Wolmirstedt l Die Regionalbereichsbeamten in Wolmirstedt haben die ganze Woche über tüchtig zu tun. „Gerade zu den Sprechzeiten herrscht bei uns Hochkonjunktur“, erzählt Jens Kaulfuß. „Die Leute sind es noch von früher her gewohnt, dass sie bei ihrem Aufenthalt in der Stadt auch bei der Polizei vorstellig werden können.“ Die Bürger stehen zu den Sprechtagen regelrecht an, um ihre Anliegen vorbringen zu können.

„Dabei geht es oft um Anzeigen, Nachfragen und persönliche Angelegenheiten“, sagt Marco Rath. „Allerdings wird auch schon oft das elektronische Revier online genutzt.“ Das ist unter www.polizei-web.sachsen-anhalt.de im Internet zu erreichen und unter dem Punkt „e-revier“ auswählbar. „Dort können Anzeigen gemacht werden“, erklärt Rath. „Wünschenswert wäre hier aber eine ausführlichere Darstellung des jeweiligen Falls durch die Bürger.“

Fahrraddiebstähle

So haben die beiden Polizisten zuletzt eine Meldung mit dem Inhalt „Fahrraddiebstahl“ erhalten, mehr Worte waren nicht enthalten. „Ein wenig genauer darf es schon sein, zumal genug Platz für Text ist“, betont Kaulfuß.

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Fahrraddiebstähle, das Ausspähen von Daten, Inkassobetrug und Internetkriminalität rangieren ganz vorn in der Hitliste der Fälle im Jahr 2019. „Gerade das Internet entwickelt sich auch für die Wolmirstedter zum Tummelplatz für Betrüger“, hebt der Polizist hervor. So hätten sich schon mehrere Bürger gemeldet, die regelrecht erpresst wurden, weil sich Betrüger angeblich über Trojaner auf Rechner eingehackt hätten. Gegen Zahlung von Bitcoin wurde die Löschung von sehr persönlichen Daten angeboten. In anderen Fällen verlangte ein tschechisches Inkassobüro Geldzahlungen oder es wurden Bestellungen über geklaute Daten ausgelöst. Daher verbringen die Beamten selber ein gerüttelt Maß an Zeit vor dem Dienstcomputer.

Dazu kommen Außentermine wie Streifen mit dem Einsatzfahrzeug oder zu Fuß und Kontroll-Einsätze bei Schulen und Kindertagesstätten. „Die Situation rund um das Gymnasium ist immer zu Schulbeginn und -schluss herausfordernd“, erzählt Jens Kaulfuß. „Familienangehörige liefern ihre Kinder dort direkt vor dem Eingang ab.“ Dabei werden von vielen die Verkehrsvorschriften missachtet. Die Beamten verteilen oft genug Knöllchen ohne Ende. „Wir weisen auf die Verfehlungen hin, aber die Zahl der Ordnungswidrigkeiten nimmt einfach nicht ab“, schätzt Marco Rath. „Ein dortiger Feldweg wird zudem gern als Abkürzung genutzt. Wir könnten dort jeden Tag stehen und den Leuten ihre Verfehlungen erklären.“

In einem Fall wurden die Beamten sogar von einem kleinen Mädchen unterstützt, dass die eigene Oma auf ihre Ordnungswidrigkeit hinwies. „Die vielen Ausreden, die wir für das Parken im eingeschränkten Halteverbot erhalten, würden glatt ein Buch füllen und es kommen immer neue hinzu, die großen Einfallsreichtum beweisen“, sagt Rath.

Polizisten als Cowboys

Das Verhältnis zu den Bürgern sei in der Regel freundlich, die Regionalbereichsbeamten sind anerkannt. Da nehmen Autofahrer schon einmal Rücksicht und beobachten amüsiert, wie Polizisten mit drei Streifenwagen drei Schafe in die Enge treiben und wieder einfangen, wie am zurückliegenden Donnerstag. Selbst entlaufende Pferde haben die beiden Polizisten wieder zu ihren Besitzern zurückgebracht.

„Zuletzt sind vermehrt Einbrüche in Einfamilienhäuser verübt worden“, sagt Marco Rath. „Wir beraten die Leute gern in Sicherheitsfragen, wenn sie zu uns kommen.“ Nie werde sich jedoch die Polizei telefonisch bei Bürgern melden, um das anzubieten. Solche Betrugsversuche gab es auch schon.