Samswegen l Nördlich von Samswegen erstreckt sich ein Paradies. So zumindest bezeichnet Susen Schiedewitz das Flurgebiet um die Samsweger Hägebachaue. Die selbstständige Ökologin und Mitglied des Nabu kennt sich hier aus wie in ihrer Westentasche, hat sie doch vor einigen Jahren ein Pflegekonzept für das Wiesenareal erstellt und begutachtet seitdem regelmäßig, wie sich das Projekt entwickelt.

Dieses Mal hatte sie bei ihrer Begehung reichlich Begleitung. Neben anderen Mitgliedern des Nabu waren auch Vertreter des Landkreises Börde und der Partei Bündnis 90/Die Grünen vor Ort, um sich ein Bild von den Naturschutzmaßnahmen zu machen. Zu ihnen hat sich auch Steffi Lemke, Bundestagsabgeordnete der Grünen, gesellt.

Die Dessauerin zeigte sich erfreut, dass der Naturschutz hier Hand in Hand mit dem Landkreis vonstatten geht. „Das hat man leider viel zu selten“, bedauert Steffi Lemke. Denn das rund 30 Hektar große Areal nördlich von Samswegen ist im Besitz des Landkreises Börde, der die Wiesen unter Naturschutz gestellt hat.

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Einst hat sich hier ein Moor erstreckt, welches von Menschenhand, unter anderem aufgrund von Torfabbau, zum Teil trockengelegt wurde. „Wir brauchen aber wieder mehr Moore“, sagt Steffi Lemke und schiebt den Grund dafür gleich hinterher: „Sie zählen zu den artenreichsten Biotopen“. In Samswegen ist man auf dem besten Weg, dahin zurückzukehren. Auch wenn dazu Maßnahmen getroffen werden mussten, die zunächst alles andere als den Eindruck von Naturschutz wecken, wie Jörg Brämer erklärt: „Wir haben hier einige Erlen beseitigt. Da kamen Anwohner zu uns und fragten: ‚Ihr wollt Naturschützer sein?‘“

Der Vorsitzende des Nabu Barleben begründet diesen Eingriff jedoch wie folgt: „Die Blumen und Gräser hier brauchen viel Sonne und eine gute Luftzirkulation. Das wurde von den Bäumen verhindert.“

Und tasächlich zeigen sich bereits Erfolge durch die Maßnahme. Eine Pflanzenart, die hier kurz vor dem Aussterben war, reckt wieder ihre violetten Blüten zwsichen den Gräsern und anderen Blumen in die Höhe: die Orchidee.

Artenvielfalt steigt wieder

Weiterhin wurde 2015 ein Beweidungsprojekt mit Heckrindern gestartet. Zwölf Exemplare der Auerochsen ähnelnden Rinderrasse bewohnen ein 17 Hektar großes, eingehegtes Areal um die Hägebachaue. Indem sie auf dem Gebiet umherstreifen und mit ihrem Kot Samen verteilen, tragen sie maßgeblich zur Verbreitung von Saatgut bei und weiden zudem die Gräser ab. Für die menschlichen Besucher ließen sich die scheuen Tiere jedoch nur kurz aus der Ferne zwischen den Bäumen erblicken.

Ein weiteres Tier, welches sich in dem Feuchtgebiet wohlfühlt, ist der Biber. Mehrere Staudämme entlang des Hägebachs zeugen von seinem Wirken. Auch diese helfen dabei, dass die Gegend durch das gestaute Wasser wieder feuchter wird und sein ehemaliges Antlitz zurückgewinnt.

Und nicht zuletzt kommt das Saatgut auch anderen Gebieten zugute. Durch sogenannte Mahdgutübertragung wurden einige Pflanzen der Hägebachaue auch im Technologiepark Ostfalen in Barleben angesiedelt. Diesen hatte die Gruppe ebenfalls besucht und eine steigende Artenvielfalt festgestellt. Zusätzlich stand die Besichtigung des Deiches zwischen Wolmirstedt und Glindenberg auf dem Programm.

„Es ist wichtig, gar existenziell für uns, wie die Gesellschaft mit solchen Naturflächen umgeht. Deshalb ist es schön zu sehen, welche Anstrengungen hier für den Naturschutz unternommen werden“, resümiert Steffi Lemke. Bei solchen Terminen merke sie auch immer, wie wichtig den Menschen ein solches Naturerlebnis ist. „Deshalb müssen wir alles dafür tun, die Erhabenheit von Orten wie diesen zu bewahren.“