Kühnels wollen mit ihrem Wissen auch anderen Eltern helfen

Neue Therapie hilft Dreijährigem, denn Adrian ist ein Kämpfer

Von Marita Bullmann

Bartensleben l Michaela und Torsten Kühnel sind glücklich. Das Seminar, das Torsten Kühnel in Pisa absolviert hat, gibt ihnen neue Hoffnung, dass sie ihrem hirnverletzten Sohn Adrian zu immer mehr eigenständigem Leben verhelfen können. Das Team der integrativen Kindertagesstätte "Spatzennest" Beendorf unterstützt die Eltern.

Auf dem Spendenkonto des Paritätischen (Volksstimme berichtete) sind für Adrian so viele Spenden eingegangen, dass damit die Fortführung der Therapie gesichert ist, denn in einem halben Jahr müssen die Eltern mit ihrem Sohn in die USA fliegen, um ihn in dem Doman-Institut vorzustellen und weitere Anleitungen zu erhalten. "Wir sind allen, die uns bisher geholfen haben, so unendlich dankbar", sagen Michaela und Torsten Kühnel und die Tränen sitzen ganz locker, weil sie mit soviel Anteilnahme nicht gerechnet haben.

Torsten Kühnel hat so viele neue Eindrücke mitgebracht und vor allem die Bestätigung, dass sie bisher mit ihrem Sohn alles richtig gemacht haben - im Sinne der Therapie. Denn sie haben die Ernährung auf Naturkost und glutenfrei umgestellt und Medikamente immer mehr reduziert. Torsten Kühnel hat in der Kindertagesstätte "Spatzennest" die Grundzüge der Therapie des Amerikaners Glenn Doman vorgestellt. Der Physiotherapeut hat lange bei einem Gehirnchirurgen gearbeitet und davon ausgehend seine spezielle Vorgehensweise bei hirnverletzten Kindern aufgebaut, die eigentlich aus verschiedenen Therapien besteht. Sein Konzept kann ebenso bei Kindern mit anderen Schädigungen angewandt werden, zum Beispiel bei ADHS, Epilepsie und auch bei blinden und gehörlosen Kindern. Mit ihren Erfahrungen wollen Michaela und Torsten Kühnel gern auch anderen betroffenen Eltern helfen. Auf der Internetseite www.fuer-adrian.de geben sie deshalb auch einen Einblick, und sie sind auch zu Gesprächen bereit.

"Wir sind allen, die uns geholfen haben, so unendlich dankbar"

Ständig zu wiederholende Bewegungsabläufe sollen dazu führen, dass die Kinder beispielsweise kriechen, krabbeln und sogar laufen lernen. Blockaden müssen gelöst werden. Vorhandene Nervenzellen vernetzen sich und übernehmen die Aufgabe von toten Zellen, hatte Torsten Kühnel in dem Seminar erfahren.

Seit einigen Tagen gibt es nun täglich zwei Trainingseinheiten in der Kita, wobei jeweils eine Mitarbeiterin, Physio- oder Ergotherapeutin die Eltern unterstützen, denn drei Personen werden für diese Übungen gebraucht. Im März soll noch eine weitere Einheit dazukommen jeweils von 17 bis 17.45 Uhr zu Hause. Dafür brauchen Kühnels aber noch eine Helferin oder einen Helfer. "Es sind ganz einfache Handgriffe", versichert Adrians Mutter.

Ganz glücklich ist sie, dass Adrian sogar schon einen ganz kleinen Erfolg zu verzeichnen hat. Auf der schiefen Ebene, die zum Kriechen animieren soll, hat es der Dreijährige geschafft, den Arm unter dem Körper hervorzuziehen. Das ist der erste Schritt, um vorwärts zu kommen. "Adrian ist ein Kämpfer", sagt seine Mutter zuversichtlich.