Wolmirstedt l Beim Termin mit der Volksstimme sind Otfried Müller und die langjährig ehrenamtlich tätige Evelin Horwitz immer noch sichtlich bewegt. „Erst gestern ist wieder ein Fall gemeldet worden, der uns sehr beschäftigt“, sagt der Leiter. „Bürger haben uns informiert, dass eine Katze an- und dann letztendlich überfahren wurde.“ Geschehen ist dies in der Barleber Südstraße. „Zeuge haben uns den Hergang berichtet“, sagt Müller. „Die Katze wurde zuerst angefahren, danach mit dem Fuß beiseite gestoßen und letztendlich überrollt und der Verursacher verschwand.“

Das habe Zeugen offensichtlich sehr erzürnt, denn diese meldeten sich beim Tierheim und Otfried Müller ist der Sache nachgegangen. „Es stellte sich heraus, dass sogar Kinder den Fall beobachtet haben“, erzählt er. „Ich habe die betreffende Person auch ausfindig gemacht und die Sache den Behörden gemeldet.“ Schließlich handele es sich um einen Unfall und das eigenmächtige Verlassen der Stelle bedeute Fahrerflucht.

Behörden und Polizei verfolgen Fälle

Ähnliche Fälle erleben Otfried Müller und seine Ehrenamtler im Tierheim immer wieder. „Es gibt Tiere, die so etwas überleben und dann oft genug bei uns landen“, erzählt der Leiter. „Diese Fälle werden von den Behörden, der Polizei und manchmal auch von der Staatsanwaltschaft verfolgt, am Ende stehen aber Entscheidungen, die meiner Meinung nach zu oft milde ausfallen.“

So macht die 15 ehrenamtlichen Mitarbeiter und Helfer – zu denen auch eine Katzenstreichlerin gehört – ein weiterer Fall fast schon fassungslos. „Eine Frau hat ihre Katzen einfach ausgesetzt und sich neue geholt“, berichtet der Leiter. „Die alten haben ihr wohl nicht mehr gefallen.“

Die Aufnahme von Fundtieren ist ebenfalls ein großer Bereich, den die Wolmirstedter abdecken. Sie kümmern sich dabei ausschließlich um Katzen und Hunde. Wobei in absoluten Ausnahmefällen auch schon einmal andere Tiere vermittelt werden. „Es gibt da auch Schicksale, die uns selber gehörig mitnehmen“, sagt Evelin Horwitz. „Ein Kater hat 17 Jahre im Tierheim verbracht und ist hier auch gestorben. Da freuen wir uns natürlich über Menschen, die ein älteres Tier zu sich nehmen.“

Zuhause für alten Kater

Das ist auch erst kürzlich passiert. Eine Tierfreundin hat sich buchstäblich in den „steinalten“ Kater Goldie verliebt und dieser hat jetzt ein neues Zuhause. „Es war quasi für beide Liebe auf den ersten Blick“, sagt Evelin Horwitz. „Der sonst so scheue Kater ist wirklich aufgetaut.“

Katzen stellen in der Vermittlung auch die besten Zahlen im Wolmirstedter Tierheim. Im Jahr kommen gut 120 von ihnen wieder unter. Bei Hunden sind es über 50. „Die Leute sind hin und wieder über die Vermittlungsgebühren erstaunt“, schildert Otfried Müller. „Aber diese decken nicht einmal unseren Aufwand. Da müssen beispielsweise Impfungen, Kastration, der Chip und natürlich das Futter bezahlt werden.“ Das Tierheim arbeitet mit Dr. Ulrike Künnemann aus Colbitz zusammen, die auch verantwortlich für den Gesundheitszustand der Tiere ist. „Das läuft gut“, betont der Leiter. Träger ist der Tierschutzverein Wolmirstedt, der 100 Mitglieder hat. „Wir sind immer auf Spenden und Sponsoren angewiesen“, erzählt Otfried Müller, der bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit auch immer ein Auge auf die Finanzen hat. Einen Einblick in die Arbeit der Tierschützer wollen diese am Sonntag, 1. Dezember, beim Adventsmarkt im Tierheim geben. Die Pforten sind ab 11 Uhr geöffnet und die Besucher können sich kulinarisch verwöhnen lassen und beispielsweise den neuen Kalender erwerben.