Wolmirstedt l Tönerne Köpfe wachen über der Toreinfahrt. Angesichts ihrer diabolischen Blicke müssen sich ungebetene Gäste wohl sehr vorsehen. Dann öffnet Brigitte Ebell-Karl, lacht herzlich, bittet ins Haus, läuft plaudernd vorweg. Heinz Karl kommt die Treppe herunter, sehr aufrecht, und begrüßt ebenso freundlich, wie seine quirlige Frau, die er um einen Kopf überragt. Hier hat sich offenbar ein Paar zusammengefunden, das gemeinsam gern durch die Welt tanzt. Im übertragenen Sinne gönnen sich Brigitte und Heinz Karl unbändige Lebensfreude tatsächlich.

„Wir reisen gern“, gestehen sie, dabei agiere Heinz Karl als Motor, sei der Umtriebigere von beiden. Gemeinsam schauen sie Israel an, Ägypten, Rom..., streifen zu Fuß durch die Metropolen, ein Skizzenbuch haben sie immer dabei. Landschaften, Architektur, Menschen dienen als Quelle der Inspiration, Malen, Zeichnen und Geschöpfe aus Ton formen gehört wie das Reisen und ein großer Freundeskreis zu ihrem Lebenselexier. „Das bringt so viel Frohsinn.“

Obwohl es womöglich uncharmant ist, muss an dieser Stelle doch einmal das Alter der beiden verraten werden: Heinz Karl ist seit 83 Jahren, Brigitte Ebell-Karl seit 74 Jahren auf dieser Welt. „Ach“, wischt Brigitte Ebell-Karl weg, „das hat keine Bedeutung, in mir drinnen spüre ich noch immer ein Kind.“

Den Zauber bewahrt

Sie hat sich den Zauber bewahrt, eine große Neugier sowie die unbändige Lust, knapp neben der Wahrheit zu malen. „Meine Bilder sind immer ein bisschen märchenhaft“, sagt Brigitte Ebell-Karl, „aber sie tragen auch eine politische Botschaft.“ Eine Handbewegung wischt auch diesen Satz weg, eigentlich meint sie: „Bilder erklären ist schwer, jeder muss sich seinen eigenen Reim darauf machen.“

Heinz Karl malt realistischer. „Das hat wohl auch mit meinem Berufsleben als Architekt zu tun.“ Er braucht eine Vorlage, ein Motiv, den Blick in die Landschaft oder auf eine Kirche. In etwa so, wie er diesen Ausschnitt der Welt gesehen hat, bringt er ihn aufs Papier oder die Leinwand. Botschaften versteckt aber auch er.

Das Paar lebt seit 26 Jahren in Glindenberg. Als Leiterin des Gästehauses der Magdeburger Universität hatte Brigitte Ebell-Karl einst gehört, dass im Elb-Dorf ein Haus zum Verkauf stehe. Bis dahin war ihr Glindenberg kein Begriff, Heinz Karl kannte zumindest die Autolackierere, die es zu DDR-Zeiten gab.

Sie wagten den Umzug aus der Magdeburger Neubauwohnung in ein Haus mit Nebengelass auf dem Dorf, haben bei den Nachbarn geklingelt, mit einer Sektflasche in der Hand, und den Umzug keinen einzigen Tag bereut. „Hier ist Platz zum Malen und für eine Keramikwerkstatt.“ Außerdem bietet das Haus ausreichend Ausstellungsfläche.

Ihre großen Werke entstehen jedoch in der Galerie Süd, die in der Magdeburger Feuerwache untergebracht ist. Jeden Dienstag arbeiten sie dort zusammen mit anderen Künstlern.

Hand führt Pinsel nach innerem Bild

Brigitte Ebell-Karl lässt dabei ihrer Fantasie freien Lauf. „Ich gestalte den Untergrund und dann sehe ich die Geschichte.“ Nach diesem inneren Bild führt die Hand dem Stift oder Pinsel. „Wenn ich vorher wüsste, was es wird, bräuchte ich es nicht zu tun“, wandelt sie einen Picasso-Zitat ab. Heinz Karl arbeitet ähnlich, nur strukturierter. „Gitti schaut nach innen, ich schaue außen.“

Auch wenn beide im strengen Sinne keine Profis sind, das Handwerk des Malens und Gestaltens haben sie dennoch von der Pike auf gelernt, und zwar in der Malklasse von Wilhelm Paulcke, der die freie Kunst besonders betonte. Das Freie gefällt dem Ehepaar Karl noch immer, zumindest in künstlerischer Hinsicht. Beide sind sich aber auch einig: „Wir sind froh, dass wir nicht von der Kunst leben müssen.“

So kann Brigitte Ebell-Karl stundenlang in ihrer Keramikwerkstatt verschwinden, in der Arbeit versinken, während Heinz Karl Grafiken fertigt. „Diese Arbeit fließt in den Tag, aber meistens lassen wir uns vom Alltag ablenken.“

Brigitte Ebell-Karl schätzt die Arbeit mit den Händen, das schöpferische Wirken, aber auch die sozialen Medien. Sie zeigt gern ihre Werke, schaut sich die Werke anderer Künstler an, tritt per Handy in den Austausch. So ist der Kontakt zu einem süddeustchen Fotografen geknüpft worden. Inzwischen hat es Begegnungen gegeben, der Fotograf hat Brigitte Ebell-Karls Raku-Köpfe im Elbwasser inszeniert und fotografiert. Raku ist ein besonderer Brand, die Köpfe sind unter dem Titel „gestrandet“ entstanden, spiegeln ein hochaktuelles Thema. Sie weden ebenfalls in der Haldensleber Kulturfabrik gezeigt, in einem separaten Kabinett. „Es ist ein Raum der Stille.“

Die Ausstellung von Brigitte Ebell-Karl, Heinz Karl und Frank Sparfeldt wird am Sonntag, 26. Januar, um 15 Uhr eröffnet. Anschließend werden die Bilder bis zum 31. März gezeigt.