Wolmirstedt l Sobald Alarm ausgelöst wird, pulsiert das Blut der Feuerwehrleute schneller. Sie rasen zum Gerätehaus, schlüpfen in die Einsatzkleidung, steigen in die Autos und dann geht es los. Blaulicht und Martinshorn an und ab geht´s. Dorthin, wo die Not groß ist.

Doch in Glindenberg steht erst einmal eine Bushaltestelle im Weg. Die Kameraden können das Auto nicht ungehindert aus der Halle heraus auf die Straße rangieren. Falko Söchtig zeigt, wo das Problem liegt: Fährt er das Auto aus der Halle, darf er nicht zu früh um die Kurve lenken. Sonst bliebe das Auto mit dem Heck am Hallentor hängen. Zwangsläufig steuert er also erst einmal auf das Buswartehäuschen zu. Nun bleiben ihm zwei Optionen: Entweder er kracht dagegen, oder er hakt zurück und lenkt noch einmal neu ein. Natürlich entscheidet er sich für Letzteres. Nur durch dieses Hin und Her kriegt er die Kurve zur Straße. Doch das kostet wertvolle Zeit.

Haltestelle soll versetzt werden

Zwölf Minuten bleiben den Feuerwehrleuten, dann müssen sie am Einsatzort sein. Eile ist geboten, jedes Hindernis stört. Auch das Rangieren. Zumal es viel Erfahrung erfordert, dazu „Fuß“spitzengefühl, um auch durch die dicken Sohlen der Einsatzstiefel die Pedalen exakt zu bedienen. Nun soll die Bushaltestelle versetzt werden.

Noch in diesem Jahr soll sie einen Meter vom Feuerwehrhaus wegrücken, damit die Schleppkurve größer wird. Das Bushaltestelle gehört der Stadt und die wird für die Versetzung eine fünfstellige Summe ausgegeben. Der Aufwand ist enorm.

Die Haltestelle ist mit acht Pfosten in Betonfundamenten verankert, das heißt, die gesamte Konstruktion muss entfernt und neu im Boden befestigt werden. Ein Kran wird das Buswartehäuschen anheben und am neuen Platz niederlassen. Auch die gepflasterte Wartefläche muss einen Meter weiter neu ausgelegt werden.

Fensterscheibe ging zu Bruch

An dieser Versetzung des Häuschens führt kein Weg vorbei. Schon einmal ist das Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) mit der Bushaltestelle kollidiert. Eine Fensterscheibe des Autos ging zu Bruch und musste ersetzt werden.

Dabei ist das Feuerwehrauto noch relativ neu. Erst vor drei Jahren hat Glindenbergs Ortswehrleiter Andy Opitz die Schlüssel dafür bekommen, die Stadt hatte 285 000 Euro ausgegeben. Die Investition war nötig, das alte HLF hatte seine Dienste längst erfüllt.

Die Bushaltestelle ist zwar das größte, doch nicht das einzige Hindernis. Auch die Hallentore des Gerätehauses entsprechen längst nicht mehr den gängigen Normen. In einer Risikoanalyse ist dieser Mangel neben anderen aufgelistet. Ein neues Gerätehaus ist dringend erforderlich.

Neues Gerätehaus in 2022

Das ist im Rathaus und im Stadtrat bekannt und doch wird es noch drei Jahre dauern, bis die Glindenberger ein neues Feuerwehrhaus bekommen. 850.000 Euro sind dafür in der Prioritätenliste bereits ausgeführt. Zuvor, 2020, soll in Farsleben ein neues Gerätehaus entstehen, das jetzige wurde noch schlechter bewertet als das Glindenberger Gebäude. 2021 muss erst für 700.000 Euro eine neue Drehleiter angeschafft werden, 2022 ist Glindenbergs Gerätehaus dran. Ob es am bisherigen Standort entsteht, ist noch nicht entschieden.

Bürger müssen sich übrigens keine Sorgen machen. Obwohl die Bushaltestelle im Weg steht, erreichen die Einsatzkräfte in spätestens zwölf Minuten jeden Ort in der Stadt. Besonders, wenn Menschen und Gebäude gefährdet sind, rücken Feuerwehrautos von überall aus, kommen aus Wolmirstedt, Glindenberg, Mose und Farsleben.