Wolmirstedt l Am Morgen hatte die Strohpuppe gebrannt. Die stand am Glindenberger Ortseingang und hatte zum Erntedankfest geladen. Das Fest ist vorbei, die Puppe sollte ohnehin abgebaut werden, doch zuvor hatte ein Unbekannter am Sonnabendfrüh einen der Ballen in Brand gesetzt. Die Feuerwehr war schnell vor Ort, löschte, verhinderte einen größeren Schaden. Die Deko, mit der die Puppe bekleidet war, ist trotzdem hinüber.

Szenenwechsel: Am Abend bat die Feuerwehr zum Ball in den Glindenberger Hof: Der Saal ist voller Menschen. Feuerwehrleute, Sponsoren und Gäste tragen Festkleidung, das Essen duftet, die Stimmung ist heiter. An einer der langen Tafeln sitzen die Kameraden der Partnerfeuerwehr aus Philippsthal. Philippsthal liegt in Osthessen und zusammen mit den Kameraden ist auch Bürgermeister Ralf Orth gekommen. Er schätzt die Partnerschaft mit der Glindenberger Wehr, empfindet sie auch als persönliche Bereicherung.

„Dadurch habe ich die Region kennengelernt“, sagt er. Drei Tage lang waren die Philippsthaler in Glindenberg zu Gast und das Team um Ortswehrleiter Andy Opitz und Feuerwehrvereinsvorsitzenden Dietmar Fritze hatte ihnen den Magdeburger Dom, den Jahrtausendturm im Elbauenpark und den neuen Elbdeich in Glindenberg gezeigt.

Neuer Deich interessiert besonders

Der neue Deich interessierte die Kameraden besonders, denn an dieser Stelle wurde während des Hochwassers 2013 das Fundament der Partnerschaft gefestigt. An zwei Wochenenden der dramatischen Juni-Zeit halfen die Philippsthaler in Glindenberg mit, den alten, puddingweichen Deich gegen das Wasser zu verteidigen.

Diese Hilfe war selbstverständlich. „Ich erinnere mich noch“, erzählte Ralf Orth, „als die Kameraden bei mir im Rathaus standen und sagten: Glindenberg, dort müssen wir hin.“ Er hatte ihnen sofort grünes Licht gegeben und weiß: „Damals sind tiefe Verbindungen und Emotionen entstanden.“ Glindenbergs Ortswehrleiter Andy Opitz bestätigt: „Es hat sich ziemlich eingebrannt.“

Die Philippsthaler waren nicht nur zum Helfen gekommen, sondern hatten auch Spenden gesammelt und mitgebracht. Was aus dieser unkomplizierten Hilfe geworden ist, formuliert Dietmar Fritze so: „Jeder Philippsthaler findet ein Bett in Glindenberg.“

Beide Gemeinden durch Kalibergbau gerpägt

Beide Gemeinden verbindet noch mehr. Die Regionen sind hüben wie drüben durch den Kalibergbau geprägt. Das bringt Gesprächsstoff und ist ein Grund, warum die Partnerschaft überhaupt aus der Taufe gehoben wurde. Denn: Der Glindenberger Thomas Schmidt hat in Osthessen Arbeit und Lebensmittelpunkt gefunden. Da er in der Philippsthaler Feuerwehr sehr aktiv ist und weiterhin gute Kontakte nach Glindenberg pflegt, wurde diese Partnerschaft vor gut zehn Jahren geknüpft.

„Die gegenseitigen Besuche ermöglichen einen Blick über den Tellerrand“, sagt Andy Opitz und hat beobachtet: „In Philippsthal gibt es ein ähnlich starkes Vereinsgefüge wie hier.“ Eher sei es dort noch stärker ausgeprägt, vor allem spielt die dortige Händlergemeinschaft eine wesentlich größere Rolle als hier.

Auch Ortsbürgermeisterin Gerhild Schmidt schätzt den Austausch, schaut sich besonders gern kulturelle Aktionen der Philippsthaler Feste an. Ihre Lieblingsvorstellung: „Vielleicht können Wolmirstedt und Philippsthal Partnergemeinden werden.“

Bisher bestehen Wolmirstedts Städtepartnerschaften mit dem niedersächsischen Wunstorf und dem bulgarischen Sredez, nur die Wunstorfer Partnerschaft wird gelebt. Das polnische Końskie hat jüngst ebenfalls um eine Partnerschaft gebeten. Darüber wird demnächst im Stadtrat gesprochen.

Und was unterscheidet die Feuerwehren? Thomas Schmidt kennt beide und bringt es auf den Punkt: „Auch im Westen wird mit Wasser gelöscht.“