Ebendorf l Vor der Lotto-Annahmestelle in Ebendorf herrscht am Sonnabendvormittag reges Treiben. Ein Pavillon ist aufgebaut, Sekt und Saft werden gereicht und vor dem Laden hat sich bereits eine Menschenschlange gebildet. Darunter sind Einwohner aber auch Philatelisten. Die meisten von ihnen wollen heute drei ganz bestimmte Dinge haben: Briefmarken, Postkarten und einen Sonderstempel. Die bei Sammlern begehrten Objekte zeigen Motive aus Ebendorf und wurden extra zum 1055. Geburtstag des Ortes herausgebracht.

Marke mit Porträt möglich

Drahtzieher dieser Aktion ist Ortsbürgermeister Manfred Behrens (CDU). „Eigentlich hatten wir ja im August vor, den Ebendorfer Geburtstag sowie die Jubiläen unserer Vereine zu feiern. Wegen der Pandemie ist daraus nichts geworden. Eine Idee musste her“, erklärt der Politiker. Bei einem Treffen mit dem Präsidenten des Bundes Deutscher Philatelisten, Alfred Schmidt, über eine geplante Ausstellung mit historischen Postkarten in Ebendorf sei der Gedanke über die Herausgabe eines Postwertzeichens und der des Sonderstempels gereift.

„Das kann eigentlich jeder machen. Als Privatperson kann beispielsweise das Porträt an die Deutsche Post eingeschickt werden. Zu bezahlen ist dann der Gesamtwert der bestellten Marken plus die Druckkosten“, erklärt der Chef der organisierten Briefmarkensammler.

Bilder

Große Zustimmung

Diese Idee hatte der Ortsbürgermeister den Teilnehmern des Ebendorfer Vereinsstammtisches vorgestellt. „Das stieß auf Zustimmung. Alle fanden das gut. So haben wir uns für dieses Format zum Dorfgeburtstag entschlossen“, sagt Manfred Behrens. Während die Kosten für den Sonderstempel die Gemeinde stemmte, haben die Vereine die Mittel für Postkarte, Briefmarke und einen Anstecker bereitgestellt. Für Letztere hat der örtliche Kultur- und Geschichtsverein die Verantwortung übernommen, wobei die Hälfte der Kosten über Sponsoren eingespielt wurden. Letztlich hat der Verein nur vorfinanziert. Der Großteil der Kosten soll ja über den Verkauf der Postwertzeichen wieder eingespielt werden.

In seiner Begrüßungsrede dankt Manfred Behrens den Sponsoren für ihren Beitrag und auch Bürgermeister Frank Nase (CDU) für den geleisteten Gemeindeanteil. Außerdem stellt er die nachträgliche Feier zum Jubiläum für den 12. und 13. Juni kommenden Jahres in Aussicht. Nicht nur Ebendorf hatte Geburtstag. Der örtliche Carnevals-Club wurde 40 Jahre alt, der Kultur- und Geschichtsverein, der Schützenverein sowie der Hundesportverein haben sind 20 Jahren alt geworden, während der Kinderförderverein fünf Jahre als geworden ist.

Ferner verweist der Ortschef auf bekannte Ebendorfer Gebäude wie die Kirche oder das Kriegerdenkmal, die auf der Postkarten verewigt sind. Auf der Briefmarke ist das Logo zum Jubiläum zu sehen mit Kirche, Orts- und Vereinswappen sowie dem für Ebendorf bekannten Baum, die Robinie. Die ist aktuell nicht mehr im Ort zu finden, weil sie vor zwei Jahren während eines Sturms zerstört worden war. Doch verspricht Manfred Behrens, den Ebendorfer Wappenbaum im nächsten Jahr neu pflanzen zu wollen.

Im Anschluss an die Begrüßung lädt der Ortsbürgermeister dazu ein, gemeinsam eine ganz besondere Postkarte in den gelben Kasten zu stecken. Mit dabei ist sein Stellvertreter Marcel Leon, der Vorsitzende des Kultur- und Geschichtsvereins, Michael Oeltze, Philatelist Alfred Schmidt und Frank Nase. Denn nicht nur, dass die bunte Karte bereits mit dem Ebendorfer Postwertzeichen frankiert ist und den Sonderstempel erhalten soll. Sie ist zudem an den Ortsvorsteher von Ebendorf in Österreich adressiert. „Ein Gruß aus Deutschland“, sagt Manfred Behrens mit einem Augenzwinkern.

Unterdessen zeigt sich der Philatelisten-Präsident angetan von dem sichtlich großen Zuspruch an der Aktion. „Das ist ein guter Werbeeffekt für den Ort“, stellt Alfred Schmidt fest. Seine Erfahrungen zeigten, dass auf dem Lande ein großes Interesse an derartigen Aktionen herrsche. „Die Begeisterung in der Fläche ist immer da.“ Dass die Marken für Sammler wegen einer mutmaßlichen Wertsteigerung interessant sein könnten, glaubt er indes nicht. „Die Leute kaufen die Postwertzeichen nicht wegen der Wertentwicklung, sondern als Souvenir. Das ist doch die schönste Wertschätzung.“

Für Sonderstempel Zeit bis 29. Oktober

Anders könnte es in ferner Zukunft bei den Postkarten aussehen. Für historische Ansichten würden teils hohe Summen bezahlt. So ist die Postkarte auch für Philatelisten interessant – samt der Jubiläumsbriefmarke und Sonderstempel. Sammler haben noch bis zum Donnerstag, 29. Oktober, Zeit, eine Postkarte in Ebendorf zu kaufen, diese zu frankieren und im Lotto-Geschäft abzugeben. „Am besten an die eigene Adresse schicken. Die Karte wird dann wenige Tage später mit Stempel im Briefkasten liegen“, führt Michael Oeltze aus. „Wir als Verein sind stolz darauf, dass Ebendorf erstmals Briefmarken und Sonderstempel erhalten hat“, fügt der Kulturvereinschef hinzu.

Auch im nächsten Jahr will Ebendorf Anlaufpunkt von Philatelisten und Souvenirjägern werden. Laut Manfred Behrens soll die bereits erwähnte Ausstellung historischer Postkarten Besucher aus der gesamten Region anlocken. Ein Termin soll rechtzeitig bekannt gegeben werden – sofern die Pandemie nicht in die Pläne funkt.