Rückkehr der Natur

Der Hägebach, der als Flächennaturdenkmal unter Schutz gestellt ist, befindet sich im Norden von Samswegen.

Das Projektgebiet umfasst 25 Hektar, die im Eigentum des Landkreises Börde sind.

Seit 2015 weiden Heckrinder ganzjährig auf einer Fläche von 20 Hektar.

Um den Erfolg der Renaturierung des Gebietes einschätzen zu können und die Bestandentwicklung einzelner Arten bewerten zu können, wurde 2017 erstmals die am am Hägebch vorkommenden Tagfalter detailliert erfasst.

Samswegen l Sie kneift das linke Auge zusammen und zeigt mi dem Finger auf eine Distel. „Da, ein Kleiner Perlmuttfalter“, sagt Susen Schiedewitz. Der Schmetterling breitet seine gepunkteten Flügel aus. Daneben spinnt eine Wespenspinne an ihrem Netz. Ein Zitronenfalter flattert vorbei. Seit einem Jahr pirscht die Ökologin fast jeden Tag durch das Gebiet – und hat Arten gefunden, die sich am Flurgebiet um die Hägebachaue wieder wohlfühlen.

An ihrer Freude will die selbstständige Ökologin nun auch Interessierte teilhaben lassen. Bei einer Exkursion am Sonntag, 22. Juli, nimmt sie die Teilnehmer ein bis zwei Stunden mit in das Landschaftsschutzgebiet. „Ich möchte den Menschen zeigen, welche Faszination direkt vor ihrer Tür liegt“, sagt Susen Schiedewitz, die auch Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu) ist. Das Gebiet ist sonst abgesperrt, Naturfreunde erhalten also einen seltenen Blick in die Flora und Fauna von Samswegen.

Und genau die hat sich in den vergangenen Jahren sehr gewandelt. Die Renaturierung am Hägebach trägt Früchte. Im vergangenen Jahr begann Susen Schiedewitz mit einer detaillierten Erfassung der Falter. Seitdem hat sie 38 Schmetterlingsarten gefunden – sieben davon stehen auf der Roten Liste und sind damit vom Aussterben bedroht. „Es sind sogar Sumpfschmetterlinge dabei, die eigentlich nur in Moorgebieten vorkommen“, erzählt die Ökologin.

Bilder

Alle Strecken abgelaufen

Für die Erfassung hat sie sich wöchentlich abgegrenzte Gebiete vorgenommen, die sie abgelaufen ist. Sieht sie einen Falter, schießt sie ein Bild, bestimmt die Art und vervollständigt eine Artenliste, die sie immer dabei hat. „Im Jahr 2017 hatten wir auf dem Gebiet etwa 1400 Schmetterlinge“, erzählt sie. Inzwischen sind es wahrscheinlich noch mehr. Anfang des Jahres hat sie ebenfalls mit der Erfassung der Libellenarten begonnen – inzwischen kennt sie Ökologin wohl jeden Grashalm in dem 25 Hektar großen Naturschutzgebiet.

Seit einigen Jahren ist der Hägebach wieder ein rein natürliches Gebiet. Nicht nur Falter siedeln sich hier an, auch Orchideenarten kehren zurück in den Samsweger Norden. Susen Schiedewitz hat vor einigen Jahren ein Pflegekonzept für das Wiesenareal erstellt und begutachtet seitdem regelmäßig, wie sich das Projekt entwickelt.

Mit der Exkursion erhofft sich Susen Schiedewitz mehr Verständnis für das Projekt am Hägebach. Die Idee kam ihr, als sie inmitten eines Faltermeeres stand. „Um mich herum war nur Geflatter und ich dachte mir: Das müssen die Menschen sehen“, schwärmt die Schmetterlingshüterin.

Die Exkursion findet am Sonntag, 22. Juli, statt. Treff ist um 10 Uhr am Friedhof in Samswegen. Teilnehmer sollten Kamera oder Fernglas mitbringen und lange Hosen tragen. Außerdem sind Sonnenschutz und Trinkwasser wichtig.