Wolmirstedt l Es wird wieder einen bronzenen Gerber geben. Zumindest nach dem Willen des Hauptausschusses. Der hat sich nach zäher Debatte entschieden, die Plastik in der selben Größe wieder aufstellen zu lassen. Ein wichtiger Entscheidungsfaktor war die Zeit.

Der überraschende Gewinnüberschuss der Stadtwerke muss noch in diesem Jahr ausgegeben werden, deshalb hatte der Hauptausschuss ein Interesse, die 127.000 Euro auf konkrete Projekte zu verteilen.

Ausführlich wurde das Pro und Kontra für einen neuen Gerberbrunnen beraten. Nach einem aktuellen Angebot des Künstlers wäre ein Neuguss günstiger, als bisher angenommen, statt mit 55.000 Euro ist nur noch mit fast 52.000 Euro zu rechnen. Darin enthalten sind bereits gut 2000 Euro für den Wirtschaftshof, der unter anderem das Wasser neu anschließen muss. Die Versicherung übernimmt 30.000 Euro, soviel hat der Gerberbrunnen vor über zehn Jahren gekostet.

Versicherung zahlt nur 22.000

Trotzdem: Rüdiger Lautner (Linke) mochte sich mit dem Preis von 52.000 Euro für eine neue Plastik nicht anfreunden, auch wenn die Stadt „nur“ die Differenz zur Versicherungssumme von 22 000 Euro übernehmen muss. Er hätte gern anderen Künstlern die Gelegenheit gegeben, ihre Vorstellungen kundzutun, zu einem günstigeren Preis.

Eine öffentliche Ausschreibung anzukurbeln, lehnt Bürgermeisterin Marlies Cassuhn (parteilos) jedoch vehement ab. Sie sieht die Verwaltung nicht in der Lage, die Leistungsbeschreibung so schnell zu verfassen, dass noch in diesem Jahr mit einem Ergebnis der Ausschreibung zu rechnen ist. „Wir müssten erst einmal festlegen, was wir wollen“, erklärte sie. Diese Vorstellungen wären vom Stadtrat abzusegnen und das gesamte Prozedere wäre in diesem Jahr nicht mehr zu schaffen. Diese Meinung teilten die Hauptausschussmitglieder.

Sie bekannten sich letztlich dazu, die Bronzeplastik in der selben Größe zu ersetzen, wie sie bis zur Sprengung durch Unbekannte im März auf der Schlossdomäne gestanden hat. Der Gerber stehe für eine lange Tradition in Wolmirstedt, machte Uwe Claus (CDU) sinngemäß deutlich, er habe selbst noch die Existenz zweier Lederfabriken erlebt. „Der Gerber ist ein starker Identifikationspunkt, so wie die Seilscheibe für den Kalibergbau steht.“

Auch Rudolf Giersch (FUWG) drängte auf eine Lösung. „Wir sollten die unendliche Diskussion lassen, sonst steht dort am Ende tatsächlich ein Gartenzwerg.“

Gerber symbolisiert Handwerk

Waltraud Wolff (SPD) griff die Idee aus der Bevölkerung auf und brachte die Spendensammlung ins Spiel. Kantorin Stefanie Schneider hatte gegenüber der Volksstimme angeregt, dass Bürger die Differenzsumme geben könnten, weil es den Stadthaushalt entlastet und es damit der Gerberbrunnen der Wolmirstedter würde. Dieser Idee haben sich bereits einige Bürger angeschlossen.

Dazu zählt auch Werner Stadermann. Der Malermeister würde 250 Euro geben, auch, „weil der Gerber das Handwerk symbolisiert.“

Noch gibt es allerdings kein Spendenkonto. Waltraud Wolff beantragte die Verwaltung, eines einzurichten und bekam dafür die Rückendeckung des Hauptausschusses.

Stefanie Schneider freute sich, als sie erfuhr, dass ihre Idee so gut ankam: „Viele Menschen können doch zusammen viel mehr bewirken.“

Ob die Bürger einen neuen Gerberbrunnen möchten, wollte auch die Volksstimme mit einer TED-Umfrage herausfinden. Das Ergebnis wird morgen veröffentlicht.

Gut 47.000 Euro sollen ins Stadion „Glück auf“ im Küchenhorn fließen, um die schlimmsten Schadstellen zu beseitigen. Felix Zietmann (AfD) sah den Sinn in dieser hohen Investitionssumme nicht, weil die Tage des Stadions ohnehin gezählt scheinen. „Es genügt, wenn wir 14.000 Euro in den Brandschutz investieren.“ Dem folgten die anderen Ausschussmitglieder nicht. Sean Winkler (FDP) sieht in der Investition von 47.000 Euro auch ein Signal des Stadtrates für die Sportler.

In der Tat ist unklar, wie es mit dem Stadion weitergeht. Dennoch: Mit dem Stadtwerke-Geld können zum Saisonbeginn 2020 zumindest die größten Schäden beseitigt werden. Über Konkretes wird Ende Oktober mit den Sportlern beraten.

Gar keine Diskussion gab es über den Sonnenschutz für die Kitas „Ohrespatzen“ und „Pusteblume“. Alle Hauptausschussmitglieder stimmten dafür, 55.000 Euro bereitzustellen. Damit soll die Beschattung ersetzt werden, die so marode war, dass sie zu Jahresbeginn entfernt werden musste.

Das letzte Wort der gesamten Debatte gebührt dem Stadtrat. Der tagt Donnerstag, 17. Oktober um 18 Uhr im Ratssaal.