Wolmirstedt l Wieder hat ein Geschäft in der Wolmirstedter Innenstadt geschlossen. Der Laden, in dem bis zum Jahresende unter dem Titel „Mega-Foto“ noch Bilder angeboten wurden, steht nun leer. Die Möbel wurden ausgeräumt, eine Jalousie versperrt den Blick ins Schaufenster. Niemand macht viel Aufhebens darum, leere Geschäfte prägen das Stadtbild längst.

Wolmirstedt steht damit nicht allein. Internet-Handel sowie Einkaufzentren am Stadtrand machen es den kleinen Händlern in Innenstädten fast überall schwer. Wolmirstedt punktet zudem mit der Nähe zur Landeshauptstadt. Das ist günstig für die Bürger, die schnell den Weg in die sachsen-anhaltinische Metropole finden, stellt kleine Händler hier jedoch vor besondere Herausforderungen.

Vor fünf Jahren wurde ein Stadtentwicklungskonzept erarbeitet. Darin ist festgeschrieben, an welchen Stellen sich die Stadt bis ins Jahr 2030 entwickeln könne. Mit Hinblick auf die Innenstadt ist darin empfohlen, ein aktives Geschäftsstraßenmanagement zu betreiben, den Einkaufs-standort Wolmirstedt aktiv zu vermarkten. In diesem Punkt ist der Handlungsspielraum der Verwaltung jedoch sehr begrenzt.

Bilder

Stadt hat wenig Handlungsspielraum

Die Häuser gehören Privatbesitzern, wer ein Geschäft eröffnen oder schließen möchte, tut das aus freien Stücken. Die Verwaltung kann lediglich als Vermittler auftreten, Interessenten und Anbieter zueinander führen. Die Mietpreise und sonstigen Bedingen werden jedoch ausschließlich zwischen Vermieter und Mieter ausgehandelt. Groß scheint das Interesse Gewerbetreibender derzeit nicht zu sein, in manchen Geschäften hängen schon sehr lange Schilder, auf denen entweder „zu vermieten“ oder „zu verkaufen“ steht.

Weiterhin wurde im Stadtentwicklungskonzept festgestellt, dass sogenannte Magnetbetriebe fehlen. Das sind Handelseinrichtungen, die entweder aufgrund ihrer Marke oder ihres breiten Sortiments Anziehungskraft ausüben. Der Drogeriemarkt Rossmann gilt als Magnetgeschäft, die Filiale ist tatsächlich gut frequentiert. Ob dieser Markt noch lange in der Fußgängerzone zu finden sein wird, darf getrost bezweifelt werden. Im zweiten Quartal 2020 wird die neue Filiale in der Julius-Bremer-Straße eröffnet. Der Neubau schießt derzeit gewaltig in die Höhe, wird mit Parkplätzen sowie einer Zu- und Ausfahrt ergänzt.

Weiterhin wird statt eines neuen „Magnetbetriebes“ innerhalb der Innenstadt der Lidl-Markt am Kreisel Samsweger Straße gebaut. Das ist zwar ein Ersatz für den bereits vorhandenen Discounter und somit kein zusätzlicher Markt, wird aber kaum mehr Menschen in die Fußgängerzone locken.

Aktionen sollen Innenstadt beleben

Bleibt also noch, mit Aktionen auf die Wolmirstedter Innenstadt aufmerksam zu machen, eine Aktion ist für den 3. Oktober geplant. Anlässlich des Jubiläums „30 Jahre Mauerfall“ organisiert die Stadt ein Straßenfest. „Das wollen wir unbedingt gemeinsam mit den Händlern gestalten“, sagt Erika Tholotowsky, die im Rathaus unter anderem für Kultur zuständig ist.

Dafür ist sie bereits mit der Interessengemeinschaft Innenstadt im Gespräch. Darin sind Händler, Dienstleister, aber auch Wohnungsunternehmen vertreten. Die IG Innenstadt will sich am besagten Straßenfest beteiligen, macht aber auch mit anderen Aktionen auf sich aufmerksam, zuletzt mit einem Adventskalender. Der kam als hübsch gestaltetes Heftchen daher und versprach an jedem Tag eine andere Aktion. „Im nächsten Jahr wird es eine Wiederauflage geben“, sagt Apothekerin Heike Fuldner-Moser, stellvertretende Vorsitzende der IG Innenstadt. Auch die Aktion „Wolmirstedt denkt um“ wird fortgeführt. Die setzt vor allem auf nachhaltige und fair produzierte Waren. Auch an den „Kulturmagneten“, der neuen Art des Stadtfestes, will sich die IG Innenstadt beteiligen. Heike Fuldner-Moser sagt: „Wir müssen sehen, wo es für uns passt.“