Wolmirstedt l Wasser gibt es genug in Wolmirstedt, insgesamt werden 16 fließende, stehende, künstlich angelegte und natürliche Gewässer gezählt. Mitten durch die Stadt fließt die Ohre, es gibt Baggerlöcher, Tonlöcher, Dorfteiche. Neben diesen 16 Gewässern gibt es das Schwimmbad. Nur dort übernimmt die Stadt die Verantwortung für den Badebetrieb. Das Wasser wird gereinigt, Schwimmmeister Stefan Grahn und Rettungsschwimmer Andreas Harwig beobachten den Badebetrieb und springen im Notfall zur Hilfe. Doch was ist mit den anderen Gewässern? Wer übernimmt dort die Verantwortung für den Badebetrieb? Ist das Baden dort überhaupt erlaubt?

Das ist im Wassergesetz Sachsen-Anhalts deutlich geregelt. Demnach darf jeder natürliche Gewässer nutzen, zum Baden oder zum Tränken der Tiere, zum Boot fahren, sofern kein Motor vorhanden ist oder zum Eissport. Das alles gilt, soweit die Rechte Dritter nicht beeinträchtigt werden. Wer also durch die Ohre watet oder das Elbeuer Tonloch durchschwimmt, macht alles richtig. Allerdings auf eigene Gefahr. Das ist der entscheidende Unterschied zu einem öffentlichen Freibad.

Wer muss haften?

Solange nichts passiert, fragt wohl niemand nach Zuständigkeiten. Erleidet jedoch jemand einen Badeunfall, müssen längst nicht immer die Gemeinde oder andere Gewässereigentümer haften. Darauf macht unter anderem der Städte- und Gemeindebund aufmerksam.

Es hängt immer vom Einzelfall ab, aber grundsätzlich könnte die Stadt erst in die Pflicht genommen werden, wenn sie das Baden nicht nur duldet, sondern dafür eine Infrastruktur schafft. Dazu zählen eine Rutsche, ein Steg, Toiletten oder Duschen. Solcherlei Infrastruktur gibt es im Wolmirstedt nur im Schwimmbad.

Wie aber verhält es sich am Elbeuer Tonloch? Dort gibt es einen Platz, der als wilde Badestelle erkennbar ist. Der Boden ist flachgetreten, der Schilfgürtel beseitigt. Dieses Areal am Tonloch ist als Badestelle bekannt. Doch gilt es deshalb auch als offizielle Badestelle?

Nie als Badestelle hergerichtet

„Nein“, sagt Ordnungsamtschef Dirk Illgas ganz deutlich. Der Platz wurde nie als Badestelle hergerichtet. Der Boden ist lediglich durch die Besucher flachgetreten, der Schilfgürtel zurückgedrängt, weil sich an dieser Stelle regelmäßig Menschen niederlassen. Als Infrastruktur gelte dort nichts, zumal gar keine Treppen zum Ufer hinab führen, lediglich ein ziemlich abenteuerlicher Weg. Wer von dort aus ins klare Wasser geht, badet auf eigene Gefahr. Das Tonloch gilt als wilde Badestelle.

Es gehört im Übrigen gar nicht der Stadt, sondern dem Landesanglerverband Sachsen-Anhalt. Der hat den Hunden das Baden verboten. Als Eigentümer ist das sein gutes Recht.

In der Ohre hingegen dürfen sich Hunde erfrischen. Das nutzen viele Hundehalter, um ihren Vierbeinern die Sommerhitze erträglich zu machen. Bello und Co. stürmen gerne durch das knietiefe Wasser und manchmal wagen sich Herrchen und Frauchen ebenfalls mit hinein. Eine Badestelle gibt es in der Ohre schon lange nicht mehr, nicht einmal eine wilde. Lediglich ein paar Stege sind zwischen der Amtsbrücke und der Fußgängerbrücke am Bodelschwingh-Haus vorhanden, doch die dienen Anglern.

Kein öffentlicher Zugang

Auch die anderen Gewässer verfügen nicht über Badestellen. Weder der Moortalsee in Farsleben noch das Braunschweiger Loch bei Glindenberg haben eine öffentliche Zuwegung. Die Kiesbagger am Kuhbusch zwischen Glindenberg und Farsleben werden allein als ruhige Angelgewässer genutzt. Der Dorfteich in Farsleben schreckt Badende wohl schon wegen der Winzigkeit ab.

Dennoch: Auch wenn die Ohre oder das Tonloch keine offiziellen Badegewässer sind, so ist doch bekannt, dass dort Menschen Erfrischung suchen. Deshalb kontrolliert das Gesundheitsamt des Landkreises während der Badesaison von Mai bis September alle zwei Wochen den Zustand. Dabei werden mikrobiologische Parameter bestimmt, die auf Darmbakterien hinweisen, denn die lassen auf fäkale Verunreinigungen schließen. Untersucht wird auch bei Verdacht auf Blaualgen. Weiterhin achten die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes auf Verschmutzungen wie teerhaltige Rückstände, Glas, Plastik, Gummi oder Algenentwicklungen. Zudem bestimmen sie die Sichttiefe und messen die Wassertemperatur.

Sobald die Werte als bedenklich eingestuft wird, werden an den Ufern dieser Gewässer Warnschilder aufgestellt oder das Baden verboten. In diesem Jahr ist das in Wolmirstedts Nass bisher nicht der Fall.

Das Wolmirstedter Schwimmbad wird regelmäßig kontrolliert und gereinigt. Dort läuft der Badebetrieb derzeit auf Hochtouren. Das Bad ist so voll, wie es in Corona-Zeiten sein darf. Mehr als 90 Besucher gleichzeitig werden nicht hineingelassen. Zweieinhalb Stunden dauert eine Bade­schicht, dann wird gewechselt. So bekommen viele Badefreunde die Chance, ihre Bahnen zu ziehen. Natürlich dürfen Badelustige auch zwei „Schichten“ hintereinander baden, müssen aber zwischendurch das Bad verlassen und sich erneut anstellen. Noch einmal bezahlen müssen sie nicht.