibt ihm und seinem Team nur eine große Bitte: Alle Menschen, die Fahren lernen möchten, mögen Geduld mitbringen.

Keine Theorie, weil erst abgearbeitet werden muss

Schon seit dem 1. März hat er keine Neuanmeldungen mehr angenommen, der Theoriebetrieb ist ausgesetzt. Derzeit sind die Fahrlehrer vollauf beschäftigt, alle Fahrschüler zu betreuen, die ihre Fahrstunden im Lockdown nicht antreten konnten, die endlich ihre Fahrprüfung absolvieren, ihren Führerschein bekommen möchten.

„Wir arbeiten inzwischen auch sonnabends den ganzen Tag“, sagt Michael Scheler, „sonst würden wir es gar nicht schaffen.“ Trotzdem dauert die Fahrschulphase länger als gewöhnlich. „Sind Fahrschüler früher zweimal in der Woche gefahren, liegen nun zwischen den Terminen manchmal Wochen, weil jeder drankommen möchte.“

Lockdown, geburtenstarke Jahrgänge und Motorradzeit

Die lockdownbedingten Schließungen der Fahrschulen sind jedoch nur ein Grund für die riesengroße aktuelle Auslastung. „Dazu kommen die geburtenstarken Jahrgänge“, weiß Michael Scheler. Es gibt insgesamt zurzeit sehr viele Jugendliche, die natürlich auch Auto fahren lernen möchten. Obendrauf kommt der Boom der Jahreszeit: Der Sommer ist die Saison der Motorradführerscheine. Das alles zusammen bringt Fahrschulen an die Kapazitätsgrenze.

Sind die Fahrschüler so oft gefahren, dass sie zur Prüfung angemeldet werden können, wartet die nächste Hürde. Die Wartezeit auf einen Prüfungstermin bei der Dekra dauert drei bis vier Wochen. Auch dort hat sich wegen der beiden Lockdowns ein Prüfungsstau aufgetürmt.

Fahrlehrer dringend gesucht

Während der Corona-Pause hatte Michael Scheler seine Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt. Nun würde er am liebsten weitere Fahrlehrer beschäftigen, doch der Markt ist leergefegt. Zwei Kollegen werden demnächst ausgebildet, die Ausbildung dauert eineinhalb Jahre.

Theoriekurse werden derzeit gar nicht angeboten. Erst einmal müssen die vorhandenen Fahrschüler betreut werden. Dazu kommt, dass wegen der Hygieneregeln nicht mehr 25, sondern nur noch zehn Menschen gleichzeitig im Schulungsraum sitzen dürfen. Auch diese Beschränkung trägt dazu bei, dass die Warteliste immer länger wird.

Michael Scheler und seine Kollegen desinfizieren und lüften die Autos zwischen den Fahrstunden regelmäßig. In einer kurzen Pause sagt er: „Aufgrund der aktuellen Situation können wir zurzeit nicht das gewohnte Tempo bieten. Ich bitte um Geduld.“