Schule

Gutenbergs lernen Berufe kennen

Bei der Berufsvorbereitung ist die Wolmirstedter Gutenberg-Schule die stärkste Schule Sachsen-Anhalts. Doch sie will noch stärker werden.

Von Gudrun Billowie

Wolmirstedt l Die feierliche Veranstaltung sei aufregend gewesen, erklären die Gutenberg-Schüler. „Ich hatte Herzrasen“, gesteht Lauri Stieler. Er gehörte zu den zehn Schülerinnen und Schülern, die mit Schulleiter Helmut Thiel ins Magdeburger Gesellschaftshaus gefahren sind. Dort wurde ihnen der Sieg im Wettbewerb „Starke Schule“ zuerkannt.

Damit ist die Ganztagsschule „Johannes Gutenberg“ die Schule in Sachsen-Anhalt, die Schülerinnen und Schüler am besten auf das Berufsleben vorbereitet. „Für diesen Sieg haben wir bereits 2011 angefangen zu arbeiten“, sagt Schulleiter Helmut Thiel. Vor über fünf Jahren wurde begonnen, über Gemeinschaftsschule nachzudenken. Nicht nur dieses Ziel ist inzwischen erreicht, auch die Werkstätten, in denen die Kinder und Jugendlichen Berufsfelder ausprobieren können, sind längst gebaut und in Betrieb genommen. Die Arbeit gewährt den Kindern Einblicke in die Praxis. Das bestätigt auch Elternsprecherin Kathrin Flügel. „Mir gefällt, dass an dieser Schule ganz früh angefangen wird, etwas für die Orientierung der Kinder zu tun.“ Orientiert wird nicht nur auf die Berufe, sondern auch dahingehend, welchen Schulabschluss die Kinder erreichen möchten.

Beim Wettbewerb lag der Fokus jedoch auf der Berufsorientierung. Bereits ab der fünften und sechsten Klasse schnuppern die Kinder in acht verschiedenen Kursen in Berufsfelder wie Mechanik, Hotel- und Gaststättenwesen oder Robotik hinein. In den folgenden Klassen wird diese Kursarbeit anspruchsvoller und schließlich als Leistungskurs angeboten.

Computer und Internet sind schon jetzt aus der Berufswelt kaum wegzudenken und darauf wollen sich auch die Gutenberg-Schüler einstellen. Es dauert jedoch häufig fünf Minuten, bis sie sich im Netzwerk anmelden und zehn Minuten, bis sie im Internet recherchieren können. „Das ist verschenkte Lernzeit“, formulieren die Schüler. Sie hoffen auf schnellere Internetverbindung und darauf, dass die zehn Jahre alten Laptops durch neue ersetzt werden.

Diese Misere benannten die Schüler während ihrer Präsentation bei der Preisverleihung. Fünf Minuten hatten sie Zeit, das Profil ihrer Schule vorzustellen. „Ich hatte mir gedacht, dass zwei Schüler auf die Bühne gehen“, gesteht Schulleiter Helmut Thiel, „aber es gingen alle zehn.“ Eine logische Konsequenz des Gutenberg-Konzepts, findet Schüler Marcel Blaess: „Für das Gemeinsame steht ja unsere Schule.“

Präsentationen sind Alltag in der Gutenberg-Schule, sie schulen das freie Reden. Angewendet wird diese Fähigkeit nicht nur im Unterricht, sondern auch beim Büfett nach dem Empfang. „Hinter uns stand Bildungsminister Marco Tullner“, erzählt Esther Freimann. Jennifer Wieland fügt an: „Wir haben all unseren Mut zusammengenommen und den Bildungsminister noch einmal persönlich gefragt, wann die Digitalisierung unserer Schule auf den neuesten Stand gebracht wird.“ Der Minister sei sehr offen gewesen, habe Unterstützung zugesagt und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass für das schnelle Internet das Wirtschaftsministerium zuständig ist.

Mit dem schnellen Internet beschäftigt sich derzeit auch der Wolmirstedter Stadtrat. Da erwiesen ist, dass Wolmirstedt zum Großteil unterversorgt ist, besteht dringender Handlungsbedarf. Möglich ist dafür eine flächendeckende Verlegung von Glasfaserkabeln oder die Aufrüstung des vorhandenen Kupferkabelnetzes. Der Stadtrat tendiert derzeit zur Kupferkabel-Variante. Am Montag berät darüber der Hauptausschuss.

Als besonders wertvoll im Schulalltag sehen die Schüler die Teamarbeit an. Esther Freimann und ihre Mitschüler erklären, dass sie dabei lernen, mit Menschen unterschiedlicher Charaktere umzugehen. „Das wird auch später in jedem Beruf nötig sein.“ Für diese Teamarbeit ziehen sich einzelne Gruppen in sogenannte Lerninseln zurück. Das kann ein Raum sein oder eine Sitzgruppe im Flur. Dort werden Aufgaben gemeinsam gelöst.

Noch mehr gemeinsame Lerninseln können sich die Schüler gut vorstellen oder, dass die Tablets repariert werden. Dafür könnte das Preisgeld verwendet werden. Der erste Platz im Wettbewerb „Starke Schule“ ist mit 5000 Euro dotiert. Welche Wünsche tatsächlich erfüllt werden, wird später beraten.