Hohe Börde l Massen von Kraftfahrzeugen quälten sich am Dienstag durch die Straßen mehrerer Ortschaften der Hohen Börde. Nachdem sich kurz vor 9.30 Uhr ein mit Kranteilen beladener Sattelzug auf der Autobahn 2 kurz vor der Ausfahrt Bornstedt quergelegt hatte und alle Fahrspuren versperrte, wurde der Verkehr bis zum Abend in beide Richtungen über die Nebenstrecken abgeleitet. Nach kurzer Zeit schon nutzte der Umleitungsverkehr nicht nur die Bundesstraße 1, sondern suchte sich auch andere Strecken. Zeitweilig ging mancherort nichts mehr.

Auch in Hohenwarsleben – im Gegensatz zu der B1 nicht südlich der Autobahn, sondern nördlich gelegen. Vermutlich wollten Lkw-, Bus- und Pkw-Fahrer hier entlang und über die Autobahn 14 einen Ausweg suchen. Mehrere nahezu 90-Grad-Kurven ließen den Ort schnell zum Nadelöhr werden, größere Fahrzeuge mussten beim Aneinandervorbeifahren größte Vorsicht walten lassen. Nicht zum ersten Mal.

Deshalb fasst auch Thomas Brickzinsky, der an der Dahlenwarsleber Straße in Hohenwarsleben wohnt, seine Situationsbeschreibung allgemeiner: „Wenn sowas ist, fühle ich mich auf meinem Hof gefangen. Ich muss eine halbe Stunde vorher gucken, ob ich überhaupt auf die Straße komme, um zur Arbeit zu fahren.“ Da er am Dienstag zur Spätschicht nach Wolfsburg musste, ging es nicht nur früher los, sondern er fand auch Schleichwege durch Orte, die er sonst niemals tangiert hätte.

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Für ihn hat in erster Linie die Politik versagt, die „die Lagerflächen des Produktionsgewerbes und des Handels auf die Straße verlagert“. Wie es gewesen wäre, wenn es zum Stauschwerpunkt im Ortskern von Hohenwarsleben gebrannt hätte und die Feuerwehr kommen hätte müssen, möchte er sich nicht vorstellen.

Große Belastung auch durch ständiges Anfahren

„Solche Situationen beeinflussen das tägliche Leben enorm, von der Müllabfuhr bis hin zum Rettungswesen“, so Brickzinsky.

Marina Eberhardt wohnt direkt an der Bundesstraße 1 in Irxleben und weiß ihr Haus durch den ständigen Verkehr, der sich bei Stau auf der Autobahn daran vorbeiquält, arg gebeutelt. „Das Haus hat wieder gewackelt und die Risse sind sicher auch mehr geworden“, erklärt sie die Situation am Dienstag. Es sei eine horrende Belastung, auch durch das ständige Anfahren der Lkw gewesen. Ehe sie zu Hause ankam, hatte sie etwa eine Dreiviertelstunde im Auto verbracht, für einen noch nicht einmal fünf Kilometer langen Fahrtweg von Hermsdorf nach Irxleben. Zum Parken musste sie ebenfalls einen Ausweichstandort finden. „Die Autos kamen selbst über die Kap-Straße und sind auch vom Navi durch den Ortskern geleitet worden“, erzählt sie weiter.

Seit acht Jahren ist sie mit dem Thema intensiv beschäftigt, kämpft mit anderen Betroffenen aus Irxleben dafür, dass eine Umgehungsstraße gebaut wird. Diese muss es aber erst (wieder) die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan schaffen. „Wir sollten uns auf die Erfahrungen von Bebertal stützen können, um herauszufinden, wie das Verfahren beschleunigt werden kann“, sagt sie. Sie bemängelt, dass sich in all den Jahren sehr wenig getan hat, und hofft, dass für das von der Gemeinde Hohe Börde nun geplante Verkehrswegekonzept, Leute aus allen betroffenen Orten zu einem Treffen zusammengeholt werden, um die Lösungsansätze zusammenzutragen. Ehe längerfristige Lösungen wirksam werden, könnte nach Marina Eberhardts Ansicht auch hilfreich sein, dass – wie in Österreich – bei Stau ein Autobahnabfahrverbot für Lkw eingeführt wird.

Hilke Neuschrank, Ortsbürgermeisterin von Hohenwarsleben, hätte sich am Dienstag mal eine Verkehrszählung gewünscht. Sie sieht einen neuralgischen Punkt vor allem an der Kreuzung beim McDonalds, die Taktung der Grünphasen an der Ampel vor allem aus Richtung Ort Hohenwarsleben sind viel zu kurz, ein Grünpfeil für die Fahrzeuge, die hier in Richtung Elbe-Park wollen, wurde abgelehnt, ebenso wie eine Gestaltung der Kreuzung als Kreisel.

Zweite Abbiegemöglichkeit könnte Entlast

„Wir fühlen uns im Stich gelassen, denn solche Situationen wie am Dienstag haben wir fast jede Woche“, so Hilke Neuschrank. Aus ihrer Sicht würde auch eine zweite Abbiegemöglichkeit in Richtung Elbe-Park zwischen der jetzigen „McDonalds-Kreuzung“ und der Autobahn Entlastung bringen, speziell an solchen Stautagen. Auch sie hofft jetzt, dass das Verkehrswegekonzept für Irxleben und die umliegenden Orte bald in die Tat umgesetzt wird und Lösungen bringt.

„Google-Maps hat mir gesagt, dass der Weg über Alt-Olvenstedt und die B 1 nach Hause immer noch die schnellste Route ist“, sagte Kristin Grübner, die sich am Nachmittag in Neue Neustadt in Magdeburg auf den Weg nach Bornstedt machte. Nach einer Stunde und 10 Minuten kam sie entnervt zu Hause an. Sonst benötigt sie 20 Minuten. Von einer Bekannten hörte sie, dass der Bus mit Hortkindern von Rottmersleber nach Bornstedt ebenfalls eine Stunde benötigt hatte, und war froh, nicht nochmal zum Einkaufen nach Eichenbarleben gemusst zu haben.

Hier hatte Katja Limburg-Preuße in ihrem Friseurgeschäft direkt an der Bundesstraße 1 schon den ganzen Tag die Hölle erlebt. Immer wieder polterten Lkw in der Kurve vor der Tür den Bordstein hinauf und herunter. Ein Höllenlärm. Ihr „Shopping-Event“ für Kunden am Abend hatte etwa zwei Drittel weniger Zuspruch als gewohnt. „Viele haben sich abgemeldet, weil sie durch den Stau nicht herkamen oder den Weg nicht auf sich nehmen wollten“, so Katja Limburg-Preuße. Auch am Tage gab es eher weniger zu tun.

Laut Polizei waren zwar sehr viele Autos abseits der Autobahn unterwegs, aber mehr Unfälle hat es deswegen am Dienstag dort nicht gegeben.