Landkreis Börde

Mühlenverein hätte 30-jähriges gehabt

In diesen Tagen weht ein eisiger Wind durch die Elbe-Heide Region.

Von Von Lars Koch

Colbitz l Der wäre sicherlich auch stark genug, um das große Flügelkreuz der Bockwindmühle Lindhorst in Bewegung zu setzen. Doch dort dreht sich seit Corona kein Rad mehr. „Eigentlich ist es zum Verzweifeln. Es geht mittlerweile gar nichts mehr und mit etwas Vernunft und gutem Hygiene-Konzept hätte man sicher die eine oder andere Veranstaltung über die Bühne bringen können.“ Der das sagt, David Bahrendt, ist seines Zeichens Bäckermeister in Colbitz, Mitglied im Verein zur Erhaltung der Bockwindmühle Lindhorst e.v. und eben auch der Bäcker, der regelmäßig im Bachhaus der Bockwindmühle Lindhorst bei Festen und Feiertagen am Ofen stand. „Hast du Brot, hast du keine Not“, steht in großen Lettern über dem Ofen geschrieben, „Not haben wir auch nicht, als Bäckerei haben wir auch mit Corona gut zu tun, gegessen wird ja trotzdem. Aber es ist einfach schade, dass nichts mehr passiert und klar, der Verein kann jeden Euro, der mit den Veranstaltungen rund um die Mühle verdient wird, gut gebrauchen“, so Bahrendt.

Die Bockwindmühle Lindhorst, so wie man sie jetzt kennt, stammt wohl aus dem Jahr 1861, wobei der Hausbaum, der dicke Stamm, auf welchem das ganze Konstrukt in seinem Bockgerüst steht, und auch der Hammerbalken nachweislich älter sind. Nachweislich in Betrieb war sie noch bis wenigstens 1923, doch mit dem Einzug von Motormühlen wurde der Betreib von Windmühlen immer uninteressanter. Das galt auch für die Bockwindmühle in Lindhorst, die mit der Zeit immer mehr verfiel und erst 1990 wieder Schlagzeilen macht. „Die Mühle sollte damals verkauft und abgebaut werden“, erinnert sich Friedhelm Sienholz. Also wurde ein Verein gegründet, die Mühle sollte als technisches Denkmal erhalten werden. Im selben Jahr wurde dann auch der heute noch bestehende „Verein zur Erhaltung der Bockwindmühle Lindhorst e.V.“, dessen Vorsitzender Sienholz ist, gegründet.

„Im vergangenen Jahr hätten wir 30jähriges Vereinsjubiläum gehabt und das sollte eigentlich mit Freunden, unseren vielen Helfern, ohne die so manches hier niemals umgesetzt worden wäre, und natürlich mit der ganzen Region hier gefeiert werden.“

Doch auch bei der Windmühle dreht sich seit Corona nichts mehr. „Die Vereinsaktivitäten sind lahmgelegt“, bedauert Sienholz. Normalerweise sind Himmelfahrt, Pfingstmontag als Mühlentag und der Heidefestsamstag absolute Höhepunkte an der Bockwindmühle Lindhorst. „Wir haben dann hier gut und gerne 1000 Besucher und mehr“, erinnert sich Sienholz schon ein wenig wehmütig an die vergangenen Jahre.

auch das Geld von Veranstaltungen fehlt Allerdings schaut er trotz allem zuversichtlich in die Zukunft. „Das Jahr ohne Veranstaltungen hat unseren Mitglieder, und das sind immerhin fast 100 Leute, auch mal Zeit gegeben zum Durchschnaufen.“ Es waren ja nicht nur die Feste, auch viele Arbeitseinsätze, Stunden ohne Ende und das auch alles ehrenamtlich, was in und um die Mühle geleistet wurde. „Klar, auch das Geld fehlt“, auch wenn demnächst keine größeren Ausgaben anstehen. „Im Moment haben wir nur die laufenden Kosten, was aber überschaubar ist“, doch zum Beispiel einmal rundum die Flügel, die etwa 30 Tonnen wiegen, „da sind schnell mal 30000 Euro weg, da sowas nur noch von Spezialfirmen gefertigt werden kann und das eben seinen Preis hat“, klärt Sienholz auf. Er ist auch einer der wenigen, der in der Mühle noch zum „Schaumahlen“ einladen kann, dafür eigens einen Schein als Windmüller gemacht hat. „Das is, wie beim Pkw-Führerschein. Wenn du den hast, kannst du eigentlich jeden Pkw fahren.“ Bei Mühlen hat jede ihre Eigenheiten, zudem ist viel Pflege notwendig, wenn die Mühle lange steht. Das Holz trocknet, es lockert sich etwas. Bevor sich da der Mühlstein das erste Mal drehen kann und darf, ohne das ein Risko besteht, braucht es intensive Wartungsstunden. In diesem Jahr stehen zumindest eine Termine im Veranstaltunskalender der Mühle. Der nächste ist der Mahl- und Backtag am 24. Mai, dem Pfingstmontag, „und wir hoffen, dass er stattfinden kann.“