Colbitz l Der Mann wird sich gewiss noch lange an den Tag erinnern, als er letztmalig als Vereinsvorstand eine Sitzung dieses Gremiums geleitet hat. „Ich werde von Minute zu Minute unruhiger. Erst kreuzt meine Frau völlig unerwartet zur Sitzung auf. Dann erscheint mit Klaus Renner der Präsident des Kreissportbundes (KSB) Börde“, zeigt sich Rieke von der Situation überrascht. Kaum zu glauben eigentlich, denn der Colbitzer, dem der Schalk im Nacken sitzt, hat für jede Gelegenheit immer einen lockeren Spruch auf Lager.

Die Situation klärt sich aber rasch. Zunächst setzen zwei Vorstandsmitglieder die Tagesordnung außer Kraft. Bernd Kusitzky, Stellvertreter des Vereinschefs, und Kassenwartin Jana Gliechau ergreifen das Wort. „Wir möchten uns bei Dir für die Jahrzehnte währende aufopferungsvolle Arbeit, die Du für den Verein geleistet hast, bedanken.“ Sehr viel weiter kommen sie mit ihrer Laudatio aber nicht: Er müsse erst die Jacke schließen und eine andere Brille aufsetzen, meint Heinz Rieke. „Bloß gut, dass ich mich rasiert habe“, merkt er an. Und hat die Lacher wieder einmal auf seiner Seite.

„Du hast dich in den 27 Jahren als Vorsitzender des Vereins immer um die Belange der Mitglieder gekümmert, hast immer ein offenens Ohr für jeden Einzelnen gehabt. Wir ziehen den Hut vor dir“, erklärt Jana Giechau. „Von uns aus hättest du gern noch weiter an der Spitze stehen können, aber du wolltest ja nicht“, schließt sich Bernd Kusitzky mit einem verschmitzen Lächeln an. Die Antwort lässt wieder nicht lange auf sich warten. „Wenn man einmal Nein sagt, muss man auch dabei bleiben.“ Er werde aber weiterhin jede Unterstütztung geben. „Ich lasse euch nicht ganz allein“, versichert er.

In ihre Dankesworte schließen die beiden Vorständler auch Heinz Riekes Ehefrau Waltraud ein. Sie habe ihrem Gatten die Zeit gegeben, damit er ordentliche Vereinsarbeit leisten konnte. Zum Abschied überreicht der Vorstand einen Reisegutschein und Blumen.

Höchste Sportauszeichnung des Kreises

Inzwischen hat Kreissportbund-Präsident Klaus Renner die Bühne betreten. Er zeichnet den 79-Jährigen mit der Sportehrengabe des Landrates in Gold, der höchsten Sportauszeichnung im Landkreis Börde, aus. So würdigt der Kreissportbund außergewöhnliche, langjährige ehrenamtliche Tätigkeit gewürdigt. Notizen für eine Laudatio sind in diesem Falle nicht erforderlich. Beide kennen sich viele Jahre. Sehr oft haben sich im Laufe der Zeit die Wege von Heinz Rieke und Klaus Renner gekreuzt: Auf Funktionärsebene, als Sportler und Vereinsmitglied.

Aus Traktor und Empor wird der Heide-SV. Klaus Renner kennt sich bestens aus in den Strukturen des Vereins. Er habe zwölf Jahre in drei unterschiedlichen Colbitzer Vereinen – als Junior bei Traktor, bei den Männern bei Empor und bei den Alten Herren beim Heide-SV – Fußball gespielt, erinnert sich der Kreissportbund-Präsident.

Im Jahr 1950 betritt Heinz Rieke die Bühne im Colbitzer Vereinsleben. Der Sport im Heidedorf ist eng mit seinem Namen verbunden. 69 Jahre Vereinszugehörigkeit – als Sportler, Trainer und 27 Jahre Vereinsvorstand – sind ein bemerkenswertes rekordverdächtiges Treuebekenntnis und beweisen langen Atem. Jetzt, mit 79 Jahren, reicht er den Staffelstab weiter und kann etwas ruhiger treten. Rekordverdächtig ist aber auch seine Zeit als „Weihnachtsmann“. Seit über 50 Jahren streift er sich Kutte und Rauschebart des Rotrocks über. Damit ist er dienstältester Weihnachtsmann im Land Sachsen-Anhalt – und wird es auch bleiben. Mit der Verkündung seines Rückzuges vom Chefsessel blickt er auf viele Jahre im Ehrenamt, als Trainer und Funktionär zurück. Die goldene Ehrengabe veredelt quasi sein Lebenswerk im Dienste des Sports. Er bleibt dem Verein aber erhalten.

Bis zur Wahl eines neuen Vorstandes auf der Mitgliederversammlung im April 2020 übernimmt der bisherige Stellvertreter Bernd Kusitzky die kommissarische Leitung.