Wolmirstedt l Das neue Schuljah 2019/2020r hat begonnen und die ehemalige Harnisch-Schule ist gut gefüllt. Dort lernen einige Klassen der Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ und des Gymnasiums. Sie sind dorthin ausgelagert: Die Gymnasialklassen, solange ihr Schulhaus saniert wird, die Gutenberg-Gemeinschaftsschulklassen, weil ihr Schulhaus zu voll ist. Die Sanierung des Gymnasiums wird bald beendet sein, wann das Platzproblem in der Gutenberg-Schule gelöst ist, steht weiterhin in den Sternen.

Beide Schulen sind in Trägerschaft des Landkreises Börde. Dem gehört auch das Haus der ehemaligen Harnisch-Schule, das seit dem Auszug der Förderschule lange leer stand. Dass dieses Gebäude noch einmal so sehr benötigt wird, hat wohl niemand geahnt. Für die Gutenberg-Schule wird es wohl noch länger benötigt, denn am Platzproblem ändert auch die Rahmenvereinbarung nichts, die der Landkreis nun vorgelegt hat.

Landkreis hat nicht genug Geld

Immerhin: Darin sind endlich Zahlen vermerkt. Darauf hatten die Stadt und der Kreistag gedrängt, nachdem klar geworden war, dass zwar fünf Jahre lang über den Schultausch und andere Varianten gesprochen wurde, jedoch keiner weiß, welche Kosten damit verbunden sind. Die wurden nun ermittelt. Das Ergebnis zeigt: Ein Schultausch würde den Landkreis finanziell in arge Bedrängnis bringen.

Mindestens 8,6 Millionen Euro müsste der Landkreis aufbringen. Landrat Martin Stichnoth (CDU) sagt im Volksstimme-Gespräch: „So viel Geld haben wir nicht.“ Vor allem, weil derzeit gerade sehr viele Eigenmittel für Stark-III-Programme genutzt werden, um die energetische Sanierung anderer Schulen voranzutreiben.

Platzproblem liegt beim Landkreis

In den 8,6 Millionen Euro für den Schultausch sind Investitionen in das Harnisch-Schulgebäude enthalten, ein Restbuchwert, Nebenkosten wie Grunderwerbssteuer sowie eine Möglichkeit, die Gutenberg-Gemeinschaftsschulkinder während der Umbauphase auf dem Areal der Gutenberg-Schule zu unterrichten. Bauende wäre 2023/24.

Die Stadt Wolmirstedt ist Eigentümerin des Gutenberg-Schulgebäudes in der Meseberger Straße, darin lernen die Grundschüler. Sie hätten eigentlich genug Platz, würde nicht auch die landkreisgeführte Gemeinschaftsschule als Mieter im selben Objekt residieren. „Das Platzproblem hat also der Landkreis“, wiederholt Wolmirstedts Bürgermeisterin Marlies Cassuhn seit Jahren gebetsmühlenartig. Trotzdem ist auch im Wolmirstedter Rathaus klar: Es geht vor allem um Kinder.

Wolmirstedt bietet mehr Geld

Deshalb stand nie außer Frage, dass sich auch Wolmirstedt an den Kosten für einen Schultausch beteiligen wird. 1,1 Millionen sind dafür in den Stadthaushalt eingestellt. Über die neue Rahmenvereinbarung wurde der Stadtrat nichtöffentlich informiert. Im Nachhinein zeigten sich einige Stadträte fassungslos darüber, dass nun zwar Zahlen vorliegen, aber keiner den Schultausch bezahlen kann und es also immer noch keinen Startschuss für eine Lösung gibt. Das spornte zwei Fraktionen an, sich selbst noch einmal an den Tisch setzten. Auch mit dem Stadtfinanzer Marko Kohlrausch.

Der durchforstete noch einmal den Haushalt und sah Möglichkeiten, den städtischen 1,1-Millionen-Betrag aufzustocken. Die SPD/Linke/Grüne-Fraktion möchte dem Landkreis 1,45 Millionen zahlen, damit der Schultausch endlich begonnen wird. „Das sollte das letzte Angebot der Stadt Wolmirstedt sein“, sagt Fraktionsvorsitzende Waltraud Wolff.

Der hat inzwischen eine neue Idee in den Ring geworfen: eine Interimslösung. Die bedeutet, das Harnisch-Schulhaus wird vom Landkreis für etwa 1,5 Millionen Euro renoviert, bleibt im Landkreis-Eigentum und trotzdem zieht die städtische Gutenberg-Grundschule ein, sogar schon zu Beginn des nächsten Schuljahres. Damit gäbe es einen Schultausch, ohne die Gebäude zu tauschen. Das sollte eigentlich vermieden werden, weil damit jede Schule im jeweils anderen Haus Mieter ist.