Wolmirstedt l Ende August feiert der Lions Club Ohrekreis ein kleines Jubiläum. Er wird 15 Jahre alt. Am 27. August 2003 fand im Beisein von Thomas Webel, dem damaligen Landrat, und Dr. Klaus Klang, Beauftragter des Governors, im Keller der Heidebrauerei in Colbitz die Gründungsversammlung statt. 23 Männer und Frauen bekannten sich damals zum Leitspruch der Lions: “We serve“.

Dahinter versteckt sich uneigennütziges soziales Engagement. Alljährlich erhalten Vereine und Institutionen auf Antrag Spenden von den Lions. Dabei handelt es sich um Vorhaben, die dem Gemeinwesen dienen, für eine breite Öffentlichkeit von Nutzen sind und allgemeine Anerkennung erfahren. „Besonders engagieren wir uns für Jugend und Sport sowie die Kultur. Aber auch soziales Engagement oder der Erhalt von Baudenkmalen wird gefördert“, sagt Alan Morris, Gründungsmitglied und derzeit Präsident.

Geld stammt aus privaten Spenden

Das Geld stammt ausschließlich aus privaten Spenden der Mitglieder, Arbeitseinsätzen, den Benefizveranstaltungen wie Kabarettabende oder dem Glühweinverkauf auf dem Weihnachtsmarkt in Barleben. Entsprechend der internationalen Grundsätze der Lions kommen alle Einnahmen des Fördervereins bis auf den letzten Cent der Allgemeinheit zugute.

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Rund 1,3 Millionen Mitglieder sind in den 45.000 Clubs in über 100 Ländern der Erde organisiert und engagieren sich derart für ihre Mitmenschen. In Sachsen-Anhalt sind es über 30 solcher Hilfsorganisationen, im Bördekreis existieren vier Clubs. Der Lions Club Ohrekreis, der heute 28 Mitglieder zählt, trifft sich regelmäßig in Auerbachs Mühle in Wolmirstedt zu Mitgliederversammlungen und Vortragsabenden.

Ein Blick zurück: Der Club wurde 2003 auf Initiative von Holger Stahlknecht, dem heutigen Innenminister des Landes, gegründet und nahm im Gegensatz zu den anderen Clubs in der Region auch Frauen auf. Erster Präsident war Dr. Ulf Gundlach aus Niederndodeleben, Maren Sieb (heute Geschäftsführerin der Lotto-Toto GmbH) stand später als erste Frau an der Spitze eines Lions Clubs in Sachsen-Anhalt. Viel Wert legen die Lions darauf, dass die Mitglieder möglichst vielen Berufsgruppen angehören. Zu den „OK-Löwen“ zählen zum Beispiel Apotheker, Rechtsanwälte, Journalisten, Firmeninhaber, Städteplaner, Verwaltungsangestellte.

Dauerabonnenten mit großen Zielen

Für eine Aufnahme sind eine Probezeit und zwei Bürgen erforderlich. Prinzip ist der jährliche Wechsel der Präsidentschaft. „Dadurch verteilt sich die ehrenamtliche Arbeit auf viele Schultern. Zudem bringt jeder Präsident neue Ideen und Vorstellungen ein. Dadurch bleibt das Clubleben abwechslungsreich und spannend“, so Renate Raeck, Schatzmeisterin seit der Clubgründung. Von ihr ist auch zu erfahren, wie viel in dieser Zeit gespendet wurden: Immerhin stolze 77 000 Euro.

Die bislang größte Einzelsumme von 5300 Euro erhielt 2006 die Kirchengemeinde Glindenberg für die Sanierung des Taufengels, mit 5000 Euro förderten die Lions die Herausgabe der Festschrift zur 1000-Jahr-Feier Wolmirstedts, 2000 Euro gab es für Aufhängung des Taufengels in der Bebertaler Kirche.

Zu den „Dauerabonnenten“ auf eine jährliche Lionsspende zählen die Kreismusikschule, das OK-Live-Ensemble Barleben-Wolmirstedt, der Kulturverein Webers Hof in Farsleben, das Kreismuseum in Wolmirstedt oder auch das Holzhaustheater in Zielitz. Besonders gern wurden die Wünsche jener Vereine erfüllt, die die Lions bei ihren letzten Baumpflanzaktionen unterstützt haben. Allen voran der Kanuverein Elbeu, der sich in diesem Jahr über zehn neue Schwimmwesten für den Kinder- und Jugendbereich freuen kann.

Von Eintagsfliegen und Traditionen

Neben dem uneigennützigen Engagement für die Gesellschaft wird ein geselliges Clubleben gepflegt. Dazu angehören interessante Vorträge. Sehr gut besucht war unter anderem der beeindruckende Vortrag von Tony Ewert. Der befand sich als Soldat zum Ende seines Afghanistan-Einsatzes 2003 im Bus auf dem Weg zum Kabuler Flughafen zurück in die Heimat, als dieser das Ziel eines perfiden Selbstmordanschlags mit einer Autobombe wurde. Vier seiner Kameraden starben, 29 wurden verletzt. Tony Ewert selbst überlebte schwerstverwundet.

Auch der Vortrag zur Verbreitung des Wolfes in der Region oder verschiedene Reiseberichte fanden großes Interesse. Außerdem wurden verschiedene Einrichtungen besichtigt, so die Müllverbrennungsanlage Rothensee oder die Denkfabrik in Magdeburg. Interessant auch der Besuch beim Helmhersteller Schubert oder dem Milchhof in der Landeshauptstadt, den es mittlerweile nicht mehr gibt. Höhepunkt jedes Lionsjahrs ist die Abschlussfahrt. Ziele waren unter anderem schon Regensburg, Potsdam, Erfurt, Schwerin, Papenburg oder in diesem Jahr Freiberg.

„Wir können stolz darauf sein, was wir in diesen 15 Jahren geschafft haben. Auch wenn Veranstaltungen wie die Modenschau in Wolmirstedt oder das Weinfest in Barleben aus verschiedenen Gründen Eintagsfliegen blieben. Ich bin überzeugt, dass uns noch viel einfallen wird, um unser Vereinsziel mit Leben zu erfüllen“, betont Präsident Alan Morris.

So soll beispielsweise die Kooperation mit den Weberanern fortgesetzt werden. Nachdem im Vorjahr Lions zum Sommerfest auf dem Vierseitenhof in Farsleben eingeladen waren, soll am 31. August hier erstmals das traditionelle Wildschweinessen unter den Vereinen stattfinden. Dieses findet als kleine, interne Jubiläumsfeier zum 15-jährigen Bestehen statt. Danach werden sich die Mitglieder, in deren Brust Löwenherzen schlagen, wieder ins Getümmel werfen und Gutes tun – weil sie das seit 15 Jahren genau so machen.