Wolmirstedt l Die Minen waren finster, das Plakat eindeutig: „Gegen Abfalldeponie Farsleben“. Fast 20 Bürger standen vor dem Ratssaal und zeigten ihren Unmut. Sie wehrten sich gegen die Erweiterung der Deponie durch die Firma Papenburg und dagegen, dass sie nicht gehört werden. „Wir werden immer vor vollendete Tatsachen gestellt“, monierte eine Frau. Ein anderer Bürger sagte: „Wir haben keine Möglichkeit, unsere Argumente und Befürchtungen vorzutragen.“ Ein Mann sorgte sich um die Grundwasserqualität.

Bürgermeisterin Marlies Cassuhn hatte zu einer Sitzung in den Ratssaal eingeladen. Dort kamen Vertreter der Firma Papenburg, Stadträte, Umweltexperten sowie die Ortschafträte von Farsleben und Mose zusammen. Ziel war es, die gewählten Räte zu informieren, was es mit der Deponie auf sich hat, welche Folgen sich daraus ergeben, ob sie nötig ist.

Bürger mussten draußen bleiben

Die Sitzung war nichtöffentlich, Bürger und Presse mussten draußen bleiben. Das war ein Grund, der die Bürger auf die Palme brachte. Sie zürnten, die Vertreter des Unternehmens Papenburg seien immer einen Schritt voraus. Gehör verschafften sie sich trotzdem.

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Sie übergaben jedem Stadtrat einen Zettel, auf dem die Sorgen aufgeschrieben waren. Dazu zählen unter anderem: Wegfall der Wanderwege, massiver Eingriff in die Natur, noch stärkere Lärm- und Schmutzbelästigung, Wertverlust der Häuser in Farsleben und Mose, sinkende Lebensqualität. „Es wird schon genug Wald für die neue Stromtrasse abgeholzt“, beklagte eine Frau.

Unterlagen konnten eingesehen werden

Bürgermeisterin Marlies Cassuhn stellte sich den Bürgern vor dem Ratssaal und bekräftigte ihre Entscheidung, die Informationsveranstaltung ohne Öffentlichkeit durchzuführen. Stadträte und Ortschaftsräte sollten die Möglichkeit bekommen, sich aus erster Hand von der Firma Papenburg zu informieren. Sie sind es, die der Stellungnahme der Verwaltung zustimmen müssen. Genehmigungsbehörde ist allerdings der Landkreis, der hat das letzte Wort.

Von der Bürgermeisterin wollte ein Bürger wissen: „Auf welcher Seite stehen Sie?“ Sie antwortete: „Ich stehe auf der Seite der Bürger.“

Deponie soll bald in Betrieb gehen

Die Unterlagen zur Deponie haben vier Wochen ausgelegen, jeder Bürger hatte bis zum 19. Dezember die Gelegenheit, im Rathaus in zwei dicke Ordner einzusehen. Darin waren detaillierte Pläne, Gutachten von Ämtern, dem Naturschutz, Gewässerschutz und mehr zusammengefasst (Volksstimme berichtete).

Demnach soll die Deponie aus Richtung der Kiesgrube in Richtung Neu-Mose wachsen und noch im dritten Quartal in Betrieb gehen. Eingelagert werden dann Abfälle der Klasse 0, das sind mineralische Abfälle wie Bodenaushub oder Bauschutt.

Gesamtfläche 18,5 Hektar

Die Deponie kann in den nächsten 25 bis 30 Jahren auf 25 Meter anwachsen. Die Gesamtfläche der Anlage soll 18,5 Hektar betragen, die reine Deponiefläche rund 14 Hektar. Die Deponie soll in sieben Abschnitten angelegt werden, jeder Abschnitt 1,6 bis 3 Hektar groß sein. Befüllt wird abschnittsweise, ist ein Abschnitt voll, wird oben abgedichtet und rekultiviert.

Die vorgesehene Deponiefläche befindet sich in den Gemarkungen Farsleben und Mose, derzeit wächst dort vor allem Wald. Dessen Tage wären nach einer Genehmigung der Deponie gezählt. Mindestens 13 Hektar müssten demnächst fallen, bis Ende Februar, dann beginnt die Vogelbrutzeit.

In der Stadtratssitzung am Donnerstag, 7. Februar, wird die Stellungnahme der Verwaltung öffentlich behandelt.