Kirchplatz

Kirchplatz an der Katharinenkirche in Wolmirstedt wird Ort zum Verweilen

Am Fuße der Katharinenkirche reckt sich eine einzelne Linde gen Himmel. Die soll bald Gesellschaft bekommen. Menschen sollen in der Nähe verweilen.

Bald soll die Linde nicht mehr allein am Fuße der Katharinenkirche stehen.
Bald soll die Linde nicht mehr allein am Fuße der Katharinenkirche stehen. Foto: Gudrun Billowie

Gudrun Billowie

Wolmirstedt l Noch ragt die Katharinenlinde etwas einsam über die Rasenfläche vor der Katharinenkirche hinweg. Der Baum wurde am 3. Oktober 2020 gepflanzt, anlässlich des 30. Jahrestages der Deutschen Einheit. Wegen Corona konnte kein Fest ausgerichtet werden, nun schaut die Stadt zuversichtlich in die Zeit nach dieser Pandemie. Dann soll am Fuße der Kirche ein Ort geschaffen werden, an dem sich Menschen begegnen, ein Schwätzchen halten, die Pause beim Gassigehen mit dem Hund genießen. Pläne liegen schon in der Schublade.

Vom Kirchplatz aus Blick auf Kloster und Laubenganghaus

„Wir möchten, dass man sich an diesem Platz geborgen fühlt“, erklärt Kerstin Pallmann, die im Rathaus für Grünflächen zuständig ist. Bislang wirkt der Platz wie vergessen, dabei kann sich das Drumherum durchaus sehen lassen. Die mächtigen Mauern der Kirche im Rücken kann der Blick zu liebevoll sanierten Gebäuden schweifen. Dazu zählt das Laubenganghaus, ein im 18. Jahrhundert erbautes Ackerbürgerhaus, das 2003 kernsaniert wurde. Zuvor war der Fachwerkbau samt Erdgeschoss aus Bruchstein in einem extrem baufälligen Zustand. Längst ist das Gebäude wieder bewohnt, der hölzerne Laubengang zieht sich - wie früher - über die gesamte Hofseite. Dieses Laubenganghaus ist das letzte erhaltene Beispiel des ehemals weitverbreiteten Haustypus in der Region.

Kloster war Fräuleinstift

Das zweite sehenswerte Gebäude ist das alte Kloster, das seit gut zwei Jahren saniert und bezogen ist. 21 Wohnungen sind im ehemaligen Klostergebäude und der ehemaligen Schulküche entstanden. Der Keller des Klosters stammt aus dem 11. Jahrhundert, nach einem Brand wurde das jetzige Klostergebäude 1732 als Äbtissenenhaus für den Zistersienserorden erbaut. Außerdem diente es 78 Jahre lang als Fräuleinstift. Dort residierten die Stiftsdamen, die ihr klösterliches Dasein nur durch eine Hochzeit beenden konnten. Im Jahre 1810 wurde das Gebäude zum Pächterhaus der Stiftsdomäne verwandelt und als solches bis 1945 genutzt.

Nun soll sich also auch der Kirchplatz mausern und dafür hat Landschaftsarchitektin Katrin Schube Pläne vorgelegt. Es gibt zwei Varianten, beide unterscheiden sich lediglich in der Form des Aufenthaltsbereichs. Einmal wird er durch geschwungene Linien begrenzt (siehe Grafik), in der zweiten Variante sind diese Linien gerade gezogen.

Platz soll Treffpunkt für alle werden

Bürger sollen Bänke, eine Informationstafel, Fahrradständer sowie ein Rasenlabyrinth vorfinden. Gut 60000 Euro sind dafür eingeplant, 80 Prozent sollen aus dem europäischen Förderprogramm Leader stammen. Die Anträge sind eingereicht, aber noch nicht bewilligt. Deshalb ist auch noch nicht klar, wann der Platz umgestaltet wird. „Doch eines Tages“, sagt Kerstin Pallmann, „sollen die Wolmirstedter sagen: Wir treffen uns an der Linde.“