Dahlenwarsleben l Die Aula der Grundschule „Astrid Lindgren“ gleicht einer riesigen Werkstatt. Auf dem Boden und auf den Tischen liegen voluminöse Ballen aus Zeitungspapierstreifen. Die Berliner Künstlerin Simone Schander animiert, aus diesem Material Puppen zu bauen, legt dafür außerdem Stoffreste, Knöpfe, Pinsel und Farben bereit. 50 Männer und Frauen beginnen zögernd, finden jedoch schnell die Form, die sie gestalten möchten, arbeiten konzentriert zusammen oder allein. Am Ende stecken sie ihre Puppen draußen in den Sand des Spielplatzes, betrachten sie liebevoll aus ein paar Schritten Entfernung und fotografieren die Werke.

Die Puppen sind lustig, ein bisschen schief, tragen große, knallrote Münder und Schleifen im Haar, sind so mutig kreiert, als wären Kinder am Werk gewesen. Doch die 50 Männer und Frauen sind Erzieherinnen der Kitas der Niederen Börde. Die Puppen sind das Ergebnis einer Fortbildung, die sich der Inklusion widmet.

„Wir wollen zeigen, wie man mit Hilfe der Kunst Kulturen zusammenbringen kann“, sagt Daniela Baars, die in der Niederen Börde für die Kitas verantwortlich ist. Wer zusammen etwas gestaltet, braucht dafür zunächst nicht einmal die Sprache. Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, im Rahmen seiner Fähigkeiten.

Bilder

Gestalten als Brücke

Simone Schander, die Künstlerin, arbeitet zumeist in Berliner Kitas. Dort werden viele Kinder aus Familien betreut, in denen kein Deutsch gesprochen wird. Das gemeinsame Gestalten wirkt als Brücke. Inklusion heißt, dass jeder beteiligt ist, auch Menschen, die besondere Hilfe benötigen.

Die Kreativ-Aktion gehört zur 13. Kita-Konferenz im Rahmen des Projektes „Einführung ins Qualitätsmanagement“. Das läuft bereits seit Ende 2014 mit dem Ziel, dass Erzieherinnen befähigt werden, jedes Kind als Individuum zu betrachten und zu fördern. Das gelingt am besten über gemeinsame Aktionen.

Seit Projektbeginn kommen die ErzieherInnen zweimal im Jahr an jeweils einem Sonnabendvormittag zusammen und widmen sich einem Arbeitsbereich. Die große Abschlussveranstaltung ist Ende November geplant. „Die Kinder profitieren schon jetzt“, ist sich Daniela Baars sicher. Auch Bürgermeister Stefan Müller (CDU) als oberster Dienstherr der Erzieherinnen schaute zu, wie spaßbetont die Kinderbetreuungs-Profis für die Bedürfnisse ihrer Schützlinge sensibilisiert werden.

Die Papierstreifen dienten im Übrigen nicht nur als Grundlage für die Puppenherstellung, sondern halfen zuvor dabei, die Aula in verschiedene Räume zu teilen. „Kinder bauen gern Butzen“, weiß Daniela Baars, „dass lässt sich damit problemlos bewerkstelligen.“ Anschließend regte Künstlerin Simone Schander die Pädagogen an, sich aus den Streifen, die eben noch Butzen waren, Kostüme zu zaubern. Der Spaß war sichtlich, in der Aula lag die Aura von Kindheit.