Wolmirstedt l Wochenendausbildungen gehören für die Wehrleute in jedem Fall zum üblichen Geschäft. In diesen Tagen haben die Termine in Wolmirstedt gleich mehrere triftige Gründe. So gab es durch die Corona-Krise einen zwischenzeitlichen Stopp in Sachen Fortbildung und der muss nun aufgearbeitet werden. „Jeder Kamerad muss 40 Ausbildungsstunden nachweisen“, sagt Gruppenführer Yves Hummelt, der als Übungsleiter aktiv war. „Üblicherweise absolvieren wir im Jahr vier Wochenendausbildungen.“

Jetzt kommen solche Termine wie gerufen, denn die Stundenzahl ist gegenüber den Ausbildungsabenden höher und somit wird das Vorhaben effektiver. Außerdem waren die Wolmirstedter schon eine Woche zuvor bei der Außenstelle des Landratsamtes in der Ohrestadt aktiv. Ein weiterer Hintergrund ist nämlich, dass in die Räume ab demnächst wieder mehr Leben einzieht. Das Amt für Brand- und Katastrophenschutz sowie das Verkehrsamt des Landkreises ziehen für ein Jahr nach Wolmirstedt. Der derzeitige Standort in Haldensleben soll saniert werden.

Die einheimischen Wehrleute machen sich bei ihren Übungsstunden so beizeiten mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut, wenn sie auch den weiterhin leerstehenden Viergeschosser auf dem Gelände dabei nutzen. „Dieser bietet uns ideale Voraussetzungen“, erklärt der Übungsleiter. „In Wolmirstedt haben wir etliche ähnliche Wohnanlagen. Die Kameraden können also vermitteltes Wissen im Einsatzfall praktisch anwenden.“

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Zudem sind die Aufgaben, die die Wehrleute zu erfüllen haben nicht unbedingt alltäglich aber absolut realitätsnah. Der Einsatz der Drehleiter, über die ein Verletzter evakuiert wird, passt noch ganz gut ins Bild. Die Wolmirstedter werden im Regelfall zu etliche Tragehilfe im Jahresverlauf gerufen. Hier lernen die vornehmlich jungen Kameraden noch einiges dazu, wobei sie von erfahrenen Aktiven angeleitet werden.

Menschenrettung mit Knotensystem

Knifflig wird es bei der Notrettung über ein Fenster. „Man stelle sich vor, der Rückweg ist abgeschnitten und Verletzte und Kameraden müssen einen anderen Ausweg finden“, erklärt Yves Hummelt. „Auch so etwas kommt vor und die Handlungen müssen sitzen.“ So wird eine Puppe als Verletzter abgeseilt, während die Kameraden die „Menschenrettung mit Knotensystem“ sicherstellen.

Richtig herausfordernd wird es für die drei Atemschutzgeräteträger an diesem Tag, die Björn Gmell anleitet. Sie simulieren den Einsatz bei starker Rauchentwicklung. Diese ist in dem Fall so stark, dass sie in den Räumen nichts mehr sehen können. „So etwas kann absolut der Realität entsprechen“, sagt Yves Hummelt.

Also werden die Sichtscheiben der Helme mit Silberpapier verdeckt und die drei Spezialisten sehen in der Tat nichts mehr, als sie in die Räume eindringen. Sie können sich nur blind vorwärts tasten, der Wasserschlauch dient in dem Fall als Orientierungshilfe. Nach getaner Arbeit hangeln sich die Kameraden praktisch an ihm wieder aus dem Gebäude. Dabei haben sie noch eine Person bei sich, die sie gerettet haben.

Yves Hummelt ist ganz zufrieden mit den Leistungen und setzt bei der Ausbildung auf die erfahrenen Wehrleute, die die jüngeren Anleiten und auch auf das selbständige Finden von Lösungen. „Das war auch am zurückliegenden Wochenende so“, sagt er. „Da haben wir Situationen geübt, bei denen die Drehleiter nicht zur Verfügung steht.“

Verständnis für die Kameraden im Einsatz

So wurden tragbare Leitern eingesetzt bei der „Menschenrettung über Leiterhebel“. Insgesamt sind bei den Wolmirstedtern gut 40 Kameraden in der Einsatzabteilung – 17 von ihnen sind bei der Übung dabei. „Die Menschen verlassen sich auf uns“, sagt der Übungsleiter. „Zuletzt waren wir bei einer Straßenabsperrung im Einsatz, die etwas länger gedauert hat.“ Die Leute hätten jedoch Verständnis gezeigt und Hilfe – wie eine Wasserflasche – in Anspruch genommen.