Wolmirstedt l Landwirt Klaus Horstmann schaut zu, wie eine Maschine die Gülle in den Boden bringt. Eine Scheibenegge reißt den Boden auf, die Gülle wird eingebracht, dann verfüllt die Maschine die Spuren mit Erde. Der Geruch weht über den Acker in Mose, ein Storch sucht in der frisch aufgeworfenen Erde nach Futter. Bald werden auf diesem Feld Zuckerrüben in die Erde gesetzt.

Klaus Horstmann ist einer von vielen Landwirten, die in der Börde zur Ernährung von Menschen und Tieren beitragen und er ärgert sich mächtig, wenn Landwirte beschimpft werden, weil Gülle unangenehm riecht oder Traktoren zu langsam fahren. Beides gehöre dazu. Gülle sei ein natürlicher Dünger, der zudem in der hofeigenen Biogasanlage aus Mais und Hühnermist hergestellt werde.

In diesem Zusammenhang räumt er mit einem Vorurteil auf: „Dieser Gärrest ist kein Abfallprodukt, was wir irgendwie auf den Feldern verklappen, sondern wertvoller Dünger.“ Es werde nur soviel auf die Felder gebracht, wie die Pflanze anschließend aufnehmen kann. Dazu werde sowohl der Boden als auch die Gülle analysiert und der Düngebedarf ermittelt, berechnet, wieviele Nährstoffe die Pflanze braucht. Erst, wenn den Pflanzen durch die Gülle noch nicht genug Nährstoffe geliefert werden, wird mineralisch zugedüngt.

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Böden südlich des Kanals sehr ertragreich

Wie wichtig die Landwirtschaft der Börde ist, weiß Christian Apprecht, Geschäftsführer des Bauernverbandes Börde. Besonders südlich des Mittellandkanals seien die Böden sehr ertragreich, dort wachsen vorwiegend Weizen, Rüben und Raps. Nördlich des Mittellandkanals gibt die Erde nicht mehr ganz so viel her, dort werden eher Roggen und Gerste angebaut, außerdem widmen sich Landwirte der Tierhaltung.

So ein Tierhalter ist Gordon Kuhnert. Der züchtet Angus-Rinder, eine Rasse, die besonders wohlschmeckendes Fleisch liefert. Auf seinem Hof und den Weiden hält er die Mutterkühe, die Kälber werden mit etwa neun Monaten zur Mast weiterverkauft.

Das jüngste Kalb wurde vor drei Tagen geboren und kuschelt sich noch gemütlich ins Stroh, sorgsam bewacht von der Mutterkuh. In den vergangenen zwei Wochen sind insgesamt 43 Kälber zur Welt gekommen, sieben weitere Geburten werden erwartet.

Verkauf quasi fast vor der Haustür

Klaus Horstmann und Gordon Kuhnert haben mit vielen Kollegen ihrer Region eines gemeinsam: Sie lassen ihre Produkte so nah wie möglich verarbeiten und verkaufen quasi fast vor der Haustür. Die Börde kann also getrost als gut gefüllte Ecke einer großen Vorratskammer gelten. Ein Fakt, der nicht ganz unwesentlich ist, sollten weltweite Lieferketten aufgrund der Corona-Krise brüchiger werden.

Christian Apprecht zählt auf: Aus den Zuckerrüben wird in Wanzleben Zucker gewonnen, aber die Rüben geben auch Glukose her, die beispielsweise Cola zugesetzt wird. Die Rübenschnitzel hingegen werden dem Rapsschrot beigemischt, der Kühen vorgesetzt wird. Raps schmeckt bitter, deshalb wirken die Zuckerrübenschnitzel wie Leckerli. Der Raps wird unter anderem in Sachsen-Anhalts Ölmühlen verarbeitet, zu Öl, bildet aber auch den Grundstoff für Margarine.

Roggen wird in der Magdeburger Getreidemühle gemahlen und an kleine Bäckereien sowie regionale Großbäckereien verkauft. Feldgemüse und Zwiebeln, die rund um Barleben wachsen, bleiben ebenfalls meist in der Region.

Keine Großschlachtereien in der Börde

Großschlachtereien gibt es in der Börde nicht mehr, sodass die Tiere unter anderem nach Halberstadt oder Weißenfels gebracht werden müssen. Auch die Milch der Kühe muss den Weg in die Molkereien der Altmark antreten.

Manche Betriebe setzen auf Direktvermarktung, auf Abokisten zum Beispiel, doch das schätzt Christian Apprecht eher noch als Nischenprodukt. Trotzdem will sich auch Gordon Kuhnert auf diesem Markt behaupten. Er bietet einmal im Monat die Direktvermarktung des Fleischs seiner Angus-Rinder an. Die Kunden bestellen vor, dann lässt er in Zerbst schlachten und informiert die Fleischliebhaber drei Tage vorher, dass ihr Paket bereitsteht.

Gibt es auch Landwirte, denen die Corona-Krise zu schaffen macht? Christian Apprecht nennt die fehlenden Erntehelfer. Das spüren derzeit die Spargelbauern, später werden die Erdbeerbauern händeringend Personal suchen, mitunter auch die Milchviehbetriebe. Getreide, Kartoffeln, Rüben und Mais werden weitgehend maschinell geerntet.

Ansonsten spüren die aktuelle Corona-Krise diejenigen, die Gastronomen bedienen, Milchwerke, die Sahne, Butter oder Käse an Eisdielen, Kantinen oder Restaurants liefern.

Auch Gordon Kuhnert überlegt noch, ob er seinen Sommerplan tatsächlich umsetzen wird und Angus-Grillwürste fertigt. Womöglich fällt in diesem Jahr die Grillsaison aus.

Klaus Horstmann hofft indes auf Verständnis, wenn derzeit auch sonntags gedüngt werden muss. „Das Wetter lässt uns im Frühjahr nur ein sehr kleines Zeitfenster, das müssen wir nutzen.“