Wolmirstedt l Weihnachten. Es wird geliebt, gehasst, gefeiert oder gemieden, alles ist möglich. Nur eines geht nicht: Weihnachten ignorieren. Die Spekulatius in den Supermarktregalen, die allgegenwärtige Weihnachtsmusik, die Märkte und all der Einkaufstrubel lassen sich nicht verdrängen. Auch die Bewohner, die in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende leben, sind längst vom Weihnachtsvirus infiziert. Der Adventskalender, den zwei Wolmirstedterinnen genäht und befüllt haben, wird gerne geleert und der Tannenbaum freundlich bestaunt. Und: Geschenke machen besondere Freude. Auch den Schenkenden. Das haben Gymnasiasten erfahren, die vor dem Fest mit Kisten voller Päckchen in der Gemeinschaftsunterkunft auftauchten. „Die Bewohner waren überrascht“, hat Lara Wrono festgestellt, „aber dann war die Freude groß. Viele Fotos wurden gemacht und an die Familien geschickt. Die Aktion erwärmte auch unsere Herzen.“

Ekime Nassirou war dabei und freute sich sehr. Er stammt aus dem westafrikanischen Land Benin und erlebt bereits sein zweites Weihnachtsfest in Deutschland. Er spürt das Besondere der Adventszeit vor allem in den Einkaufszentren. „Ich sehe so viele Leute und alle sind glücklich“, sagt er. Glücklich, im Einkaufsstress? „Ja, glücklich“, beharrt der junge Mann und strahlt.

Ekime Nassirou ist Moslem, wie so viele in der Gemeinschaftsunterkunft. Für Muslime ist das Ende des Ramadans das größte Fest, das bereits im Juli gefeiert wurde. Heimleiter Ibrahim Sayed hatte dafür Kuchen gebacken.

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Nun also Weihnachten. Im Flur der Gemeinschaftsunterkunft steht ein geschmückter Tannenbaum. Heute Abend um 16.30 Uhr wird es eine Weihnachtsfeier geben, die mit viel Musik gestaltet werden soll. Gibt es Geschenke? Sozialarbeiterin Christin Möller lächelt geheimnisvoll.

Nach seinen Wünschen befragt, gesteht Ekime Nassirou, dass er Schokolade sehr mag, und er erzählt, dass ihm ein ganz großer Wunsch schon erfüllt wurde. Er hat einen Platz gefunden, an dem er arbeiten kann, er absolviert ein Berufsorientierungspraktikum in einer Gärtnerei. Das gefällt ihm sehr gut, er möchte bleiben, eine Ausbildung anfangen, aber über seinen Asylantrag wurde noch nicht entschieden.

Weihnachten als Fest der Familie im heimischen Wohnzimmer - das ist auch für Menschen schwer möglich, die niemanden haben oder deren Familien weit weg leben. Ihnen bietet der „Treffpunkt Hoffnung“ in der Friedensstraße den Raum, gemeinsam mit anderen Weihnachten zu feiern. „Wir haben schon viele Anmeldungen“, sagt René Barth, „auch Familien werden kommen.“ Wer dennoch zwischen 15 und 17 Uhr dabei sein möchte, kann sich unter der Telefonnummer 039201/27 62 94 melden. „Wir rücken dann eben ein wenig zusammen“, sagt René Barth.

Für Gartenfreunde gilt: Weihnachten einfach spazieren gehen. Die Rosen blühen gerade auf.