Groß Ammensleben l Gleich zu Beginn des ökumenischen Gottesdienstes am Reformationstag legten Pfarrer Thomas Wolter von der evangelischen und Diakon Bernhard Neumann von der katholischen Kirchengemeinde großen Wert darauf, dass dieser Gottesdienst katholische und evangelischen Christen gemeinsam ins Kirchenschiff geführt habe. „Luther hat vor 500 Jahren viel kritisches Potenzial in seinen Äußerungen gehabt, die gegen seine Kirche gingen. Bis heute ist es nicht verkehrt, kritisch zu gucken, und zwar auf die evangelische und die katholische“, sagte Wolter in seinen einleitenden Worten. Er verwies auch auf die „Sünden, die im Namen der Kirche begangen worden sind und werden“, auf das Töten und die Unterdrückung von Menschen im Namen Christi oder anderer Religionen.

Markante Ähnlichkeit mit der Lutherrose

Während des Gottesdienstes stellte Thomas Wolter erst einmal klar: „Eine Lutherrose ist unsere Rose hier nicht, das steht jetzt fest.“ Sie ähnele der echten allerdings sehr, so dass er nicht an einen Zufall glaube. „Ich denke, der Maler hatte die Lutherrose zumindest vor Augen, als er unsere malte“, sagt er. Die Ähnlichkeiten seien so markant, dass er dem Maler tatsächlich eine Absicht unterstellen wolle.

Die Unterschiede zwischen der Groß Ammensleber Rose und der Lutherrose seien nicht sehr groß, wie Wolter und Neumann erklärten. „Luthers Siegel hat ein kleines, schwarzes Kreuz in der Mitte eines roten Herzens, unsere Rose dagegen einen grünen Kreis“, sagt Wolter. Das kleine schwarze Loch in der Rose habe einzig praktische Gründe: Das Kabel des Weihnachtssterns werde durch diese Loch gefädelt.

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Warum der Maler die Lutherrose so abgewandelt hat, haben die Nachforschungen bisher noch nicht ergeben. Wolter vermutet mit Augenzwinkern: „Vielleicht wollte der Maler ein bisschen Luther ins katholische Kloster hineinschummeln.“ Allerdings wusste auch aus den Reihen der Gläubigen auf den Bänken im Kirchenschiff niemand Konkreteres zur Groß Ammensleber Rose, so dass Wolter mögliche weitere Nachforschungen zur Absicht des Malers am liebsten als Forschungsauftrag sehen würde.

Diakon Bernhard Neumann als Vertreter der katholischen Gemeinde sagte im Gottesdienst mit Hinblick auf die Reformation: „Wir kommen heute nicht an Luther vorbei. Er war nicht zufrieden mit dem, was er in seiner Kirche vorfand, und hat neue Ideen ganz selbstverständlich aufgegriffen und noch besser gemacht.“ Das Wappen der Familie Luther, eben jede Lutherrose, bezeichnete er als sehr durchdacht, was Luther noch zu Lebzeiten selbst in seiner Korrespondenz bis ins letzte Detail erklärt hat.

In der gemeinsamen Predigt erklärten die beiden Männer Gottes ganz genau, welche Elemente der echte Lutherrose welche Bedeutung hat. Das Kreuz für den Glauben und das Herz für die Liebe bilden das Zentrum des Lutherschen Wappens.

Sanierung der Kirchen-Rose kostet 1500 Euro

Beide sind umgeben von Rosenblättern, die für den Frieden stehen. Eingeschlossen wird die Rose vom blauen Himmelsfeld, dem Land des Friedens, und dem goldenen Ring als Symbol für die Ewigkeit. Mit Aussagen von Luther und dessen eigenen Worten aus seinen Briefen untersetzten Neumann und Wolter die Erklärungen zur Schmuckrose, die zur Ansicht am Altar der Kirche aufgestellt war.

Die „Lutherrose“, die auch nach der Erklärung ihrer Unterschiede zur echten Lutherrose ihren Namen in Groß Ammensleben behalten durfte, ist auf Holz gemalt. Die Sanierung hat 1500 Euro gekostet, davon waren bis Dienstag bereits 1000 Euro an Spenden eingegangen. Firmen, Vereine und Einzelpersonen haben mit ihrer Spende zur Sanierung der Rose beigetragen.

Ihren Platz im Gewölbe des Kirchenschiffs wird die Schmuckrose noch in dieser Woche, vor dem kommenden Gottesdienst am Sonntag bekommen. Der letzte leere Platz im Gewölbe des Kichenschiffs wird dann auch wieder farbenfroh geschmückt sein, bislang war der Platz unter dem Kirchendach schmucklos.