Wolmirstedt l Unter den rund 20 Besuchern des Cafés am Mittwoch waren auch Nachfahren zweier Bäcker, nämlich solche der Bäcker Ulrich und Knäbel. Zu letzterer tauchen in den Archivunterlagen des Museums gleich zwei Schreibweisen auf, Knaebel und Knäbel.

Museumsleiterin Annette Pilz eröffnete das Café mit einem Vortrag, bei dem sie zahlreiche Anzeigen und Texte aus dem Archiv des Allgemeinen Anzeigers gesammelt hatte. Von Anzeigen zu Sonderverkäufen über Lehrlingsgesuche bis hin zu bissigen Auseinandersetzungen zwischen den Bäckern, was die Gewichte ihrer Brote anging, fanden die Gäste reichlich Wissenswertes und Amüsantes.

Karl Ulrich, als Nachfahre einer der Bäckerfamilien, gab nach dem Ende von Annette Pilz‘ Vortrag noch einige Details aus seiner Familiengeschichte zum Besten. „Zurückverfolgen kann ich die Bäckerei in der Familie bis ins 19. Jahrhundert, als Bäckermeister August Ulrich die Bäckerei seines kinderlosen Onkels Oscar Hamann gekauft hat“, sagt er.

Bilder

Aus dem Café im Museum entwickelte sich eine rege Diskussionsrunde, bei der Bilder, Stammbäume und gesammelte Informationen auf kleinen Schautafeln machten die Runde. Erinnerungen an Feste und Erlebnisse mit den Bäckern kamen zur Sprache, auch die Bilder waren eine stete Quelle des Austauschs. „Ich kannte ihre Mutti noch“, erzählte eine der Besucherinnen einer Nachfahren der Ulrich-Bäcker. Genauso wie auf dem Foto, das beide in der Hand hielten, habe sie ausgesehen.

Am anderen Tischende saß Karl Ulrich mit weiteren Gästen über historische Bilder gebeugt und ordnete zu. „Wussten Sie, dass die Bäcker auch Feuermelder waren? Mit großen Hörnern haben sie in der Nacht gegenseitig Alarm geschlagen, wenn sie einen Brand entdeckt haben“, erklärte er auch noch. Er selbst habe als Kind noch Brote im Auftrag der russischen Soldaten gekauft, die mit ihren Zügen oft tagelang am Wolmirstedter Bahnhof standen. „Natürlich bei meinem Onkel in der Bäckerei“, sagte er schmunzelnd.