Jersleben/ Samswegen l In einem kleinen Schlauchboot rudern Studenten der Hochschule Magdeburg-Stendal am Freitagmorgen langsam die Ohre zwischen Jersleben und Samswegen hinauf. In ihrer Mitte steht Dr. Michael Seidel und versucht, mit einem Elektrofanggerät Fische in die Netze seines Kollegen Florian Pöhlein und von Professor Volker Lüderitz zu treiben. Beide waten dicht hinter dem Boot durchs Wasser. Beim ersten Fang jubeln die Studierenden kurz auf – oberhalb des Ohre-Wehres hatten sie kurz zuvor kein Glück gehabt. „Solche Bereiche mögen Fische nicht, sie wollen Strömung haben“, erklärte Volker Lüderitz. Er sammelt die gefangenen Fische vorübergehend in einer kleinen Kiste.

Nach etwa 200 Metern flussaufwärts, kurz vor dem Ohre-Wehr, steigt die Gruppe aus dem Wasser, um ihren Fang zu begutachten. In der Kiste tummeln sich unter anderem Steinbeißer, Döbel, Flussbarsch, Gründling, Quappe, Aal und Schleie. Die Hochschulmitarbeiter und ihre Studenten zählen und vermessen die Fische, bevor sie sie wieder zurück ins Wasser werfen. Auch Ufer und Sohle des Gewässers werden dokumentiert.

Das Ganze ist Teil einer Projektarbeit, die die 28 Studenten des internationalen Master-Programms Water Engineering anfertigen. Die Studierenden stammen neben Deutschland unter anderem auch aus Jordanien, Pakistan, Iran, Ägypten, Ghana, Brasilien, Armenien sowie Rumänien und sehen sich in ihren Heimatländern mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen und Problemen hinsichtlich des Themas Wasser konfrontiert.

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Biologische Wasserbewertung

„Es geht heute um eine biologische Wasserbewertung“, erläuterte Volker Lüderitz am Freitag. Mittels Bioindikation und durch bestimmte Berechnungen können so Rückschlüsse auf den Zustand des Gewässers gezogen werden, erklärte der Professor für Hydrobiologie und Gewässerökologie. Auch die Frage, welchen Einfluss das Wehr auf das Gewässer hat, interessiert die Wissenschaftler. Und nicht nur die. In ihrer Wasserrahmenrichtlinie fordert die EU, dass bis spätestens 2027 alle Gewässer in einem guten Zustand sind. Bei der Umsetzung dieser Richtlinie spielen zudem auch die Auswirkungen des Klimawandels eine Rolle.

Von Salzwedel bis zum Südharz untersuchen Volker Lüderitz und sein Team insgesamt rund 60 Gewässer in Sachsen-Anhalt. Vor vier Jahren war der Professor schon einmal mit Ingenieurökologie-Studenten für Untersuchungen an der Ohre. Damals fertigten sie eine Planung an, um das Wehr ökologisch durchgängig zu gestalten, da es für Fische flussaufwärts unüberwindbar ist. Um dies zu ändern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Als beste Lösung für dieses Wehr empfahlen die Studenten damals, eine sogenannte Sohlgleite zu bauen. Das Ergebnis ihrer Untersuchung legten sie dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft vor. Allerdings gebe es in Sachsen-Anhalt tausende solcher Wehre, erklärte Volker Lüderitz.