Wolmirstedt l Kathrin Flügel ist gern unterwegs und macht sich neuerdings mit gefüllten Taschen auf den Weg. Sie trägt bunt bemalte Steine spazieren, solange, bis sie einen schönen Platz gefunden hat, auf dem sie einen Stein auslegen kann. Dann hofft sie, dass jemand diesen Stein findet, aufhebt und sich daran erfreut. Wer diese Freude teilen möchte, kann den Stein fotografieren, bei Facebook in der Gruppe „Harzsteine“ hochladen, vielleicht ein paar nette Worte schreiben. Dann weiß Kathrin Flügel, dass er gefunden wurde, Freude schenkte. Das hat sie schon erlebt, das macht sie glücklich. „Dadurch ergeben sich schöne Kontakte.“

Steine bemalen entspannt

Solche Steinaktionen gibt es an vielen Orten. Als Kathrin Flügel davon erfahren hat, war sie von der Idee sofort fasziniert. Seither sammelte sie beim Spazierengehen Steine, ganz unspektakuläre graue Brocken, die gut in die Hand passen. „Ich bemale sie gerne, wenn ich aus der Schule komme“, sagt die Gutenbergschul-Lehrerin, „danach kann ich wieder voller Elan Klassenarbeiten kontrollieren oder den Unterricht vorbereiten.“

Sie benutzt dafür Acrylfarbe, malt Motive, die sie je nach Lust und Laune wählt. Auf der Rückseite der Steine vermerkt sie eine Gebrauchsanleitung. Die ist knapp gehalten, braucht nur drei Worte: „finden/freuen/posten.“ Dazu schreibt sie ihr Kürzel „KF“, das Jahr in dem der Stein bemalt und ausgelegt wurde sowie die dazugehörige Facebook-Gruppe. Es gibt mehrere in Deutschland, „Nordseesteine“ beispielsweise, doch Kathrin Flügel hat sich für die Gruppe „Harzsteine“ entschieden. „Die passt von der Region her am besten zu uns.“

Eine eigene Börde-Gruppe wollte sie nicht gründen, sich nicht mit Administrativem im Internet beschäftigen, sondern unterwegs sein, Steine auslegen, auf die Reise schicken, hoffen, dass sie gefunden werden. In die „Harzsteine“-Gruppe passt sie außerdem gut, weil ihr Partner gern im Harz wandern geht, ihre Steine mitnimmt, dort an verschiedenen Stellen „verliert“ oder Kathrin Flügel selbst bei gemeinsamen Ausflügen hübsche Plätzchen für die Steine sucht und findet.

Trennung fällt schwer

„Von manchen Steinen kann ich mich schwer trennen“, gesteht sie. Schließlich weiß sie nicht, ob sie das kleine Werk je wieder sieht, ob je ein Mensch diesen Stein findet, sich traut, ihn aufzuheben. Aber wenn er in neue Hände gerät, und sie davon erfährt, kann das sehr beglückend sein. Dafür hat sie ihn bemalt.

Ihr Stein, den sie zu einem abgeknabbertes Stück Marzipan gestaltet hatte, fand eine Dame und zeigte ihn dem Enkelsohn. Der war begeistert und wollte ebenfalls gerne einen Stein finden, der soll wie ein Lachgummi aussehen, das ist eine spezielle Süßigkeit. „Natürlich wird er so einen Stein finden“, lacht Kathrin Flügel. Da die Dame und ihr Enkel in Norddeutschland leben, wird sie den Stein persönlich zur Oma schicken. Die wird ihn dort ablegen, wo ihn der Enkel finden kann.

Auch wenn die Steine eigentlich Zufallsfunde sein sollen, lässt sich damit auch ganz gezielt ein bisschen Glück verschenken. „Ich habe eine Kassiererin erlebt, die mitten im Vorweihnachtstrubel freundlich blieb, jedem Kunden ein nettes Wort schenkte, Ruhe ausstrahlte. Ich habe ihr einen Stein geschenkt.“ Die Freude der Kassiererin währte über den Moment hinaus. Sie habe den Stein ständig in der Tasche, hat Kathrin Flügel beim nächsten Einkauf erfahren, behalte ihn als Glücksstein bei sich.

Manche Steine werden woanders ausgewildert

Doch Kathrin Flügel freut sich auch, wenn jemand seinen gefundenen Stein an anderer Stelle wieder auslegt. So kann es sein, dass ein Stein erst im Harz gefunden wird, dann auf Lanzarote wieder ausgewildert wird. Diese Reise ist erwünscht, besonders, wenn der nächste Finder wieder ein Foto in der „Harzsteine“-Gruppe postet, der Weg des Steins also kreuz und quer über den Globus führt und verfolgt werden kann.

Wer im Internet nach solchen Steingruppen sucht, wird fündig und sieht dort viele kunstvoll gestaltete Exemplare. Manche sind Feuerwehrleuten gewidmet, andere Heimatstädten oder Anlässen wie Weihnachten. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. „Egal ob ein Stein als Kunstwerk daherkommt oder wie von einem Kind bemalt wirkt“, sagt Kathrin Flügel, „immer hat sich jemand Mühe gemacht und dabei an andere gedacht.“

Sie hat am Sonntag einen ihrer Steine vor dem Café auf Wolmirstedts Zentralem Platz abgelegt und schon am Montag hatte ihn jemand gefunden und das Bild gepostet, eine Freundin gar, die ihn ihrerseits in Magdeburg auswildern will. Kathrin Flügel wünscht ihm Gute Reise.