Wolmirstedt l Der Verein „Gestrandeter Zug“ hat ein großes Ziel: Am 13. April 2020 soll an den Farsleber Bahngleisen ein Gedenkstein enthüllt werden. Der soll den Zuginsassen gewidmet sein, die an dieser Stelle vor 75 Jahren zum Großteil den Weg in die Freiheit fanden. Und dieser Stein kostet Geld.

Das soll unter anderem bei einer Benefiz-Radtour am Sonnabend, 7. September, zusammenkommen. Gestern war Anmeldeschluss, doch bisher ist die Teilnehmerliste recht übersichtlich. Vereinsmitglieder werden sich auf jeden Fall aufs Rad schwingen, zudem haben sich ein paar Bürger angemeldet.

Nur ein Stadtrat zugesagt

Richtig mau sieht es allerdings bei politischen (Ehren)amtsträgern aus. „Mit Heinz Maspfuhl hat nur ein einziger Stadtrat zugesagt“, erzählt Anette Pilz, Vorstandsmitglied des Vereins „Gestrandeter Zug“ und Museumsleiterin.

Dabei haben alle Stadträte, Kreistagsmitglieder und einige Landtagsabgeordnete eine schriftliche Einladung bekommen. „Interessiert dieses Thema wirklich niemanden?“ Anette Pilz mag es kaum glauben und freut sich um so mehr über einen Namen auf der Anmeldeliste: Holger Stahlknecht (CDU) ist Schirmherr des Vereins und wird sich aufs Rad schwingen. „Vielleicht motiviert die Teilnahme des Innenministers auch andere.“

Orte jüdischen Lebens

Die Tour beginnt um 13 Uhr am Museum und wird etwa zweieinhalb Stunden dauern. Sie führt zu allen Orten, die an jüdisches Leben in Wolmirstedt erinnern. Am Ende gibt es Kaffee und Kuchen in der Farsleber Kegelbahn.

Der erste Zwischenstopp widmet dich dem ehemaligen Wohnort der Familie Herrmann, der letzten jüdischen Familie Wolmirstedts, deren Tochter Inge in Australien den Holocaust überlebt hat.

Startgebühr für Gedenkstein

Die zweite Station wird der jüdische Friedhof sein. Die Wiederauferstehung ist im jüdischen Glauben verankert, deshalb bleiben die Gräber dauerhaft bestehen. Anschließend führt die Tour zur ehemaligen Synagoge in der Gipfelstraße, dann folgt eine längere Strecke zum Farsleber Friedhof. Dort sind einige der ehemaligen Zuginsassen beerdigt. Letzter Stopp wird an den Farsleber Bahngleisen sein, bevor die Radfahrergruppe in die Farsleber Kegelbahn einkehrt.

Die Startgebühr beträgt 30 Euro. Dieses Geld soll dazu beitragen, den Gedenkstein zu finanzieren. „Es wird wohl ein Quader werden“, nennt Anette Pilz den aktuellen Stand. Er soll etwa 1,20 Meter hoch sein, möglich ist, die Geschichte des gestrandeten Zuges in mehreren Sprachen auf diesem Stein zu erzählen. Vermutlich wird ihn der israelische Künstler Micha Ullman anfertigen. Der Professor hat unter anderem das Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung auf dem Bebelplatz in Berlin-Mitte gefertigt.

Geschichte brachte Happy End für viele

Die Geschichte des Zuges ist eine, die für viele ein „Happy End“ brachte. Am 13. April 1945 blieb dieser Zug in Farsleben stehen, der eigentlich etwa 2500 Juden ins Konzentrationslager Theresienstadt fahren sollte. Das Kriegsende nahte, es wird erzählt, der Heizer habe die Lok abgekoppelt, die fuhr weiter, die Waggons blieben stehen. Angesichts der heranrückenden Amerikaner wagten sich die Menschen aus den Waggons. Sie waren ausgehungert, manche litten an Typhus und starben, aber für viele begann in Farsleben der Weg in die Freiheit. In diesem Zug saßen viele Frauen und Kinder, deshalb gibt es auch heute noch Überlebende. Viele von ihnen, aber auch die Nachkommen der Insassen, kehren heute noch an den Ort der Befreiung zurück.

Wer mitradeln oder spenden möchte, kann sich im Museum unter der Telefonnummer 039201/213 63 melden.