Irxleben l Mit einem gewaltigen Knall ist am Sonntagmorgen ein Pkw in Irxleben gegen eine Hauswand gekracht. Anwohner wurden jäh aus dem Schlaf gerissen. Mit dem Auto war ein flüchtiger Tankenstellen-Einbrecher unterwegs, der von einem Streifenwagen der Polizei verfolgt wurde. Die Beamten waren gleich zwei Fluchtfahrzeugen auf den Fersen. Auf der Bundesstraße 1 hatten sie zwischen Wellen und Irxleben die Verfolgung aufgenommen. Die Tätern missachteten Haltesignale der Beamten, stattdessen flüchteten beide Fahrzeuge mit stark überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Irxleben.

Verfolgungsjagd entlang der Hauptstraße

In der Ortslage Irxleben prallte eines der Fahrzeuge an die Hauswand, worauf ein Insasse zu Fuß flüchtete. Das war auf der Helmstedter Straße – wie die B 1 hier innerorts heißt. Der Flüchtige bog nicht etwa in die Ringstraße ein, er folgte dem Straßenverlauf und wurde direkt vor dem örtlichen Gasthof endgültig gestoppt. Bei der Verfolgung des mutmaßlichen Tatverdächtigen kam es nach vorheriger mündlicher Androhung zu Schussabgaben durch einen Polizeibeamten. Der Flüchtende erlitt dabei eine Verletzung am Bein. Das bestätigen mehrere Irxleber die von dem Lärm aus dem Schlaf gerissen worden sind.

„Ich habe die Schüsse gehört und vorsichtig durch das Fenster geschaut“, sagte ein Anwohner. „Der Flüchtende war die Straße herauf gelaufen und hat versucht, über den Parkplatz des Gasthofes zu entkommen.“ Danach haben ihn die Beamten vor dem Haus überwältigt. Am Ort des Geschehens ist noch am Vormittag eine Blutlache zu sehen. Auf der anderen Straßenseite ist in der Mauer ein Beschädigung, wohl von einem abprallenden Projektil, zu sehen.

„Der Mann hat in gebrochenem Deutsch noch ,Mörder, Mörder‘ gerufen. Ich bin dann gleich in Deckung gegangen und habe nach den Kindern geschaut“, erzählt der Anwohner weiter. Er und der Besitzer des Gasthofs sind am Mittag damit beschäftigt, die restlichen Spuren und das Blut zu beseitigen, nachdem zuvor die Beamten das gesamte Areal sorgfältig untersucht hatten.

Aus dem Schlaf geschreckt

Ein weiterer Anwohner ist durch die Schüsse aus dem Schlaf aufgeschreckt worden. „Ich weiß wie sich eine Pistole anhört, wenn sie benutzt wird“, sagt er. „Da war mir die Sicherheit zunächst wichtiger als ans Fenster zu laufen.“

Erst später hat er sich getraut nachzuschauen. Da war der Tatverdächtige aber schon medizinisch versorgt und von den Beamten zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht worden. Die durch Irxleben führende Bundesstraße 1 war innerhalb der Ortschaft noch bis zum Mittag komplett gesperrt. Vom Kreisverkehr auf der Helmstedter Straße bis hin zum Teich hatten die Beamten alles abgeriegelt, sodass der Bereich großräumig umfahren werden musste.

Während der Verfolgung war zudem ein Hubschrauber im Einsatz. „Ich war um kurz nach fünf Uhr wach und habe das beobachtet“, sagt der Ortsbürgermeister Jürgen Heitmüller (SPD). Zu dem Zeitpunkt war ihm aber noch nicht klar, welche Umstände dazu geführt hatten. „Von dem Unfall und den Schüssen hatte ich da noch nichts mitbekommen“, schildert er. „Der Hubschrauber bewegte sich über das gesamte Oberdorf und suchte vermutlich nach weiteren Flüchtigen.“

Persönlich vor Ort

Heitmüller ist ganz froh, dass die Angelegenheit so abgelaufen ist. „Das gab es bei uns im Dorf in der Form noch nie“, sagt er. „Man muss schon dankbar sein, dass den Einwohnern nichts weiter passiert ist und die Polizisten so aufmerksam waren.“ Erst am Vormittag hat der Ortsbürgermeister die Situation perönlich in Augenschein genommen. „Ich sprach kurz mit der Polizei, aber die Beamten durften mir auch nichts weiter sagen, da die Ermittlungen noch andauern“, fügt der Bürgermeister hinzu.

Die Beamte sicherten in den verunglückten Pkw zahlreiche Beweisstücke, die wohl aus einem Tankstellenraub stammen. Das Fahrzeug - ein Audi A 8 - ist im Landkreis Börde angemeldet. Unter anderem wurden Gullideckel geöffnet, Metalldedektoren eingesetzt und Zeugen befragt.

Die Täter sind nach Polizeiangaben zuvor in eine Tankstelle in Oebisfelde eingebrochen und hatten sich danach wohl mit zwei Pkw Audi von dem Tatort entfernt. „Wir gehen insgesamt von drei bis fünf Beteiligten aus“, sagt der Sprecher der Polizeidirektion in Magdeburg, Frank Küssner. Ein Täter konnte dingfest gemacht werden, die anderen befinden sich derzeit noch auf der Flucht. Es sei unklar, wieviel Personen in den jeweiligen Autos unterwegs waren.

Das macht auch Aussagen von Anwohnern gegenüber der Volksstimme interessant, die eine zweite Person aus dem Auto haben springen sehen. Diese soll in die Ringstraße geflüchtet sein. „Die Beamten haben den später gefassten Flüchtigen bemerkt und verfolgt“, sagt der Polizeisprecher. „Derzeit wird seine Identität überprüft, um so Schlüsse auf die möglichen Mittäter zu erhalten.“