Wolmirstedt (dpa) l Die Tierheime in Sachsen-Anhalt haben wegen der Corona-Krise mehr Anfragen erhalten. Gerade kleine Tiere seien in den vergangenen Monaten sehr gefragt gewesen, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Dank Home-Office hätten viele Menschen mehr Zeit gehabt, um ein Tier in die Familie aufzunehmen. Die Tierschützer sehen den Trend zum Haustier aber gespalten.

Gerade in der Anfangszeit der Pandemie sei das Interesse an kleinen Hunden oder Katzen gestiegen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Landesverbands im Deutschen Tierschutzbund, Rudolf Giersch, in Wolmirstedt (Landkreis Börde). Im Sommer sei es leicht abgeflaut. Mit dem Teil-Lockdown im November kam erneut großes Interesse auf.

Im Tierschutzverein Halle etwa seien derzeit nur fünf Hunde, sagte Nadine Braumann vom Tierschutzverein. Sonst waren es im Schnitt zehn Hunde. "Weil viele im Home-Office sind, haben sie mehr Zeit, um einen Hund einzugewöhnen", so die Tierliebhaberin.

Auch Katzenfreunde suchten in den vergangenen Monaten häufiger als üblich den Weg in den Tierschutzverein. "Wir wollen aber unterbinden, dass die Tiere als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum landen", so Braumann. Daher gebe es ab Mitte Dezember einen Vermittlungsstopp. Derzeit werden rund 65 Katzen im Verein umsorgt.

Nicht nur in Sachsen-Anhalt wurde der neue Trend in den vergangenen Monaten beobachtet. "Tatsächlich gab es einen regelrechten coronabedingten "Haustierboom" in diesem Jahr", sagte die Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes, Hester Pommerening, in Bonn. Das Tierheim in Berlin habe beispielsweise innerhalb eines Wochenendes rund 500 Anfragen erhalten. In einem Tierheim in Stuttgart wollten viele Interessierte Tiere auch nur vorübergehend aufnehmen. Dennoch: "Die zuletzt im Großen und Ganzen sehr gute Vermittlungslage ist sicherlich nicht auf alle Tierheime übertragbar", sagte Pommerening.

Für Tierschützer ist die Entwicklung nicht nur positiv. "Ich bin gespalten", sagte Braumann. Einerseits sei es gut, dass Hunde und Katzen ein neues Zuhause finden würden. Anderseits gebe es die Gefahr eines Schnellschusses. Das unüberlegt zugelegte Tier werde möglicherweise später wieder abgegeben oder ausgesetzt. Um dem entgegenzuwirken, gebe es strenge Auswahlkriterien. Unter anderem seien Hausbesuche bei den Interessenten üblich.

Neben der großen Nachfrage nach einem Vierbeiner sei noch etwas beobachtet worden. "In den vergangenen Monaten wurden besonders viele große Hunde abgegeben", sagte Giersch vom Landesverband. Möglicherweise seien einige Menschen coronabedingt von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit betroffen gewesen und somit knapper bei Kasse als vor der Krise. Auch junge Katzen fanden häufiger als sonst den Weg in die Tierheime. "Es ist uns ein Rätsel, warum es so viele Kitten gab", sagte Giersch. Möglicherweise hänge dies mit coronabedingt abgesagten Kastrationen zusammen, erklärte Braumann.

Wegen der großen Nachfrage gebe es in den Tierheimen derzeit allerhand zu tun. Zudem spitzte sich laut Tierschutzbund die finanzielle Lage einiger Einrichtungen in diesem Jahr zu. Denn wegen pandemiebedingt abgesagter Veranstaltungen fielen auch öffentliche Spendensammelaktionen aus – die Finanzierungsgrundlage vieler Auffangstationen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sicherte daher den Tierheimen in Deutschland für 2021 rund fünf Millionen Euro zu.