Wolmirstedt l Noch hängen Schilder an den Gartenpforten, auf denen steht: Ich bin ein Tafelgarten. Doch die Gärten hinter diesen Pforten sind verwaist. Zwei Sommer lang wurde dort Obst und Gemüse ausschließlich für die Tafel angebaut. Damit ist jetzt Schluss. Grund sind knappe Kassen bei der Arbeitsagentur. „Die aktuelle Ausstattung mit Finanzmitteln ließ es bisher leider nicht zu, die Förderung durch Arbeitsgelegenheiten im gleichen Umfang des Vorjahres fortzusetzten“, heißt es aus der Pressestelle. Bedeutet im Klartext: Kein Geld, um so viele Leute zu beschäftigen, wie im Jahr zuvor. Neben den Tafelgärten sind davon auch andere Projekte betroffen. „Schade“, sagt Detlef Jungnickel, Vorsitzender der Wolmirstedter Gartensparte „1947“. Sechs Tafelgärten hat es dort gegeben.

Träger des Projektes war und ist die Verbandsgemeinde Elbe-Heide, verantwortlich ist Wolfgang Großmann. „Im vergangenen Jahr gab es 55 Stellen“, sagt er, „in diesem Jahr noch sieben.“ Zusätzlich gab es elf Stellen für Menschen, die den Elbe-Radweg in Ordnung gehalten haben. Die sind komplett entfallen. Von den sieben Beschäftigten, die in das sogenannte Programm „Arbeitsgelegenheiten mit Aufwandsentschädigung“ integriert sind, arbeiten drei in Loitsche und vier in Colbitz. Wolmirstedt geht leer aus und damit bleiben auch die Wolmirstedter Tafelgärten leer.

20 Tafelgärtner waren im Einsatz

Die lagen in der Sparte „1947“ lange zuvor brach, dann startete das Programm. Die über 600 Quadratmeter großen Schollen wurden 2016 und 2017 von Tafelgärtnern auf Vordermann gebracht. Während der Saison haben 20 Männer und Frauen 20 Wochenstunden gegraben, gesät, gehackt, gegossen und geerntet, ebenso in zwei weiteren Gärten in der Sparte „Bergkristall“.

Spartenchef Detlef Jung- nickel hatte stets ein Auge auf die Gärten. „Die Bewirtschaftung nützt auch dem Gesamteindruck der Anlage.“ Zweimal wöchentlich wurden Erbsen, Bohnen, Schnittlauch, Äpfel, Kürbisse oder Kartoffeln an die Tafel geliefert. „Alles Bio“, betont Detlef Jungnickel, „künstlicher Dünger wurde nicht verwendet, stattdessen natürliche Dünger wie Mist.“

Das frische Obst und Gemüse sei bei der Tafel des Deutschen Roten Kreuzes immer gern gesehen, beteuert Mandy Oelke, die Leiterin Soziale Arbeit. „Tafelgärten sind eine gute Sache und haben uns in den vergangenen Jahren weitergebracht.“ Die Tafelgärten aus der Verbandsgemeinde Elbe-Heide haben schon ihr weiteres Mittun bekundet, nun wartet Mandy Oelke ab, welche Träger sich noch melden. Neben diesen Tafelgärten liefern längst auch viele Supermärkte Vitamine an die Tafel.

Bedauern beim Roten Kreuz

Dennoch: Die Wolmirstedter Tafelgärten waren auch überregional beachtet. Die Sparte „1947“ hat unter anderem ihretwegen den dritten Platz beim sachsen-anhalt-weiten Wettbewerb „Gärten im Städtebau“ errungen. Tafelgärten galten als gute Idee, den Leerstand auszugleichen.

Das Jobcenter fokussiert den Blick zwar auch auf die Projekte, vor allem aber auf die Menschen, die mit Hilfe solcher Maßnahmen unterstützt werden sollen, langfristig auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. „Deshalb werden Beschäftigungsstellen ausgewählt, die möglichst gut zu den individuellen Bedürfnissen der Einzelnen passen. Das können zum Beispiel Arbeiten im grünen Bereich oder in der Unterstützung von Sportgruppen sein.“

Doch auch die Tafelgärten sind nicht aus dem Blick geraten. „Es ist nicht unüblich, dass die insgesamt für den zweiten Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Mittel erst im Jahresverlauf endgültig zur Verfügung stehen“, heißt es aus der Arbeitsagentur. Es sei daher nicht ausgeschlossen, dass weitere Arbeitsgelegenheiten geschaffen werden, sobald mehr Geld fließt.

Für die Tafelgärten macht das wenig Sinn. Die Arbeit muss jetzt, im Frühjahr, beginnen. „Wir versuchen, die Gärten zu verpachten“, sagt Detlef Jungnickel. Bis dahin halten Vereinsmitglieder die wuchernde Natur in Schach.