Wolmirstedt l Das Bodelschwingh-Haus hatte das Bahnhofsgebäude im Juni diesen Jahres für 74 000 Euro ersteigert. „Im März legen wir ein konkretes Nutzungskonzept vor“, sagt Swen Pazina, Vorstand des Bodelschwingh-Hauses.

Die mögliche Übernahme der Bibliothek durch das Bodelschwingh-Haus ist bereits im Maßnahmeplan zur Haushaltskonsolidierung unter Punkt 29 aufgeführt. Welche finanziellen Vorteile dem Stadthaushalt durch das Engagement des Bodelschwingh-Hauses entstehen können, ist noch nicht bekannt. „Die Gespräche mit dem Bürgermeister laufen noch“, sagt Swen Pazina.

Nach derzeitigen Vorstellungen des Bodelschwingh-Hauses könnte die Bibliothek in die obere Etage des Bahnhofes einziehen. „Wir betreiben in der evangelischen Fachschule ebenfalls eine Bibliothek, die könnten wir dort integrieren“, sagt Swen Pazina. Weiterhin soll im Bahnhofsgebäude ein Café und möglichst auch ein Repair-Café betrieben werden, sodass Leseratten, Kuchenfreunde sowie Menschen, die Geräte reparieren lassen wollen, dort gleichermaßen einen Anlaufpunkt und Ort zum Verweilen finden. „Im Café können sogar Menschen mit Behinderungen arbeiten“, blickt Swen Pazina in die Zukunft.

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Die Mitarbeiterinnen der Bibliothek sollen nach derzeitigen Vorstellungen auch nach einem Umzug in das Bahnhofsgebäude kommunale Angestellte bleiben, sodass der Stadt lediglich die Raumkosten für das derzeit genutzte Haus auf der Schlossdomäne entfallen.

Bibliotheksleiterin Bastienne Schröter hofft seit Jahren auf mehr Platz für die Bücher und zusätzlichen Raum für Veranstaltungen, ist aber mit den Plänen des Bodelschwingh-Hauses noch nicht betraut.

Übernahme des Bürgerhauses

Auch die Zukunft des Bürgerhauses könnte in die Hände des Bodelschwingh-Hauses fallen. Nach derzeitigem Stand sollen dem jetzigen Betreiber, dem „Schranke-Verein“, ab 2016 laut Haushaltsplan nicht mehr 20 000 Euro als Zuschüsse für die Vereinsarbeit zur Verfügung stehen, sondern 5000 Euro weniger. Die Verhandlungen darüber sind zwischen Stadt und Schranke-Verein jedoch noch nicht abgeschlossen, bestätigt Schranke-Vereinsvorsitzender Wolfgang Buschner auf Volksstimme-Nachfrage.

„Die Frage ist, wie lange kann sich die Stadt auch diese Zuschüsse noch leisten“, sagt Swen Pazina. Für das Bodelschwingh-Haus sieht er gute Chancen, dieses Haus kostendeckend zu betreiben, da die Verwaltungsstrukturen des Bodeslchwingh-Hauses ausreichen würden, das Bürgerhaus mitzuverwalten. „Uns liegt außerdem sehr viel daran, kleine soziale Projekte vor Ort zu initiieren“, sagt der Bodelschwingh-Haus-Vorstand.

Stadtwerke als Schwimmbad-Träger

Im Zuge des Haushaltskonsolidierungskonzeptes wird auch über die Zukunft des Schwimmbades nachgedacht. Derzeit laufen Gespräche darüber, ob die Stadtwerke als Träger für das Objekt in Frage kommen. Das wurde am Donnerstagabend im Finanzausschuss deutlich. Die Ergebnisse sind noch offen.

Die laufenden Gespräche zwischen der Stadt, den Stadtwerken und dem Bodelschwingh-Haus zeigen, wie prekär die Haushaltslage Wolmirstedts für die Zukunft eingeschätzt wird. Offenbar zwingt die finanzielle Lage dazu, nun auch heiligen Kühe wie Bibliothek oder Schwimmbad zu schlachten. Der Haushalt weist sowohl 2015 als auch 2016 ein Loch von rund 1,4 Millionen Euro auf, das in den kommenden Jahren wegen sinkender Landeszuweisungen, steigender Kreisumlage und höheren Kosten für die Kita-Betreuung eher größer zu werden droht. Die Kommunalaufsicht fordert, die freiwilligen Leistungen von derzeit 6 Prozent des Verwaltungshaushalts auf zwei Prozent zu senken. Sparversuche, wie Kürzungen der Vereinszuschüsse, sind auf dem Weg dahin offenbar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.