Wolmirstedt l Würdig steht sie da, die Trauerhalle auf dem Wolmirstedter Friedhof. Sie ist denkmalgeschützt, wird überdacht von den Kronen uralter Bäume und fordert doch zur Kritik heraus. Sie sei zu klein, die Stufen sind für viele Menschen eine Barriere. Im Stadtrat wird immer wieder darauf gedrungen, die Stadt möge investieren. Dabei ploppen stets mehrere Varianten auf. Doch macht es Sinn, sich jetzt festzulegen? Wie weit lässt sich in Corona-Zeiten überhaupt planen?

Die Stadtratsfraktionen sind forsch vorgegangen, haben mehr oder weniger konkrete Anträge eingereicht, um Trauergemeinden einen würdigen Rahmen für die Stunde des Abschieds zu bieten.

Dabei bleibt die SPD-Linke-Grüne-Fraktion in ihren Forderungen recht allgemein. Sie möchte die Kapelle überplant und erweitert wissen, damit sie den gegenwärtigen Anforderungen gerecht werden kann. Welche Anforderungen das sein sollen, welche Erweiterungen gefordert werden, bleibt unerwähnt. Konkreter wird die AfD-Fraktion, die einen barrierefreien Zugang fordert.

Den umfangreichsten Antrag hatte die KWG-WWP-FDP-FUWG-Fraktion bereits im September eingereicht. Sie kann sich sogar einen Neubau vorstellen, aber auch die Modernisierung der jetzigen Trauerhalle.

Im Rathaus regiert der Rotstift

Doch im Rathaus werden gerade alle Wünsche auf Eis geschoben. Auch wegen Corona wird das Haushaltsloch ständig größer, zurzeit mit etwa einer Million Euro beziffert. Ein Grund sind die sinkenden Einkommenssteuern.

Die gehen seit dem Lockdown im März bergab, damals stiegt die Zahl der Kurzarbeiter. Die Situation ist bis heute angespannt, eine Entspannung aufgrund weiterhin hoher Infektionszahlen im Land nicht in Sicht. Bürgermeisterin Marlies Cassuhn hatte bereits im Frühjahr eine Haushaltssperre verhängt und bis jetzt nicht aufgehoben. Das heißt, alle Ausgaben, die nicht vertraglich gebunden sind, kommen auf den Prüfstand. Und mehr.

Bei vielen Ausgaben wird der Rotstift komplett angesetzt und das betrifft auch die Zukunft der Trauerhalle. Wie sie aussehen könnte, sollte im Rahmen eines Friedhofsgestaltungskonzeptes in mehreren Varianten auf den Prüfstand gesetzt werden. Für dieses Konzept waren 20´.000 Euro geplant. Die sind nun komplett gestrichen. „Wir gehen im Haus gerade jede Position durch“, sagt Rathaus-Finanzer Marko Kohlrausch. Überall, wo gespart werden kann, wird gestrichen.

Dabei sollte das Friedhofsgestaltungskonzept in die Zukunft weisen, Ideen für alle Friedhöfe der Stadt zeigen. Die Grundlage war bereits im Juni vorgestellt worden und hatte unter anderem deutlich gemacht, wieviel Fläche auf den einzelnen Friedhöfen künftig nicht mehr für Beerdigungen benötigt wird, wo vielleicht ein Rosengarten oder eine Ecke für Andachten entstehen kann.

Grund für die zunehmend freien Flächen ist die geänderte Bestattungskultur. Oft müssen nur noch Urnen Platz finden, manchmal genügt dafür ein Stück Wiese. Das hat nicht nur Folgen für die Gestaltung, sondern auch für die Finanzen. Auf die Hinterbliebenen werden nur die Friedhofskosten umgelegt, alles, was außerhalb dieser Bestattungsfläche liegt, gilt als grünpolitischer Wert und wird von der Allgemeinheit getragen.

In den neuen Gestaltungsplänen sollten die Forderungen der KWG-WWP-FDP-FUWG-Fraktion berücksichtigt werden: In der Trauerhalle sollen 50 bis 100 Personen Platz finden, sie soll barrierefrei zu erreichen ist und über eine behindertengerechte Toilette verfügen.

Abwägung zwischen Anbau und Neubau

Ob ein Anbau genügt oder neu gebaut werden muss, soll ein Variantenvergleich zeigen, der unter anderem die Investitionen, die möglichen Nutzungsgebühren und den Denkmalschutz berücksichtigt. Bürgermeinungen und ein Bürgerforum sollte die Arbeit am neuen Gestaltungskonzept ergänzen. Doch auch das wird es nun vorerst nicht geben.

Unabhängig von der aktuellen Haushaltssituation: Die Rathausmitarbeiter sind von der Idee, eine neue Trauerhalle zu bauen, wenig begeistert. Bürgermeisterin Marlies Cassuhn argumentierte mit Zahlen. „In den vergangenen beiden Jahren wurde die Trauerhalle nur für 65 Prozent aller Beerdigungen genutzt, das heißt, es gab darin pro Jahr 61 Trauerfeiern.“ Wie oft die Trauerhalle für die Gäste nicht ausreichte, ist nicht bekannt.

Stadträte halten dagegen, dass größere Trauergemeinden mitunter in andere Orte ausgewichen sind, also in der Statistik nicht auftauchen.

Doch die Verwaltung hat noch einen weiteren Grund, einem Neubau gegenüber skeptisch zu sein. Der Friedhof gehört der Kirche. Die Stadt müsste also auf fremdem Grund und Boden investieren. Im Übrigen befinden sich auch die Friedhöfe in Glindenberg, Farsleben und Mose nicht auf städtischem Grund, einzig der Elbeuer Friedhof liegt im Eigentum Wolmirstedts.

Die Farsleber wollen ohnehin nicht warten, bis die Stadt ein Gestaltungskonzept für ihren Friedhof erarbeiten lässt. Sie waren bereits im Sommer der Meinung, dass dieses Geld gespart werden kann und haben selbst einen Plan erarbeitet. Ob, wie und wann der umgesetzt wird, ist jedoch ebenso unklar.