Barleben/Jersleben l In den zurückliegenden Tagen war das Interesse von Badegästen am Gang zum Jersleber See eher gering. Das lag mit großer Wahrscheinlichkeit am Wetter. Erst in dieser Woche wird es wieder sommerlicher. Demnach sind dann wieder mehr Gäste zu erwarten.

Einen echten Ansturm kann und wird es aber so nicht geben, denn die Zahl der Besucher ist genau festgelegt. Um die auch einhalten zu können, gibt es gleich zwei Hygiene-konzepte der Gemeinde. Um die Durchsetzung kümmert sich ein Wachdienst, der den einzigen Zuweg absichert. Dabei handelt es sich um den Haupteingang, wo auch Pkw einfahren dürfen. Ansonsten ist das Naherholungsgebiet nahezu hermetisch abgeriegelt.

Das Center Jersleber See hat täglich von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Tagesgästen wird empfohlen, im Vorfeld des Besuches die Rezeption unter Telefon 039203/5654190 anzurufen und die augenblickliche Auslastung des Strandbades zu erfragen. Der Hintergrund: Zur Einhaltung der Abstandsregeln dürfen entsprechend der zur Verfügung stehenden Fläche maximal 962 Personen zeitgleich auf das Gelände. Abzüglich der Kurzzeit- und der Dauercamper können somit zeitgleich nur 662 Bade-Besucher an den Strand. Die Dusch- und WC-Bereiche dürfen dann auch nur von maximal fünf Personen gleichzeitig genutzt werden.

Niedergeschrieben ist das in den Hygienekonzepten für den Neustart nach den Corona-Beschränkungen. Das komplette Naherholungscenter war nämlich bis zum 22. Juni gesperrt. Um wieder öffnen zu können, waren gleich zwei davon notwendig, eins für das Betreiben des Campingplatzes und eins für das Betreiben des Strandbades. So forderte es das Gesundheitsamt des Landkreises Börde.

Zutritt nur über Haupteingang

„Nur über den einen Zugang sind wir in der Lage, die Anzahl kontrollieren zu können“, sagt Karolin Braunsberger-Reinhold vom Bürgermeisterbüro. „Das ist notwendig, um bei einer Kontrolle den aktuellen Stand wiedergeben zu können.“ Und mit solchen Kontrollen sei zu rechnen. In der zurückliegenden Woche sei die Auslastung aber nicht erreicht worden. Richtig glücklich ist man mit dieser Regelung allerdings nicht einmal bei der Verwaltung und dass sich daran die Kritik der Besucher entzünden könnte, ist allen bewusst.

„Es handelt sich um Einschränkungen, ohne die wir nicht wieder hätten öffnen könne“, fügt die Vertreterin der Verwaltung hinzu. „Somit können wir aber wenigstens die Nutzung im vorgeschriebenen Rahmen sicherstellen.“ Dazu zählt auch, dass der beliebte Rundweg um den See derzeit nicht mehr möglich ist. Er wird für gewöhnlich von Wanderern und Radfahrern genutzt, die nicht unbedingt auch gleichzeitig baden wollen – so an Tagen die nicht unbedingt sommerliche Temperaturen mit sich bringen.

Die Gemeinde hat zur Durchsetzung der Vorschriften Bauzäune errichten lassen, die nun im Wege stehen. „Der Rundweg ist von zwei Seiten her nutzbar bis hin zu eben diesen Begrenzungen“, sagt Karolin Braunsberger-Reinhold. Wer also den Rundweg erkunden will, gelangt von zwei Seiten her nur an die jeweiligen Absperrungen.

„Jahrzehntelang war der ungehinderte Gang rund um den See möglich, jetzt ist das nicht mehr so“, stellt Helga Hillmann aus Jersleben fest. Nicht nur sie empfindet das als eine Beschränkung ihrer Bewegungsfreihéit. Vielmehr beginne sich in dem Dorf der Widerstand zu regen. „Nicht nur wir Jersleber sind sauer“, sagt sie gegenüber der Volksstimme. „Auch Bewohner anderer Orte der Umgebung haben den See als Ausflugsziel genutzt. Sie sind ebenso erbost wie wir“, äußert sie sich. Noch sind es Gespräche, in denen sich die Bürger Luft machen. Etliche Jersleber formieren sich derzeit schon, um eine Interessensvertretung entstehen zu lassen. Die Vorgaben der Verwaltung sind für sie eine Form von Schikane und sie pochen auf ihre Bürgerrechte.

„Nach Möglichkeit sollen wir nicht ins Ausland fahren, um dort den Urlaub zu verbringen“, bringt die Jersleberin vor. „Und was ist hier bei uns? Da gibt es diese Beschränkungen. Was sollen die Menschen denn nun machen?“ Helga Hillmann selber hält sich gern fit, sie ist in der Vergangenheit um den See gelaufen und auch ein wenig geschwommen und nichts hat sie in ihrer Bewegungsfreiheit dabei beschränkt.

Jersleber fordern Gewohnheitsrechte

Ähnlich geht es auch dem Ehepaar Ulrike und Wilfried Kramer aus Jersleben. Die beiden hatten eine Anfrage an die Verwaltung zur Nutzung des Jersleber Sees gestellt. Das Schreiben liegt der Redaktion vor. Darin merken die beiden das Problem mit dem nicht komplett nutzbaren Rundweg an. „Sie nehmen uns damit ganz bewusst die Möglichkeit eines gesundheitsfördernden Spazierganges in der Natur“, schreiben die Jersleber. „Angesichts der Freizügigkeit anderer Naherholungsgebiete in Sachsen-Anhalt ist das für uns reiner Eigennutz der Gemeinde Barleben ohne Rücksicht auf frühere Gewohnheitsrechte der Jersleber.“

Karolin Braunsberger-Reinhold versteht das Anliegen der Bürger. „Die Angabe zur Nutzung des Rundwegs war sicherlich etwas missverständlich formuliert“, sagt sie. „Der Unmut der Menschen ist verständlich. Allerdings besteht aus Sicht der Verwaltung keine andere Möglichkeit, das Naherholungsgebiet zugänglich zu machen.“ Sie verweist noch einmal auf die Vorgaben, die umzusetzen seien.

Die Jersleber sehen das jedoch nicht ein, sie wollen weitere Lockerungen und ihre Freizügigkeit zurück. „An heißen Sommertagen den Leuten das Baden zu verwehren, nur damit Zahlen eingehalten werden, das geht gar nicht. Das wollen wir uns nicht gefallen lassen“, sagt Helga Hillmann.