Wolmirstedt l Grund sind Vogelgrippe-Viren, die mutieren und die gefährliche Geflügelpest auslösen können. Wann ist Entwarnung in Sicht.  Menschen kennen es seit Monaten: Homeoffice, Homeschooling, Lockdown. Manches Federvieh teilt die Erfahrungen, Geflügel muss seit dem 21. Dezember im Stall bleiben. Was die Corona-Pandemie für Menschen heißt, bedeutet die Vogelgrippe für Hühner, Enten und Gänse. Beides ist mitunter kreuzgefährlich. Und trotzdem steht die Frage: Wann dürfen Tiere wieder raus?

Frühlingslust packt die Hühner

Bernhard Bertrams hofft für seine Hühner, denn sie scheint die Frühlingslust zu packen. Sie gackern, schlagen munter mit den Flügeln, der Hahn kräht. Die Sonne schickt wärmende Strahlen und bei so viel Aufbruchsstimmung würde das Federvieh wohl gern über den Hof laufen, nach Regenwürmern scharren. Doch die Hühner dürfen den Stall nicht verlassen, können nur die kleine Freifläche nutzen, die zum Stall gehört und überdacht ist. Bernhard Bertram fragt: „Wie sollen sich meine wenigen Tiere hier auf dem Grundstück anstecken?“ Die Familie lebt an der Ohre, fast wie auf einer Insel. Der Geflügelhalter würde seinen Tieren gern wieder mehr Freiheit geben.

Doch die Hühner, Enten und Gänse werden noch eine Weile im Stall bleiben müssen. Das fordert der Landkreis Börde in einer Tierseuchenrechtlichen Allgemeinverfügung. Wann die sogenannte Aufstallpflicht aufgehoben wird, ist noch nicht absehbar.

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Vogelgrippe-Risiko weiter sehr hoch

Der Landkreis bezieht sich dabei auf die aktuelle Risikoeinschätzung des Friedrich-Löffler-Instituts. Das stuft das Risiko, dass die Vogelgrippe auf Hausgeflügel übertragen wird, weiterhin als sehr hoch ein.

Das Friedrich-Löffler-Institut ist eine selbstständige Bundesoberbehörde, die zum Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gehört und zur Tiergesundheit forscht.

Schneeschmelze sorgt für Wasserflächen

Der Landkreis teilt die Sorge des Instituts, denn aufgrund der Schneeschmelze haben sich an vielen Stellen große Wasserflächen gebildet, die von wildlebenden Wasser Vögeln als Rastplätze genutzt werden. Sie könnten das Vogelgrippe-Virus mitbringen und auf die Haustiere übertragen.

Doch wie gefährlich ist die Vogelgrippe? Die Vogelgrippe ist eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit, die bei wilden Wasservögeln auftritt. Die Viren verursachen bei Hausgeflügel, insbesondere bei Enten und Gänsen, kaum oder nur milde Krankheitssymptome. Allerdings können diese Viren spontan zu einer hochpathogenen Form mutieren, die sich dann klinisch als Geflügelpest zeigt, heißt es auf der Internetseite des Friedrich-Löffler-Instituts.

Geflügelpest ist hochansteckend

Geflügelpest ist für Hausgeflügel hochansteckend und verläuft mit schweren allgemeinen Krankheitszeichen. Die Viren können sogar auf den Menschen übertragen werden und dort tödlich verlaufende Erkrankungen auslösen. „Bei Tieren können sie epidemische Ausmaße annehmen große wirtschaftliche Schäden zur Folge haben“, heißt es aus dem Landkreis.

Anders als in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen wurde in Sachsen-Anhalt bisher noch kein Ausbruch der Geflügelpest bei Hausgeflügel oder Wildvögeln festgestellt. Da es jedoch im Landkreis Börde jedoch Rastplätze von Wild- und Zugvögeln gibt, wird auch hier mit einer Verbreitung des Vogelgrippe-Virus gerechnet.

Sollten tote Wildvögel gefunden werden, nimmt das Team des Veterinärwesens des Landkreise Proben und untersucht diese auf Vogelgrippe-Viren.

Bernhard Bertrams Tiere müssen sich also noch gedulden. Erst, wenn der Vogelzug beendet ist, kann sich die Lage entspannen, das Risiko sinken und letztlich die Tiere wieder ins Freie laufen können.