Tiere

In Wolmirstedt trainieren Menschen und Hunde gemeinsam

Der Hund ist der beste Freund des Menschen, findet Hundefreund Remo Röhr. Wie das Zusammenleben von Mensch und Tier klappt , davon erzählt der zweite Vorsitzende der „Hundefreunde Elbe-Heide “.

Von Steffi Pretz 11.07.2021, 18:26
Shiva lernt über die Wippe zu laufen und Vertrauen in sich selbst zu fassen.
Shiva lernt über die Wippe zu laufen und Vertrauen in sich selbst zu fassen. Foto: Steffi Pretz

Wolmirstedt - Auf der Wiese vor dem Vereinshaus der „Hundefreunde Elbe-Heide“ in der Angerstraße in Wolmirstedt tummeln sich jeden Sonntagvormittag Vier- und Zweibeiner. „Platz“, „Bleib“, „Sitz“, „Ran“, „Fuß“ sind die häufigsten Kommandos, die zu hören sind. „Und das reicht auch“, betont der Hundetrainer und Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit Remo Röhr. Der Hund ist ein Tier und kennt nur Laute. Irgendwann verbinde und verinnerliche er die kurzen Kommandos mit Tätigkeiten und Verhaltensweisen, die von ihm erwartet werden, wenn er diese Kommandos hört. Ganze Sätze und vielleicht gar Erzählungen, wie wir sie an Menschen richten, und viele leider auch an ihre Hunde, seien völlig fehl am Platz und verunsichern die Tiere nur, so Röhr.

Den Hund immeran seiner Seite

Remo Röhr kam schon als Kind auf den Hund, immer war ein vierbeiniger Freund an seiner Seite. Die Deutsche Dogge Hubert ist der achte Vierbeiner, der ihn derzeit in seinem Leben begleitet. Kein einfacher Hund, wie er sagt, aber mit ganz viel Liebe, Einfühlungsvermögen und Konsequenz sei aus einem bissigen Problemhund ein treuer Freund geworden, der aufs Wort und Fingerschnippen gehorche. „Ein Leben ohne Hund ist machbar, lohnt sich aber nicht“, ist Röhrs persönliche Meinung. Der Vierbeiner verzeihe alles, er lebe im Moment und sei nie nachtragend, das unterscheide ihn wesentlich von vielen Menschen.

2015 gründete Remo Röhr gemeinsam mit acht weiteren Hundefreunden den Verein „Hundefreunde Elbe-Heide“. In Kooperation mit dem Bodelschwingh-Haus in Wolmirstedt konnte das Vereinsheim gemietet und die davor liegende Wiese mit genutzt werden. Hier treffen sich jeden Sonntag von 11 bis 11.45 Uhr Vereinsmitglieder und auch Besucher. Sieben Hundetrainer betreuen in dieser Zeit die Hundebesitzer und Hunde. Der Hundetrainer schmunzelt: „Genau in dieser Reihenfolge, denn ein Hund kennt meistens schon die Kommandos, die Besitzer müssen korrigiert werden.“

Die Haltung von Hunden unterliege Röhrs Meinung nach oft einem fatalen Missverständnis, indem viele Hundebesitzer ihren vierbeinigen Liebling vermenschlichen und als Kinder- oder Partnerersatz sehen und so behandeln. Da wird mit Hundilein gekuschelt und geknutscht, der Hund liegt auf dem Sofa oder gar im Bett und der Vierbeiner bestimmt, wann gespielt wird oder nicht. Remo Röhr: „Natürlich ist die Versuchung groß, einen Welpen immer wieder durchknuddeln zu wollen, weil sie einfach so niedlich sind. Und ihnen alles durchgehen zu lassen. Aber wir sollten nicht vergessen, dass es ein Tier ist und bleibt, auch wenn ein Hund tatsächlich der beste Freund sein kann.“

Wenn ein Welpe mit acht Wochen in eine Familie, also für ihn ein neues Rudel kommt, dann sind diese ersten Wochen eine sehr wichtige Prägephase für den Hund. Auch im Rudel in der Natur werden junge Hunde immer von den Rangältesten erzogen und auch entsprechend auf Hundemanier gerügt, wenn sie nicht gehorchen. Im Zusammenleben mit einem Menschenrudel ist der Hund das letzte Glied in der Kette, nicht das Alphatier. Das sollten immer die Hundebesitzer sein. Zumindest so die Theorie. Die Praxis sieht oft anders aus und genau bei solchen „Problemhunden“ geht es dann darum, im Training wieder gesunde Strukturen im Zusammenleben herzustellen.

Der Hundefreund und -trainer mit der eisernen Konsequenz, die für ihn die Quintessenz bei der Erziehung eines Hundes ist, erlebt immer wieder, dass nicht erzogene Hunde ihren Frauchen und Herrchen auf der Nase herumtanzen und die Hierarchie, die in der Natur ganz klar geregelt ist, aufgeweicht wird. „Wenn ein Hund nicht versteht und die Konsequenzen nicht spürt, was es heißt, dem Alphatier oder auch dem Alpha-Pärchen rigoros zu gehorchen, dann gibt es einfach Stress.“ Dann entstünden Situationen, die jeder kenne - Besucher trauen sich nicht durch die Tür, weil das lautstarke Kläffen nichts Gutes verspricht und werden beim Eintreten gleich besprungen und abgeleckt. Oder beim Spaziergang mit dem Hund zerren die Vierbeiner ihre Frauchen und Herrchen dahin, wohin sie wollen und oft mit Erfolg. Das könne im Sinne eines entspannten und vor allem gesunden Zusammenlebens von Mensch und Tier nicht sein. Remo Röhr hat einen Satz geprägt, den er auch immer beim Training an alle Hundebesitzer weitergibt: „Behandele den Hund nicht wie einen Menschen, sonst behandelt der Hund dich wie einen Hund.“ Und unter Hunden geht es ziemlich ruppig zu.

Das Tier nicht wie einen Menschen behandeln

Das heißt für Remo Röhr im Klartext: Der Hundebesitzer darf sich zu keiner Zeit seinem Hund gegenüber unterwürfig zeigen und diesen auf eine gleiche Stufe mit ihm stellen. Die Erziehung eines Hundes sollte nach Röhrs Meinung zur Pflicht gemacht werden.

Der Verein „Hundefreunde Elbe-Heide e.V.“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Hundebesitzer zu lehren, ihren Hund wie einen Hund zu behandeln und ihn in seiner Sprache lesen zu können. Hunde kommunizieren über Augen, Ohren und ihre Rute. Dazu komme ihre Lautsprache, das Bellen, was sehr unterschiedlich sein kann und auch so gemeint ist. Er könne aus jahrelanger Erfahrung allein am Bellen hören, ob einem Hund langweilig ist, dieser einen Besucher meldet oder ob er warnt. Seine Körpersprache dazu vermittele die Botschaft: „Komm’ mir nicht näher und fass mich schon gar nicht an!“